Zahlreiche Indizien 29.09.2016, 10:46 Uhr

Flug MH17: Alles deutet auf pro-russische Rebellen hin

298 Menschen starben am 17. Juli 2014 beim Absturz des Fluges MH17 über der Ostukraine. Es scheint nun fast sicher, dass pro-russische Rebellen die aus Russland stammende Rakete abgeschossen haben. Nur warum? 

Wrackteile der Boeing 777, die im Juli 2014 in der Nähe von Donetzk abgestürzt ist. Die Ermittler haben aus den Wrackteilen, Telefonaten, Amateurvideos umd Zeugenaussagen den Abschuss von Flug MH17 sehr genau rekonstruieren können.

Wrackteile der Boeing 777, die im Juli 2014 in der Nähe von Donetzk abgestürzt ist. Die Ermittler haben aus den Wrackteilen, Telefonaten, Amateurvideos umd Zeugenaussagen den Abschuss von Flug MH17 sehr genau rekonstruieren können.

Foto: Robert Ghement/dpa

Kriminalisten reden ja gerne von intensiven Ermittlungen, wenn sie die lange Dauer ihrer Arbeit erklären wollen. Aber kaum einmal offenbaren sie genug Details, um das wirklich nachvollziehbar zu machen. Anders beim „Joint Investigation Team“ (JIT), der internationalen Ermittlergruppe, das gestern Nachmittag seinen neuen Bericht über den Abschuss eines Malaysia-Airlines-Fluges am 17. Juli 2014 über der Ostukraine veröffentlichte.

Präzise beschreiben die Experten ihre Vorgehensweise. Hunderte Fotos wurden ausgewertet, auch viele Videos, die Amateure von der aufsteigenden Rakete gemacht hatten. Aufgezeichnete Telefongespräche und GPS-Daten wurden analysiert, rund 100 Personen sind bislang ermittelt, die irgendwie mit der Sache zu tun haben.

Ein internationales Ermittlerteam hat zahlreiche Beweise dafür gefunden, dass pro-russische Rebellen vor zwei Jahren Flug MH17 über der Ostukraine mit einer russischen Rakete abgeschossen haben. Die Rakete wurde aus Russland geliefert.

Ein internationales Ermittlerteam hat zahlreiche Beweise dafür gefunden, dass pro-russische Rebellen vor zwei Jahren Flug MH17 über der Ostukraine mit einer russischen Rakete abgeschossen haben. Die Rakete wurde aus Russland geliefert.

Foto: Jerry Lampen/dpa

Und vor allem die forensische Arbeit war mehr als detailliert. So nahmen die Experten aufgrund der frühen Vermutung, dass eine Buk-Rakete das Flugzeug mit 298 Menschen an Bord getroffen hatte, ein Geschoss dieses Typs bis in alle Einzelteile auseinander, um diese mit Fragmenten am Absturzort abgleichen zu können.

Abschussort genauer ermittelt

So konnten die Ermittler eindeutig nachweisen, dass an einigen Leichen Splitter  eines Buk-Sprengkopfes hafteten. Und diese Splitter wiederum wiesen Spuren von Sicherheitsglas auf, wie es für eine Boeing 777 verwendet wird.

An der Theorie mit der Rakete russischer Bauart hatte – abgesehen von der russischen Regierung – schon länger kaum jemand Zweifel. Der neue JIT-Bericht, den es ausführlich im Internet gibt, enthüllt aber einen weiteren wichtigen Punkt: Die Abschussrampe für die Boden-Luft-Rakete wurde mit einem Transporter von Russland aus in die Ukraine transportiert, und zwar auf einen Acker südlich der Stadt Snischnoje, das damals unter der Kontrolle der pro-russischen Rebellen stand.

Die Forensiker konnten nachweisen, dass die Splitter in Flugzeug und Leichen eindeutig von einem russischen Buk-Sprengkopf stammen.

Die Forensiker konnten nachweisen, dass die Splitter in Flugzeug und Leichen eindeutig von einem russischen Buk-Sprengkopf stammen.

Foto: Robin Van Lonkhuijsen/dpa

Gleich nach dem Abschuss sei die Startvorrichtung wieder zurück nach Russland gebracht worden, heißt es im Bericht. Amateurvideos zeigen sogar den Transport der Abschusseinrichtung. Und bei der Rückfahrt fehlte eine der ursprünglich vier montierten Raketen.

Suche nach Verantwortlichen wird schwierig

Damit scheint endgültig klar, dass ukrainische Separatisten für den Abschuss verantwortlich sind. Die russische Regierung versucht dies allerdings weiterhin zu widerlegen. Sie will unbedingt daran festhalten, dass die Rakete auch von einem Ort abgeschossen worden sein könne, den damals das regierungstreue ukrainische Militär kontrollierte.

Damit indes hat sie kaum Aussicht auf Erfolg, da die JIT-Ermittlungen international Anerkennung finden. So hat US-Außenminister John Kerry schon erklären lassen, dass der Bericht ein weiterer Schritt sei, die Verantwortlichen dingfest zu machen. Und er rief alle Staaten, die dazu in der Lage seien, dazu auf, an der Aufklärung mitzuwirken – in der Diplomatensprache ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Russland.

Vor zwei Jahren kamen 298 Menschen beim Absturz einer Boeing 777 in der Ostukraine ums Leben. Der Flug MH17 der Malaysia Airlines war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur.

Vor zwei Jahren kamen 298 Menschen beim Absturz einer Boeing 777 in der Ostukraine ums Leben. Der Flug MH17 der Malaysia Airlines war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur.

Foto: Alyona Zykina/dpa

Die Suche nach den Verantwortlichen wird aber der wohl schwierigste Teil der Ermittlungen. Das JIT hat auf einer Webseite jetzt Tonaufzeichnungen von zwei Personen veröffentlicht, die mit dem Abschuss zu tun haben könnten und die noch nicht identifiziert wurden. Die Ermittler suchen weiter dringend Zeugen. Die ukrainische Regierung hat Beteiligten, die sich offenbaren, Strafnachlass versprochen. Ob die sich nach mehr als zwei Jahren noch melden werden, scheint aber zweifelhaft. Deshalb wird womöglich nie klar sein, wer eigentlich den Befehl zum Abschuss gab – und warum.

Von Werner Grosch Tags:

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