Satelliten 17.09.1999, 17:22 Uhr

Globalstar: Mit einfacher Technik ins All

Satelliten-Mobilfunk-Konsortien sind vorsichtig geworden. Nach dem schlechten Start von Iridium und der wahrscheinlichen Pleite von ICO möchte nun Globalstar unter Beweis stellen, daß seine Handys ins All funken können. Auf der Genfer Messe Telecom soll dezent für das technisch einfachere System geworben werden.

Satellitentelefonsysteme scheinen unter einem schlechten Stern zu stehen: Iridium und ICO haben Gläubigerschutz beantragt. Iridium funktioniert seit einem Jahr immerhin einigermaßen. Das für Mitte 2000 angekündigte Satellitenhandynetz von ICO Global Communications kam dagegen nicht einmal über Tests am Boden hinaus. Nicht ein einziger der zwölf geplanten Satelliten befindet sich auf der Umlaufbahn. Mangels Geld und Investoren wird ICO wie manche andere Idee der Rüstungs- und Raumfahrtindustrie kaum realisiert werden.
Um so aufmerksamer wird das nächste Projekt beobachtet werden, das bisher kaum von sich reden gemacht hatte. Globalstar will Mitte Oktober auf der Fachmesse Telecom in Genf seine Funktionstüchtigkeit als zweites globales Satelliten-Mobilfunknetz beweisen. Daß die Werbetrommel bisher nicht gerührt wurde, beschreibt der Geschäftsführer der für Europa zuständigen Vertriebsgesellschaft Elsacom als reine Vorsichtsmaßnahme: „Wir wollten keine falschen Erwartungen wecken“, begründet Luigi Gasparollo die Zurückhaltung.
Während Iridium frühzeitig für das erste Satellitentelefonnetz warb, den Start immer wieder verschieben mußte und mit technischen Problemen bei Satelliten und Handys kämpfte, will Globalstar vorsichtiger vorgehen. „Die Probleme von Iridium haben unseren Markteintritt nicht eben erleichtert“, bedauert Gasparollo. Der Italiener hätte es lieber gesehen, wenn Iridium Erfolg gehabt und den Markt für den zweiten im All vorbereitet hätte.
Mit einem von Anfang an funktionierenden Satellitensystem will sich Globalstar vom Branchenpionier abheben. Die Chancen stehen dank der technischen Unterschiede sehr gut, denn Globalstar ist viel simpler aufgebaut als das Iridium-Netzwerk aus 66 Satelliten.
Diese sind untereinander durch Funkstrecken verbunden, um Gespräche so lange wie möglich im eigenen Netz bis zu einer Bodenstation zu transportieren, die in der Nähe des Gesprächspartners liegt. „Das war früher richtig, als Auslandsgespräche sehr teuer waren“, gesteht Gasparollo ein, der früher Technologie-Direktor bei der italienischen Elsacom-Muttergesellschaft Alenia Aerospazio war.
Heute kosteten solche Verbindungen nur noch Pfennige und seien immer billiger als per Satellit. Deshalb verzichtet Globalstar auf Interlinks und aufwendige Software im Satellitennetzwerk und läßt seine gegenwärtig 36 Trabanten Handy-Gespräche wie von einem Spiegel in die nächste Bodenstation reflektieren, von wo aus sie den Empfänger irgendwo auf der Erde erreichen. „Wir ersparen uns damit die komplexe und schwer zu wartende Software in den Satelliten und haben die ganze Intelligenz am Boden“, beschreibt Gasparollo die technischen Vorteile.
Anders ist auch die Funkverbindung zwischen den Satellitenhandys als bei Iridium: Dort hatte nur ein breiter, in viele Waben aufgeteilter Strahl eines Satelliten die Strahlung des Handys erfaßt, das lediglich 2,4 kbit/s senden konnte. Bei Globalstar ist die Übertragungsleistung viermal so hoch. Jedes Handy wird von zwei bis vier Satelliten erfaßt.
Mit einem Path Diversity genannten patentierten Verfahren können die Signale, die von mehreren Satelliten empfangen und gesendet werden, zu einem Signal zusammengefaßt werden, was Übertragungssicherheit und Gesprächsqualität verbessert. Auch die Übergabe des Gesprächs zwischen den in 1414 km Höhe um die Erde kreisenden Satelliten soll hörbar besser sein als bei Iridium.
