Verteidigungstechnik 14.08.2009, 19:42 Uhr

Indien plant die Runderneuerung seiner Luftwaffe  

Für die Hersteller von Kampfflugzeugen in Europa, Amerika und Russland wird es ernst: Indien bereitet einen großen Rüstungsauftrag vor, will zugleich neue Technologien ins Land holen. Die EADS bietet mit. VDI nachrichten, Wien, 14. 8. 09, moc

Bernhard Gerwert zeigt vorsichtigen Optimismus. „Wir bieten den Indern mit dem Typhoon das derzeit beste Kampfflugzeug an und dahinter steht Europa“, versichert der CEO der militärischen Flugsysteme der EADS und meint damit auch das politische Gewicht Europas.

Denn es geht um sehr viel. Der Auftrag Delhis ist mit 10 Mrd. Dollar aktuell einer der lukrativsten im Verteidigungsgeschäft weltweit. 126 Kampfjets sollen dafür angeschafft werden, um die derzeitigen veralteten russischen Jets der indischen Luftwaffe abzulösen.

Hinter dem Auftrag verbirgt sich ein vierzigjähriges industrielles Kooperationspaket. Der Gewinner der Ausschreibung würde so die Grundlagen einer langfristigen Kooperation legen. Insgesamt will Indien in den nächsten 16 Jahren bis zu 100 Mrd. Dollar für die Modernisierung seiner Luftwaffe ausgeben – für die Flugzeuge, aber auch für Radarsysteme und Drohnen bis hin zu Ausbildungsprogrammen.

Mitte August beginnen die einjährigen Tests der Flugzeuge. Im Rennen sind die F-18 von Boeing, die F-16IN Super Viper von Lockheed, der schwedische Gripen, der französische Rafale, der Eurofighter (Exportname: Typhoon) und die russische Mig 35.

Die indische Regierung unternimmt einiges, um direkte Einflussnahme oder sogar Bestechung durch potenzielle Bieter zu verhindern und hatte einige Bieter bereits im Vorfeld ausgeschlossen.

Dennoch wird versucht, politisch Einfluss zu nehmen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy lud Soldaten der indischen Marine, Armee und Luftwaffe zur Nationalfeier am 14. Juli nach Paris ein. Vor den Augen ihres Premiers, Manmohan Singh, marschierten sie die Champs Elysees herunter.

Amerikas Außenministerin Hillary Clinton versuchte im Juli in Indien Geschäftsleute und politische Weichensteller zu bezaubern. Ein Problem war dabei das Aushandeln eines “End User Agreements“. Dabei ging es um das amerikanische Einspracherecht nach dem Transfer sensibler Technologie nach Indien. Obwohl schon sehr vorsichtig formuliert und von Premier Singh im Juli im Parlament verteidigt, könnte es dennoch zu einem ernsten Handicap für Boeing und Lockheed Martin werden.

Vielleicht noch interessanter ist das industrielle „Offset“-Paket. So ist eine Bedingung des Kontrakts, dass der Gewinner die Hälfte der 10 Mrd. Dollar in den Aufbau gemeinsamer Fertigungsstätten mit indischen Partnern investiert. „Nur die beste Technologie hat da eine Chance“, versichert Tom Vadakkaan, Sprecher der regierenden Kongresspartei.

Delhi will die Gunst der Stunde nutzen, um einen möglichst großen Bereich der heimischen Verteidigungsbranche auf Top-Niveau zu heben.

Ansätze dazu gibt es. So stellte EADS zwei Entwicklungszentren auf die Beine, eines für Airbus, das zweite für andere Luftfahrt-Projekte. Mit dem indischen Unternehmen Larsen & Tourbo wurde ein Joint Venture zur Verteidigungselektronik geschlossen. Die Eurocopter-Tochter der EADS ist seit Jahren Partner der Hindustan Aeronautics Limited.

Dassault, Hersteller des Rafale, baute eine Firma für den Luftahrt- und industriellen Designbereich auf. Boeing wie Lockheed Martin halten sich eher zurück. Der schwedische Hersteller des Gripen, Saab, schloss eine Partnerschaft mit der indischen Gruppe Tata.

Zu den Bewerbern, die die umfangreichste Palette in Sachen Verteidigungstechnik zu bieten haben, zählen EADS und Lockheed Martin. Aber auch Boeing bringt neben der F-18 das Seekontrollflugzeug P-8, den Transporter C-17 sowie Kampfhubschrauber CH-47 Chinehook und AH64-Apache mit auf die Waage.

Wie könnte nun das Rennen ausgehen? Insider in Delhi tippen derzeit 60 % zu 40 % auf EADS und Boeing. Eine Teilung des Auftrags wird nicht ausgeschlossen, womit die EADS offenbar leben könnte: „Delhi hält den Schlüssel in der Hand, warum nicht?“, so Gerwert.

Für Indien drängt die Zeit. In der indischen Nachbarschaft wachsen die Konflikte. Islamistische Terroristen versuchen, Indien durch Anschläge in einen Krieg mit Pakistan zu bomben und auch Pekings Drohgebärden werden aggressiver: „Süd-Tibet“ nennt die dortige Führung derzeit unverblümt Indiens Arunachal Pratesh. JAN HOEHN

Von Jan Hoehn
Von Jan Hoehn

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