Bilder von Rosetta 21.05.2015, 15:25 Uhr

Kometenforscher vermuten Wackelstein auf Tschuri

Bilder der Raumsonde Rosetta lassen Kometenforscher staunen: Der Komet Tschuri hat offenbar einen Wackelstein. Der 30 m große Brocken balanciert auf dem Rand einer Vertiefung. 

Blick auf die Oberfläche aus 29 km Entfernung: Felsbrocken Nummer zwei balanciert auf dem Rand einer Vertiefung. Die Forscher halten ihn für einen Wackelstein. 

Blick auf die Oberfläche aus 29 km Entfernung: Felsbrocken Nummer zwei balanciert auf dem Rand einer Vertiefung. Die Forscher halten ihn für einen Wackelstein. 

Foto: ESA/ Rosetta/ MPS for OSIRIS Team MPS/ UPD/ LAM/ IAA/ SSO/ INTA/ UPM/ DASP/ IDA

Sie üben besonders auf Kinder eine große Faszination aus, die sogenannten Wackelsteine. Die oft riesigen und tonnenschweren Steinformationen berühren den Untergrund nur mit einem kleinen Teil ihrer Oberfläche. Manche dieser Trümmer lassen sich tatsächlich von Menschenhand bewegen und wirken so, als würden sie jeden Augenblick umkippen oder von ihrem Sockel herunterfallen. In Deutschland kann man solche Wackelkandidaten zum Beispiel im Bayerischen Wald und im Fichtelgebirge antreffen. Manchmal sind diese Gesteinsblöcke auf Gletschereis förmlich zu ihrem jetzigen Standort gesurft. In anderen Fällen waren es Wind und Regenwasser, die das weichere Gestein der Umgebung abgetragen und den Wackelstein freigelegt haben.

30-m-Brocken balanciert auf dem Rand einer Vertiefung 

Einen solchen Wackelstein glauben Kometenforscher vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen nun auf dem Kometen Tschuri entdeckt zu haben. Bilder des Rosetta-Kamerasystems Osiris zeigen drei gewaltige Felsbrocken. Einer der drei Trümmer, ein 30-m-Felsbrocken, balanciert auf dem Rand einer Vertiefung und hat offenbar eine nur sehr kleine Auflagefläche auf der Kometenoberfläche. Deshalb vermuten die Wissenschaftler, dass es sich um einen Wackelstein handelt.

„Wie der mögliche Wackelstein auf dem Kometen entstanden ist, lässt sich noch nicht sagen“, berichtet MPS-Forscher Holger Sierks, der das Osiris-Team leitet. Möglicherweise habe auch auf Tschuri ein Transportprozess eine Rolle für die Entstehung der besonderen Gesteinsformation gespielt. Beispielsweise könnten Brocken durch Kometenaktivitäten, durch die ständig Oberflächenmaterial bewegt werde, an einen neuen Standort wandern.

Steinformation auf Tschuri: Die Forscher rätseln derzeit, wie sie entstanden ist. 

Steinformation auf Tschuri: Die Forscher rätseln derzeit, wie sie entstanden ist. 

Foto: ESA/ Rosetta/ MPS for OSIRIS Team MPS/ UPD/ LAM/ IAA/ SSO/ INTA/ UPM/ DASP/ IDA

Es gibt auf Tschuri einige Geröllhalden, die auf Gesteinsbewegungen hindeuten. Viele ziemlich große Felsbrocken sind auf den Osiris-Aufnahmen zu sehen, die Rosetta im September vergangenen Jahres aus einer Überflughöhe von 29 km zur über 500 Millionen Kilometer entfernten Erde schickte. Einer der größten befindet sich auf der Kometenunterseite und misst rund 45 m. In Anlehnung an seine Pyramidenform haben die Forscher den Brocken Cheops getauft.

Magnetismus hat bei Kometenentstehung keine Rolle gespielt 

 „Aufnahmen von der Oberfläche des Kometen richtig zu interpretieren, ist eine schwierige Aufgabe“, räumt Sierks ein. Es ist schließlich niemand vor Ort anwesend. Und je nach Beobachtungsstandort der Raumsonde zum Zeitpunkt der Aufnahme und je nach Beleuchtungssituation und Bildauflösung können sehr unterschiedliche und auch zum Teil irreführende oder gar widersprüchliche Eindrücke entstehen.

Bild der Osiris: Mit diesem Kamerasystem schießt Raumsonde Rosetta Fotos vom Kometen Tschuri. 

Bild der Osiris: Mit diesem Kamerasystem schießt Raumsonde Rosetta Fotos vom Kometen Tschuri. 

Foto: MPS

Tschuri macht aus dem genauen Prozess seiner Entstehung ein großes Geheimnis. Nur eines konnten die Kometenforscher bisher mit Sicherheit ausschließen. Im Fachmagazin Science schreiben sie, dass Magnetismus keine Rolle bei der Kometenentstehung gespielt hat. „Das war eine der möglichen Theorien“, sagt Erstautor Has-Ulrich Auster von der Technischen Universität Braunschweig. Mit speziellen, in Braunschweig entwickelten und auf der Raumsonde Rosetta und auf dem Landeroboter Philae installierten Messgeräten haben die Forscher den Magnetismus des Kometen vermessen. „Die Frage war völlig offen. Man war noch nie auf einem Kometen“, sagt Auster. Das Ergebnis: Die Quietsche-Ente Tschuri hat kein Magnetfeld. Dafür aber jetzt wahrscheinlich einen Wackelstein.

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