Die Satellitenhandys sind etwas kleiner als bei Iridium, fallen aber immer noch durch eine herausklappbare fingerdicke Antenne auf. Globalstar-Initiator Qualcomm produziert die Handys für Märkte mit CDMA- und AMPS-Mobilfunksystemen. Wie schon bei Iridium nutzen die Handys den Weg durch das All nur im Freien und nur dann, wenn kein terrestrisches Funknetz erreichbar ist. Die italienische Telital, die kürzlich Hagenuk übernommen hatte, und Ericsson stellen wesentliche schickere Modelle her, die mit Globalstar und im GSM-Standard kommunizieren können, der außerhalb Deutschlands in hundert Ländern verbreitet ist.
Den Markt schätzt auch Elsacom-Direktor Gasparollo nicht als besonders groß ein. 325 000 Kunden werden im ersten Jahr Globalstar nutzen. „In Deutschland werden es vielleicht 10 000 sein“, schätzt der Italiener. Iridium soll derzeit weltweit knapp 20 000 Kunden haben. Den Vertrieb übernehmen D1 und D2. Im Internet und über die Vertriebskanäle der Handyhersteller sollen weitere Kunden gewonnen werden. „Beispielsweise wären auch Bootsausrüster geeignete Partner“, sagt Gasparollo.
Die Handys sollen deutlich günstiger als bei Iridium sein. 850 Dollar kostet das Qualcomm-Modell. Die anderen Preise stehen noch nicht fest. Auch der Minutenpreis soll erst in Genf bekanntgegeben werden. Derzeit sind 1 Dollar bis 2 Dollar in der Diskussion. „Wir müssen beweisen, daß es den Markt gibt“, bekräftigt Gasparollo, der für den Vertrieb in 27 europäischen Ländern verantwortlich ist.
Weil Globalstar als Ergänzung zu den erdgebundenen Mobilfunknetzen weder große Kundenzahlen noch viele Gesprächsminuten erwarten kann, bietet das Konsortium auch Verbindungen zum Festnetz an. Da erweist es sich als Glücksgriff, daß neben den international aktiven France Telecom und Vodafone AirTouch auch China Telecom als Investor mit im Boot ist. Denn in China, aber auch in weiten Teilen Osteuropas und Südamerikas, könnten erstmals Telefonverbindungen angeboten werden. Dafür genügen feste Telefon-Stationen, die mehr Gesprächsminuten in das Satellitennetz bringen werden als die teuren Handys einer exklusiven Nutzergruppe. Die Regierungen mehrerer Länder haben laut Gasparollo bereits zugesagt, die festen Telefoneinrichtungen zu fördern, was die Minutenpreise auf vielleicht 30 Cent drücken kann.
In das 3,26 Mrd. Dollar teure Satellitentelefon-Projekt investierten neben Qualcomm auch Alcatel, Alenia Aerospazio, DaimlerChrysler Aerospace und Space SystemsLoral. Wenn die letzten der 52 Satelliten im Dezember 1999 im All sind, ist das System mit acht Umlaufbahnen komplett. Ab November sollen „friendly user“ gewonnen werden. Doch erst ab Januar 2000 sollen Globalstar-Handys für 800 Dollar bis 1400 Dollar offensiv verkauft werden. „Satellitenhandys sind beratungsintensiv und passen nicht ins hektische Weihnachtsgeschäft“, begründet Gasparollo den langsamen Start.
FRIEDHELM WEIDELICH
Drei verschiedene Hersteller bieten Handys für die Kommunikation ins All an: Die Modelle mit der ausklappbaren fingerdicken Antenne stammen von Qualcomm, Telital und Ericsson.
Entscheidend für die Handy-Kommunikation via Satellit in Europa ist der Gateway im italienischen Avezzo, in dem viele Verbindungen zusammenlaufen.
Globalstar ist einfach aufgebaut: Handy-Gespräche werden von den derzeit 36 Trabanten wie von einem Spiegel in die nächste Bodenstation reflektiert.

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