Satelliten 06.10.2006, 19:24 Uhr

Geocaching – Schatzsuche via Satellitenortung  

Schatzkisten finden. Ihre Ausrüstung: Ein GPS-Gerät. Der neue Zeitvertreib für Technikbegeisterte und Naturliebhaber nennt sich Geocaching.

Mithilfe der GPS- und Sattelitentechnik erobert eine einst militärische Erfindung den Freizeitsport. In Deutschland sind mittlerweile 21 000 Caches versteckt, weltweit sind es auf 222 Länder verteilt sogar über 290 000. Die Schatzsuche beginnt allerdings erstmal am PC. Auf speziellen Geocaching-Seiten im Internet sind die Cache-Koordinaten hinterlegt, die man durch einfache Umkreissuche für seine Umgebung abrufen kann. Eingegeben in ein outdoor-taugliches GPS-Gerät kann die Schnitzeljagd beginnen.

Trotz elektronischer Suche führt der eigentliche Weg zum Cache meist durch die Natur. Über morastige Waldwege und kniehohe Wiesen. Doch meldet das GPS-Gerät in der Hand nur noch 20 m bis zum Ziel, lässt sich ein ambitionierter Cacher von keinem Unkraut der Welt zurückhalten, seinen Schatz zu bergen.

Bei den Caches handelt es sich oft nur um profane Plastikdosen oder alte Munitionskisten. Darin liegen Schlüsselbänder, Plastikfiguren oder anderer Krimskrams. Schnell wird klar, um den Schatz an sich, kann es den Geocachern nicht gehen. Vielmehr lockt die Faszination: Knobeln, Orten, Loggen. Denn auf den Logbuch-Seiten im Internet führt jeder genau Statistik darüber, wer was wann und wo gefunden hat.

Das Global Positioning System und die in 18 000 km Entfernung schwebenden Satelliten sind natürlich nicht hauptsächlich für das Orten von Tupperdosen vorgesehen, sondern waren in erster Linie für den militärischen Einsatz der USA gedacht.

Im Jahr 2012 sollen die Galileo-Satelliten der EU dem bisherigen GPS-System Konkurrenz machen. Galileo ist rein für zivile Prozesse konzipiert und unterliegt daher nicht militärischen Kontrollen wie beim US-System. Außerdem soll Galileo exaktere Daten als das GPS liefern. Die Bestätigung dafür liegt allerdings noch in den Sternen, denn erst müssen alle Galileo-Satelliten eben dort hingeschossen werden. Wenn es klappt, würde das die Cacher natürlich freuen, denn gerade bei dieser GPS-Nutzung kommt es auf die Genauigkeit von wenigen Metern an.

Marktführer der bisherigen GPS-Handheld Geräte sind Garmin, Maggelan und TomTom. Sie melden einstimmig positive Verkaufszahlen. Der GPS-Markt hat sich im Jahresvergleich verdoppelt. Hauptsächlich Auto-Navigationssysteme boomen derzeit auch an immer ausgefeilteren Handgeräten wird gearbeitet.

Fürs Geocaching reichen aber schon Geräte der unteren Preiskategorien aus. „Das wichtigste ist das Orten der Koordinaten und die Genauigkeit, die heutzutage bei allen Geräten gleich gut ist“, versichert Garmin-Pressesprecher Peter Pfrüner. Er empfiehlt außerdem outdoortaugliche Geräte mit einer hohen Akkuleistung und PC-Schnittstellen. Ein Vorteil seien außerdem zusätzliche Speicherkarten, um das Gerät mit topografischen Karten aufzurüsten. Preis: Zwischen 99 € und 250 €.

Cache ist nicht gleich Cache, das wissen Experten. Da gibt es zum einen den sogenannten Traditional-Cache, dem Cache für Einsteiger, dessen Zielkoordinate direkt im Internet steht. Der beliebte Multicache gestaltet sich gleich schwieriger. Man bekommt nur die Koordinaten des ersten Wegpunktes mitgeteilte und muss dann vor Ort Rätsel lösen, um sich weitere Koordinaten errechnen zu können.

Außerdem gibt es noch Night-Caches für Nachteulen, Mystery-Caches für Tüftler oder Event-Caches, bei denen die Geocacher statt eines Schatzes, sich gegenseitig suchen, um dann in einem Biergarten oder ähnlichem dem gemeinsamen Hobby zu frönen.

Auch Richard gehört zur Cacher-Gemeinde. Richard ist eine kleine Holzfigur mit einer nummerierten Metallplakette am Fuß. Er ist ein sogenannter Travelbug, Reisekäfer. Travelbugs werden von Cachern gefunden und bei ihrem nächsten Trip wieder in ein anderes Versteck gelegt. Online kann man dann die Reise der Travelbugs verfolgen. Richard z. B. wurde erstmals im Schwarzwald entdeckt, mit ihm die Mission: „Schwarzwald ist zwar schön, aber er will die Mammutbäume in den USA sehen.“ Gesagt getan, Cacher „Scheff“ hat ihn aufgestöbert und bei seinem USA-Urlaub im Handgepäck mitgenommen. Völkerverständigung at its best: Satelliten kreisen, Caches reisen um die Welt. JULIA SCHMID

 

Von Julia Schmid

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