Raumfahrt 17.08.2007, 19:29 Uhr

Langsam steigt die Spannung  

Das Weltraumlabor Columbus und das Versorgungsmodul ATV.

Deutsche und europäische Raumfahrtmanager verfolgen derzeit noch genauer als bisher, wie zuverlässig das Shuttle arbeitet und was auf der Internationalen Raumstation ISS geschieht. „Der Grad der Aufmerksamkeit erhöht sich deutlich“, so Günther Brandt, Programmleiter Columbus bei der EADS-Tochter Astrium in Bremen. Denn im Dezember soll das europäische Weltraumlabor Columbus im Shuttle zur ISS aufbrechen und wenig später an die ISS andocken.

„Die aktuelle Mission und die nächste“, so Brandt, „sind essentiell für Columbus“. Im Moment schaffen die Astronauten auf der ISS die Voraussetzungen dafür, dass die Energieversorgung für das Columbus-Labor einwandfrei arbeiten kann. Und mit der nächsten Shuttle-Mission im Oktober sollen die Astronauten einen Verbindungsknoten an der Station anbringen, ohne den Columbus nicht andocken kann.

Das europäische Weltraumlabor ist 6,9 m lang, mit einem Durchmesser von 4,5 m. Beteiligt am Bau waren Dutzende von europäischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die industrielle Führung lag bei Astrium in Bremen.

Im Columbus-Labor sollen während der bis 2015 ausgelegten Lebenszeit der Internationalen Raumstation europäische Wissenschaftler im All forschen können.

Vielleicht auch darüber hinaus. „Wir können Columbus durchaus länger als bis 2015 betreiben“, so Brandt. Er geht davon aus, dass die Raumstation und damit auch das Labor mindestens bis 2020 im Einsatz sind. Die wissenschaftliche Nutzung des Labors wird schon seit Jahren durch die Europäische Weltraumorganisation ESA vorbereitet.

Mit dem gut 600 Mio. € teuren Columbus-Labor erfüllt sich ein lang gehegter und immer wieder bedrohter Traum der europäischen Raumfahrt-Community. Ursprünglich nämlich – der Name erinnert noch daran – sollte Columbus 1992 an die damals geplante Raumstation andocken. Nun, im Dezember 2007, soll es endlich so weit sein.

Nur wenig später soll sich auch der zweite große Beitrag der Europäer zur ISS auf den Weg ins All machen: das Versorgungsmodul ATV.

Zumindest auf der Erde ist es schon angedockt: In einem aufwändigen Test wurde Anfang August der vollautomatische Andockvorgang des ATV (Automated Transfer Vehicle) an der internationalen Raumstation simuliert. Beteiligt waren das französische ATV-Kontrollzentrum in Toulouse, das amerikanische Kontrollzentrum in Houston und das russische in Moskau.

Ende Januar 2008 wird es ernst. Dann soll das ATV – von einer europäischen Ariane-Rakete ins All gebracht – am russischen Zwesda-Modul der internationalen Raumstation ankoppeln.

Das ATV ist Europas wohl ambitioniertester Beitrag zur internationalen Raumstation. Mit seiner Länge von knapp 10 m und einem Durchmesser von 4,5 m ist es deutlich größer als das Raumlabor Columbus. Und mit seinen Entwicklungskosten von mindestens 1,4 Mrd. € auch deutlich teurer.

Das ATV wiegt insgesamt knapp 20 t beim Start. Davon sind 7,5 t Nutzlast – wissenschaftliche Experimente, aber auch Versorgungsgüter wie Frischluft, Wasser oder Treibstoff.

Gleichzeitig soll das ATV die Station regelmäßig wieder auf ihre Umlaufbahn anheben, da die ISS immer wieder langsam Richtung Erde sinkt.

Gut 95 min nach dem Start von der europäischen Startanlage in Kourou aktiviert das ATV seine Navigationssysteme, entfaltet seine 9 m langen Sonnenpaneele und nähert sich automatisch dem Shuttle.

Auch der gesamte Andockvorgang läuft automatisch ab, jedoch können die Astronauten an Bord der ISS im letzten Moment von Hand ein Ausweichmanöver einleiten, sollte etwa die Andockgeschwindigkeit zu groß sein.

Bis zu einem halben Jahr kann das ATV mit der ISS verbunden bleiben, dann wird es, mit 6 t Stationsmüll vollgepackt, abgekoppelt und verglüht beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Industriell geführt wird das ATV-Projekt wie das Columbus-Projekt von Astrium in Bremen.

Technische Probleme bei der Hard- wie bei der Software – die nach ESA-Angaben allein etwa den 10-fachen Umfang der Software der Ariane-5-Rakete hat – führten ebenso zu Verzögerungen wie die beiden Shuttle-Katastrophen. Ursprünglich war der ATV-Start für Mitte 2003 vorgesehen.

Läuft alles nach Plan, dann sollen bis 2015 mindestens noch sechs ATV zur Station fliegen. Diese ATV-Flotte ist der Beitrag Europas zu Unterhalt und Versorgung der ISS.

Ob ATV und Columbus sinnvoll genutzt werden können, ist letztlich davon abhängig, wie gut das Shuttle funktioniert und wie schnell die ISS weiter ausgebaut wird. Geplant ist, dass die Station 2010 fertiggestellt sein soll.

Bevor die aktuelle Shuttle-Mannschaft Ende vergangener Woche auf der ISS ankam, war die Station zu gut 57 % fertig und wog 250 t, so William Gerstenmaier, bei der Nasa für die Raumfahrt zuständig, vor dem Raumfahrtausschuss des US-Kongresses. Derzeit sind noch elf Missionen zur endgültigen Fertigstellung der ISS im Jahr 2010 geplant. Wenn nötig, so Gerstenmaier, ließen sich noch zwei weitere Flüge einbauen.

Derzeit hat das Shuttle seine alte Form wiedergewonnen: In den letzten zwölf Monaten starteten fünf Shuttles, und – sofern die aktuelle Mission erfolgreich zu Ende geht – kamen auch wieder heil zurück.

Ein Problem aber bleibt: 2010 will die Nasa das Shuttle einmotten und all ihr Geld in ein neues Trägersystem investieren. Das aber wird wohl kaum vor 2014 fertig sein. In diesen vier Jahren werden auch europäische Wissenschaftsastronauten dann nur mit dem russischen Soyus-Träger in ihr Labor im Weltall kommen. W. MOCK

Alles hängt davon ab, wie zuverlässig das Shuttle ist

  • Wolfgang Mock

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