Luftfahrt 11.05.2012, 11:57 Uhr

Flughafen Berlin Brandenburg (BER): Abflug verschoben

Der Endspurt bei den Bauarbeiten am neuen Großflughafen Berlin Brandenburg wurde am Dienstag überraschend gestoppt. Offizielle Begründung

Montag früh. Ortstermin auf der Baustelle der Flughafens Berlin Brandenburg (BER). Überall im Terminal Materialpaletten, Rollgerüste, offene Kabelstränge. Dazwischen Trupps behelmter Bauarbeiter – über 7000 an der Zahl, die im Lärm von Kreissägen, Flexen und Bohrhämmern fieberhaft arbeiten. Mitten in diesem Gewusel listen Großbildschirme fiktive An- und Abflüge. In noch verwaisten, hölzern furnierten Check-in-Schaltern warten Rechner und Drucker im Stand-by-Modus auf ihren Einsatz.

Die laufenden IT-Geräte inmitten des Baustellenlärms muten surreal an. Noch surrealer ist der Gedanke, dass hier in drei Wochen regulärer Flugbetrieb starten soll. Auf die Frage, ob es schon Szenarien für eine Verschiebung des Betriebsstarts am 3. Juni gebe, blockt die Pressereferentin der Flughafengesellschaft gereizt ab: „Wir werden fertig.“

BER-Chef bittet um Entschuldigung

Keine 24 Stunden später sitzen Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz neben zwei konsternierten Herren. Rainer Schwarz, Sprecher der BER-Geschäftsführung, und sein Chefplaner Manfred Körtgen müssen einräumen, dass die Eröffnung platzt.

„Wir stoppen den bereits begonnenen Umzug ab sofort“, erklärt Schwarz. Flüge müssten vorerst weiter von den Flughäfen Tegel und Schönefeld abgewickelt werden. Mehrfach bittet der sichtlich mitgenommene BER-Chef in seinem Statement um Entschuldigung.

Körtgen erläutert den Hintergrund: „Die Entrauchungsanlage, die im Brandfall die 300 000 m2 Terminalfläche entrauchen und Frischluft nachführen soll, ist installiert, doch die Prozesskette dahinter funktioniert noch nicht reibungslos.“ Die Anlage werde die technische Reife für die Abnahme binnen drei Wochen nicht erlangen. Das 2,5 Mrd. € teure Prestigeprojekt steht ohne Betriebserlaubnis da.

TÜV-Rheinland prüft Sicherheit des Flughafens Berlin Brandenburg

Die technische Abnahme des Flughafens durch den TÜV Rheinland läuft schon seit November 2011, „um mögliche Korrekturen im Detail vornehmen zu können, ohne den Zeitplan zu gefährden“, wie TÜV-Chef Eckhard Lippold seinerzeit anmerkte.

Während technische Einrichtungen wie Aufzüge, Fluggastbrücken, Rolltreppen, Gepäckbänder oder Energieversorgungssysteme durchgecheckt sind, habe die Brandschutz-Prüfung laut TÜV-Rheinland-Sprecher Hartmut Müller-Gerbes noch gar nicht begonnen. „Wir können mit der Wirkprinzip-Prüfung erst beginnen, wenn alle Anlagen fertig sind und uns der Flughafen grünes Licht gibt“, erklärt er. Danach nähmen die Prüfungen mindestens drei bis vier Wochen in Anspruch.

Die Entrauchungsanlage ist laut BER-Planer Körtgens die größte weltweit. Solche Anlagen sind seit der Brandkatastrophe am Flughafen Düsseldorf im Jahr 1996, bei der 17 Menschen an Rauchgasen erstickten, vorgeschrieben.

Das BER-Terminal zu entrauchen, ist keineswegs trivial. Im Gebäude hätte das Berliner Olympiastadion Platz – entsprechende Luftmassen wären im Brandfall auszutauschen. Eingebettet ist die Anlage in ein übergeordnetes System, zu dem 19 000 automatische und manuelle Brandmelder, 50 000 Sprinklerköpfe und eine Vielzahl von Brandfallsteuerungen gehören. Sie sind an neun Gefahrenmeldezentralen angeschlossen. Zudem sind 11 500 Lautsprecher und 1500 Videokameras eingebunden, um im Ernstfall Fluggäste informieren und ihre Flucht koordinieren zu können.

Ursprünglicher Eröffnungstermin des Flughafens Berlin Brandenburg musste bereits verschoben werden

Bereits der ursprüngliche Eröffnungstermin am 31. Oktober 2011 musste verschoben werden, nachdem eine Planungsfirma für den Innenausbau Pleite gegangen war und die EU neue Sicherheitsvorschriften erlassen hatte. Deswegen mussten Planungen für insgesamt 36 Kontrolllinien im Fluggastterminal gestoppt und völlig neu aufgesetzt werden.

Hinter vorgehaltener Hand berichten Beteiligte, der Zeitverzug infolge der Umplanung habe von Gewerk zu Gewerk zugenommen, wodurch letztlich nicht genug Zeit für Installation und Tests der Brandschutzsysteme blieb.

Wowereit, der zugleich Aufsichtsratschef der Berliner Flughäfen ist, hatte zur ersten Verschiebung erklärt, auch der neue Fahrplan sei ehrgeizig. O-Ton damals: „Wir wollen, dass Druck im Kessel bleibt.“ Wie es scheint, war dieser Druck falsch dimensioniert.

Air Berlin und Lufthansa müssen Flüge nach Tegel und Schönefeld umlegen

Die finanziellen Folgen der abermaligen Verschiebung sind ungewiss. Fluggesellschaften in aller Welt, allen voran die BER-Hauptkunden Air Berlin und Lufthansa müssen kurzfristig umdisponieren und alle Flüge der nahen Urlaubssaison nach Tegel und Schönefeld umlegen.

Der minutiös geplante, mit zahllosen behördlichen Genehmigungen vorbereitete Umzug der bestehenden Flughäfen muss neu geplant und die gekündigten Verträge in Tegel und Schönefeld verlängert werden. Für wie lange, ist ungewiss. Air Berlin hat sich bereits gegen eine Eröffnung in der Sommersaison ausgesprochen, damit der Umzug nicht in die stärkste Geschäftszeit der Airline falle. 

Von Peter Trechow

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