Von Boom bis Personalabbau 17.06.2011, 12:10 Uhr

Luft- und Raumfahrt gibt zwiespältiges Bild ab

Wie in vielen Branchen ist auch das Bild, dass die Luft- und Raumfahrt derzeit abgibt, zwiespältig. Der zivilen Luftfahrt geht es gut und sie sucht Ingenieure, auch der Branchenzwerg Raumfahrt boomt. Die militärische Luftfahrt aber schaut deutlich weniger zuversichtlich in die Zukunft, von Personalabbau ist die Rede.

Die Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie gehören seit Jahren zu den von Ingenieuren bevorzugten Arbeitgebern, übertroffen bisweilen nur von einigen Unternehmen der Automobilindustrie. Das trifft gleichermaßen für die studentische Elite zu, (die besten 25 % eines Jahrgangs) wie auch für Ingenieure, die einen Arbeitsplatz im Ausland suchen. Und an der Sympathie der Ingenieure für die Luft- und Raumfahrt scheint auch die Wirtschaftskrise kaum etwas geändert zu haben.

Der Markt  ist leer gefegt

Der Markt ist leer gefegt

In Deutschland gibt es nach Angabe des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) gut 200 Unternehmen, die sich ganz oder teilweise in der Luft- und Raumfahrt (LuR) engagieren.

Der Gesamtumsatz der Branche lag im Jahre 2010 bei gut 24,7 Mrd. €, ein Zuwachs von 4,5 % gegenüber dem Vorjahr.

Industrie in Luft- und Raumfahrt vorwiegend mittelständisch aufgestellt

Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist vorwiegend mittelständisch aufgestellt, aber große Unternehmen wie EADS bestimmen weitgehend den Puls der Branche.

Diese besteht im Wesentlichen aus drei Sektoren: Der größte ist die zivile Luftfahrt, gefolgt von der Verteidigungsindustrie. Kleinster im Bunde ist die Raumfahrtbranche.

Im Jahre 2010 arbeiteten in deutschen LuR-Unternehmen insgesamt 95 400 Menschen, ein Zuwachs gegenüber 2009 von 1,8 %. Die überwiegende Mehrheit (62 200)war in der zivilen Luftfahrt beschäftigt (stagnierend gegenüber dem Vorjahr), 22 600 im Verteidigungs-und Sicherheitssektor (+ 6,3 % gegenüber 2009) und 6700 in der Raumfahrt (+ 8,1 %). Der Rest, insgesamt 3900, werden der allgemeinen Verwaltung zugerechnet.

Zivile Luft- und Raumfahrt erwartet Personalaufbau für 2011

Die Beschäftigungsentwicklung und die Beschäftigungsperspektiven sind in den einzelnen Branchen durchaus unterschiedlich. In der zivilen Luftfahrt war die Personalentwicklung gegenüber dem Vorjahr eher verhalten, könnte aber 2011 – getrieben durch die Vertriebserfolge von Airbus – deutlich ansteigen: „Es wird einen erheblichen Personalschub geben“ , so Thomas Enders, CEO von Airbus und Präsident des BDLI.

Grund für diese Zuversicht sind der deutliche Hochlauf der Airbus-Produktion – so will Airbus die A320er-Fertigung von derzeit 36 pro Monat auf 42 hochfahren. Europaweit sucht Airbus an die 3000 neue Mitarbeiter, 1000 davon in Deutschland.

Der Markt  ist leer gefegt

Der Markt ist leer gefegt

Für Beschäftigungsimpulse sorgen dürfte auch die Weiterentwicklung der A320-Familie zur A320neo und der Anlauf der weitgehend aus Kohlenstofffaserverbundwerkstoffen (CFK) hergestellte A350XWB. So sucht etwa Premium Aerotec, ein wichtiger Lieferant von Flugzeugstrukturen für Airbus, 50 „erfahrene Ingenieure“ im CFK-Bereich – vor allem für Design und Stressanalysen.

Auch die Raumfahrt in Deutschland ist, so Evert Dudok, CEO von Astrium Satellites „definitiv auf der Erfolgsspur“. Gleichwohl läuft bei Astrium, der europäischen Raumfahrttochter von EADS, ein Restrukturierungsprogramm namens Agile, über das 2000 der insgesamt 15 000 Stellen bei Atrium abgebaut werden sollen. Gute Ingenieure werden aber weiter gesucht.

„Düstere Wolken“, so Andreas Sedlmayr, Eigner der Autoflug GmbH und beim BDLI für die kleinen und mittelständischen Unternehmen zuständig, ziehen jedoch über der Verteidigungs- und Sicherheitsbranche auf. Die im Verteidigungshaushalt geplanten Kürzungen für Instandsetzung und Materialerhalt machen der Branche Sorgen, darüber hinaus fehlen neue Entwicklungsvorhaben.

„Düstere Wolken“: Militärische Luft- und Raumfahrt muss Personal abbauen

Der Druck, unter dem die Verteidigungsindustrie steht, ist erheblich. So will die wehrtechnische EADS-Tochter Cassidian innerhalb Europas gut 600 Mitarbeiter abbauen, allerdings weniger im Ingenieurbereich, sondern eher in der Verwaltung und unterstützenden Abteilungen, so Cassidian-CEO Stefan Zoller in Frühjahr in der Presse.

Zudem meldeten einige hoch spezialisierte Zulieferer und Ausrüster mit Fokus auf dem Verteidigungsgeschäft bereits Kurzarbeit an oder mussten Stammpersonal abbauen, heißt es beim BDLI. Mit weiteren Rückgängen bei der Beschäftigung und Umsatz müsse deshalb gerechnet werden, der Konsolidierungsdruck steige. Vereinzelte Unternehmen mit mehreren Standbeinen würden sich auch aus der Wehrtechnik zurück ziehen, ist zu hören.

Trotz der schwierigen Lage in einigen Branchensegmenten ist die Nachfrage nach Ingenieuren erheblich – was auch große Entwicklungsdienstleister spüren: „Es wird zu einer immer größeren Herausforderung, derzeit überhaupt gute Ingenieure für den Luft- und Raumfahrtbereich zu finden“, so Werner Ferreira da Silva. Direktor für Luft- und Raumfahrt beim Technologiedienstleister Altran. Um 10 % könnte er sein Geschäft steigern, wenn er denn genug gute Ingenieure fände.

Auch Harald Felten, beim Ingenieurdienstleisters Ferchau für die Luft- und Raumfahrt zuständig, bestätigt diesen Trend: „Gerade bei Entwicklungsingenieuren für die zivile Luftfahrt spüren wir eine massive Nachfrage, die schwierig zu decken ist.“ Zwischen 80 und 100 Ingenieure will Ferchau noch in diesem Jahr für den LuR-Bereich einstellen.

„Der Markt ist leergefegt“, so auch die Einschätzung von Airbuschef und BDLI-Präsident Thomas Enders, was es für viele Unternehmen insbesondere der zivilen Luftfahrt schwierig mache, „in ausreichendem Maß qualifizierte Ingenieure“ zu rekrutieren.

Anders im Verteidigungssektor. Hier könnten die knappen öffentlichen Haushalte, so Enders, in Deutschland zu einem „dauerhaften Verlust von Technologiekompetenz und hochqualifizierten Arbeitsplätzen führen.“

Auch Felten spürt im Verteidigungssektor eine „deutliche Unsicherheit“ angesichts der zukünftigen Entwicklung. Zumal den kleineren Herstellern der Sprung über die Grenzen nicht so leicht fällt wie etwa international aufgestellten Unternehmen.

Von Wolfgang Mock

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