Investoren in der Raumfahrt 18.05.2012, 11:57 Uhr

Kommerzielle Rakete fliegt zur Raumstation ISS

Am kommenden Samstag soll zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt eine kommerziell – wenn auch mithilfe der Nasa – entwickelte Rakete in den Weltraum starten und ein Versorgungsmodul zur Internationalen Raunstation ISS fliegen. Klappt das, kann das der Beginn einer neuen Epoche der Raumfahrt sein – mit einer völlig neuen Gruppe von Investoren.

An diesem Wochenende will das Unternehmen Space Exploration, SpaceX genannt, die erste kommerziell entwickelte Rakete von ihrem Startplatz in Cape Canaveral in Florida ins All schicken. Auf der Falcon 9-Rakete wird die Dragon-Kapsel sitzen, die zwei bis drei Tage nach dem Start an die Internationale Raumstation ISS andocken und Versorgungsgüter ausladen soll.

Ein Selbstläufer wird dieser Flug nicht. Die Falcon-Rakete hat erst einen einzigen Testflug hinter sich, die Dragon-Kapsel noch keinen. Andockmanöver an die ISS wurden bisher nur am Boden simuliert. Mehrfach musste der Start bisher verschoben werden.

Doch von diesem Flug hängt eine Menge ab für die Zukunft der amerikanischen Raumfahrt. Nach dem Ende der Shuttle-Missionen setzt die Nasa mittelfristig auf die beiden Unternehmen SpaceX und Orbital, um Versorgungsgüter zur ISS zu fliegen. Die Dragon-Kapsel soll 6 t zur ISS transportieren und 3 t wieder mit zurückbringen – vor allem wissensschaftliche Ergebnisse und Experimenteinrichtungen.

Wie SpaceX entwickelt auch Orbital Sciences eine Rakete und eine Transportkapsel – die Antares-Rakete und die Cygnus-Kapsel. Gestartet wird von Wallops in Virginia. Cygnus soll zwischen 2 t und 3 t zur ISS bringen können, allerdings nichts wieder zurück zur Erde.

Während aber die Dragon-Kapsel und die Falcon eigene Entwicklungen von SpaceX sind, hat sich Orbital Unterstützung geholt: Die Cygnus wird von der italienischen Thales Alenia Space gebaut, die Triebwerke der ersten Stufe der Antares sind eine Weiterentwicklung des russischen NK33-Triebwerks.

Die Antares soll im August dieses Jahres erstmals ins All fliegen, allerdings ohne die Cygnus-Kapsel. Ursprünglich war der erste Antares-/Cygnus-Start für Ende 2010 geplant.

Sowohl Orbital wie SpaceX werden im Rahmen des amerikanischen Commercial Orbital Transportation Services Programms (COTS) von der Nasa gefördert und haben bereits Transportaufträge mit der Nasa abgeschlossen: Orbital soll für 1,9 Mrd. Dollar acht Versorgungsflüge zur ISS leisten, SpaceX für 1,6 Mrd. Dollar zwölf.

Neben dem COTS-Programm, das sich auf die Entwicklung der Trägerrakete samt Nutzlastkapsel für die Versorgung der ISS konzentriert, fördert die Nasa die kommerzielle Entwicklung von Kapseln, mit denen auch Menschen zur ISS und wieder zurück zur Erde gebracht werden können.

Commercial Crew Progamme entwickelt kommerzielle Raketen

An diesem Commercial Crew Progamme sind derzeit vier Wettbewerber beteiligt: Boeing, Blue Origin, Sierra Nevada und SpaceX. Angedacht sind dabei neben Kapseln auch Raumgleiter. Boeing, Blue Origin und Sierra Nevada wollen ihre Fluggeräte samt Astronauten mit einer amerikanischen Atlas-V-Rakete ins All bringen, SpaceX setzt auf seine Falcon.

Außerdem plant Orbital, die Cygnus-Kapsel weiterzuentwickeln, sodass sie Menschen in den Weltraum transportieren kann. Und die US-Unternehmen Lockheed Martin und ATK haben zusammen mit der europäischen Astrium vor Kurzem der Nasa ebenfalls eine Rakete samt bemannbarer Kapsel angeboten.

Ziel aller dieser Entwicklungen ist, die Kosten für den Start eines Astronauten in den erdnahen Orbit auf gut 20 Mio. Dollar zu drücken. Gegenwärtig kostet die Nasa der Transport eines US-Astronauten zur ISS mit der russischen Soyus-Kapsel gut 60 Mio. Dollar.

Wann diese Ziele erreicht werden, hängt mit davon ab, was die Nasa an Fördermitteln bereitstellt. Ursprünglich plante sie allein 2012, gut 800 Mio. Dollar für die Entwicklung eines Transportgeräts für Astronauten ein, was der Kongress jedoch um die Hälfte kürzte. Für 2013 sieht die Lage nicht besser aus. Im US-Kongress werden deshalb Stimmen laut, die ein Zusammenlegen mehrerer Konzepte vorschlagen.

Dennoch scheint sich derzeit der Trend zu verstärken, dass raumfahrtfremde Finanziers in die Raumfahrt einsteigen und dort ein Geschäft wittern.

Paul Allen und Richard Branson lassen eigene Raketen entwickeln

Im erdnahen Raum sind das Paul Allen, Mitbegründer von Microsoft und Richard Branson, der seine ersten Millionen im Musikgeschäft machte. Branson bietet heute über Virgin Galactic Flüge in 100 km Höhe an, wobei seine Kunden 5 min Schwerelosigkeit erleben sollen. In Neu-Mexiko hat er dafür eigens den Spaceport America mitaufgebaut.

Allen finanziert neben Ideen für den Weltraumtourismus auch das Stratolaunch-Konzept – ein riesiges Trägerflugzeug, von dem aus eine SpaceX-Rakete in den erdnahen Orbit starten soll.

SpaceX-Gründer Elon Musk wurde reich durch seinen Online-Bezahldienst PayPal und ist Mitgründer von Tesla Motors.

Bigelow Aerospace entwickelt derzeit eine Art aufblasbare Raumstation, die SpaceX mit seinen Raketen versorgen soll. Der Gründer Robert Bigelow hat sein Vermögen mit einer amerikanischen Hotelkette gemacht.

Blue Origin wurde von Amazon-Chef Jeff Bezos gegründet und hält sich mit öffentlichen Auftritten eher zurück. Bezos hat sich sogar ein eigenes Testgelände in Texas geleistet. Die von Blue Origin entwickelte Kapsel soll bis zu sieben Astronauten fassen und eine „bionische“ Form haben. Bezos entwickelt offenbar auch ein eigenes Raketentriebwerk.

Planetary Resources setzt auf Rohstoff-Abbau im Weltraum

Und erst vor wenigen Wochen machte das Unternehmen Planetary Resources – von sich reden, das auf erdnahen Asteroiden Platin, Palladium, Osmium oder Iridium abbauen will. Hinter Planetary Resources stehen die Google-Milliardäre Larry Page und Eric E. Schmidt sowie der ehemalige Chief Technical Officer von Microsoft, David Vaskevitc.

Früh dabei sein, lautet ihre Devise wohl auch hier.

Von Wolfgang Mock

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