Satelliten 18.05.2001, 17:29 Uhr

Iridium funkt wieder

Eigentlich sollten sie längst verglüht sein, die Iridium-Satelliten. Monatelang fand sich kein Käufer für das hochverschuldete Satelliten-Konsortium. Doch ein US-Konkursrichter gab einer Investorengruppe um den Vorstandsvorsitzenden Dan Colussy die Chance, den gesamten Vermögenswert für 25 Mio. Dollar zu erwerben – ein Schnäppchen sozusagen. Iridium ist wieder on air.

Vor wenigen Tagen stellte Iridium seine Funktionstüchtigkeit in einer dramatischen Rettungsaktion am Südpol unter Beweis. Ronald S. Sheminski, der Arzt der 50-köpfigen Mannschaft der Amundsen-Scott-Station am Südpol, war an einer lebensbedrohlichen Bauchspeicheldrüsenentzündung erkrankt. Am Südpol ist die Flugsaison zu dieser Jahreszeit eigentlich schon zu Ende. Ein Rettungsflug ist bei den in dieser Gegend extremen Wetterumschwüngen ein lebensgefährliches Unterfangen, zumal auch die übliche Radio-Kommunikation zusammenbricht. Mit Iridium-Satellitentelefonen wurde ein sicherer Kontakt zwischen Flugzeug, Wetterstation und Bodenstationen hergestellt – Doktor Sheminskis Leben konnte gerettet werden.
Mit einer neuen Unternehmensstrategie, neuen Produkten und günstigen Verbindungsgebühren will Iridium Satellite LLC aus Tempe, Arizona, alte und neue Kunden gewinnen. Nach mehr als drei Monaten eingehender Qualitätssicherungstests ist das Iridium-Gateway seit einigen Wochen voll betriebsbereit. Über dieses Gateway werden die globalen Mobiltelefoniedienste zur Verfügung gestellt.
Ab Juni 2001 wird Iridium außerdem Datendienste anbieten mit etwa 2,4 kbit/s und einen direkten Internet-Zugang mit 9,6 kbit/s. Im weiteren Verlauf dieses Jahres werden voraussichtlich auch Kurzmitteilungsdienste verfügbar sein.
„Damit können industrielle Anwender ab sofort die zuverlässige Mobiltelefonie per Satellit auch in abgelegenen Regionen der Erde nutzen, die von terrestrischen Systemen nicht versorgt werden können“, erzählt Ginger Washburn, Chief Marketing Officer. „Durch die lückenlose Flächendeckung aller Ozeane, des gesamten Luftraums und der Polarregionen eignet sich Iridium besonders für Anwendungen in der Seefahrt, in der Luftfahrt, in der Exploration und Förderung von Erdöl und Erdgas, im Bauwesen und in der Forstwirtschaft, aber auch für Hilfsorganisationen und in der Freizeit.“
Zu den Iridium-Kunden gehört u. a. das US-Verteidigungsministerium, das mit 20 000 Karten unter Vertrag der Hauptnutzer ist. Besonders die globale Flächendeckung und damit die Ergänzung der Kommunikationsinfrastruktur schätzen die Militärs. Sie waren bereits Kunde bei dem bankrott gegangenen Vorgängerunternehmen und sind so begeistert, dass sie die Nutzung der Iridium-Dienste auch anderen US-Behörden empfehlen. Aus Sicherheitsgründen betreibt das Verteidigungsministerium ein eigenes Iridium-Gateway auf der Sonneninsel Hawaii.
Während das alte Konzept vorsah, dass Iridium-Kunden in mit Mobilfunk versorgten Regionen automatisch per GSM telefonieren konnten, setzt das neue Management auf den Einsatz in Gebieten, in denen es keine mobile Infrastruktur gibt. Außerdem können sich die Preise sehen lassen. Je nach abgenommenem Volumen kostet eine Gesprächsminute von einem Iridium-Telefon zwischen einem und anderthalb Dollar. Wer mit seinem GSM-Handy vom Urlaub aus dem Ausland nach Deutschland telefonieren will, muss nicht gerade selten mehr zahlen.
Um sowohl eine geografische Abdeckung als auch eine vertikale Marktabdeckung zu erreichen, hat Iridium Verträge mit 13 Service Providern abgeschlossen, die für die weltweite Vermarktung des Leistungsangebotes sorgen sollen. Der größte Teil von ihnen war schon früher Iridium-Dienstleister.
Leider gibt es derzeit noch keinen Provider in Deutschland. Interessenten können sich an die europäischen Service Provider wenden. Ehemalige Kunden können dort auch ihre alten Geräte updaten lassen. Damit wird dann Datenkommunikation möglich sein, und die Sprachqualität soll besser werden, verspricht Ginger Washburn.
Die Auslieferung der neuen datendienstfähigen Motorola-Satellitentelefone sei bereits angelaufen. Der Einzelhandelspreis für ein Gerät der Satellite Series 9500 soll unter 1000 Dollar liegen. Die kleineren und leichteren Geräte der Satellite Series 9505 werden voraussichtlich zu Einzelhandelspreisen um 1500 Dollar im August dieses Jahres auf den Markt kommen. I. PASZKOWSKY / CH. HORN
http://www.iridium.com

Das Iridium-System

Reserve wird weiter ausgebaut

Das Iridium-System wird von The Boeing Company (NYSE: BA) auf der Basis eines Vertrages mit Iridium Satellite betrieben und verwaltet. Es besteht aus 66 im Normalbetrieb arbeitenden Satelliten und sieben Reservesatelliten in der Umlaufbahn, was eine Nutzungsdauer von mindestens sieben Jahren gewährleisten soll. Iridium beabsichtigt, 2002 weitere sieben Reservesatelliten zu starten und so die Gesamtzahl dieser Satelliten auf 14 zu erhöhen. ip/ch

Von Ip/Christoph Hammerschmidt
Von Ip/Christoph Hammerschmidt

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