Zunächst touristische Flüge geplant 19.11.2013, 10:11 Uhr

Großbritannien plant eigenen Weltraumbahnhof auf der Insel

Großbritannien will in den nächsten fünf Jahren einen eigenen Weltraumbahnhof auf der Insel bauen. Das wäre der erste Startplatz für Raumfahrzeuge in Europa. Der aktuelle Startplatz beispielsweise für die europäische Trägerrakete Ariane liegt in Französisch-Guayana in Südamerika.

Start einer Ariane-Rakete der ESA in Kourou in Französisch-Guayana: Jetzt will Großbritannien bis 2018 einen Startplatz voraussichtlich in Schottland bauen.

Start einer Ariane-Rakete der ESA in Kourou in Französisch-Guayana: Jetzt will Großbritannien bis 2018 einen Startplatz voraussichtlich in Schottland bauen.

Foto: ESA

Spätestens 2018 will die britische Raumfahrtindustrie einen Startplatz im Inland in Betrieb nehmen. Zunächst sollen von Großbritannien aus vor allem touristische Flüge in den Weltraum starten, wie sie der britische Unternehmer Sir Richard Branson über sein Unternehmen Virgin Galactic derzeit von einem amerikanischen Startplatz im Bundesstaat New Mexico anbietet.

Ob das von der Industrie vorangetriebene Vorhaben überhaupt realisierbar ist, wird derzeit von vier Behörden gemeinschaftlich untersucht. Nach Informationen von ingenieur.de sollen die britischen Behörden den Plänen wohlwollend gegenüberstehen. Bei diesen Behörden handelt es sich um die UK Space Agency, die Civil Aviation Authority (CAA), das Verkehrsministerium und schließlich das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und neue Techniken. Das Ergebnis der Untersuchungen soll Mitte 2014 vorliegen und wäre Grundlage für die Entscheidung zur Realisierung.

Industrie bevorzugt Luftwaffenbasen in Schottland

Von der Industrie wird eine der großen schottischen Luftwaffenbasen der Royal Air Force als Standort für den Raumfahrt-Startplatz anvisiert. Die erforderlichen langen Rollbahnen sind dort vorhanden. Zugleich würden die Raumfahrzeuge unmittelbar nach dem Start über das Meer hinaus fliegen und hätten somit keine schwerwiegende Lärmbelastung der Bevölkerung zur Folge.

Flughafen des Raumfahrtunternehmens Virgin Galactic in New Mexico: Einen solchen Weltraumbahnhof, von dem Flugkörper starten können, plant die britische Raumfahrtindustrie in Schottland.

Flughafen des Raumfahrtunternehmens Virgin Galactic in New Mexico: Einen solchen Weltraumbahnhof, von dem Flugkörper starten können, plant die britische Raumfahrtindustrie in Schottland.

Foto: Virgin Galactic/Mark Greenberg

Bemerkenswert ist, dass Schweden den Briten den Aufbau eines Raumfahrt-Startplatzes in Nordschweden in der Gegend von Kiruna angeboten hat. Von Seiten der britischen Industrie wird allerdings ein Startplatz im eigenen Land eindeutig vorgezogen.

Weltraumbahnhof soll Entwicklungszentrum für Raumfahrttechnik werden

Die Industrie zielt über die anfängliche Hauptnutzung für touristische Weltraumflüge hinaus darauf ab, den Startplatz zu einem Entwicklungszentrum für Raumfahrtechnik zu machen. Dabei geht es konkret um die Entwicklung der neuartigen Raketenmotoren von Reaction Engines, einem Unternehmen, das die britische Regierung mit Startmitteln von umgerechnet 72 Millionen Euro ausgestattet hat. Derzeit wird über Finanzmittel von Dritten in Höhe von umgerechnet 300 Millionen Euro verhandelt, mit deren Hilfe ein Prototyp des neuen Motors gebaut werden soll.

Das Neuartige an diesem Raketenmotor ist, das er den erforderlichen Sauerstoff aus der Atmosphäre nimmt, während der Sauerstoff normalerweise in der Rakete mitgeführt werden muss. Wenn dieses Konzept die Erwartungen erfüllt, dann soll auf der Basis dieses Motors ein „Skylon“ genanntes Flugzeug für die Raumfahrt entwickelt werden. Dieses unbemannte Flugzeug wäre nach jedem Flug sofort wiederverwendbar und damit vergleichsweise kostengünstig im Betrieb. 

Bisher werden in Großbritannien vor allem Satelliten gebaut

Die britische Raumfahrtindustrie setzt im laufenden Jahr voraussichtlich umgerechnet rund zwölf Milliarden Euro um. Der größte Teil davon entfällt auf kleine Satelliten, bei denen Großbritannien einen vergleichsweise hohen Anteil am Weltmarkt hat. Astrium baut in Großbritannien allerdings auch den Mars Rover, der 2018 zum Mars geschickt werden soll.

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