Abstimmung der Daten 15.05.2013, 14:15 Uhr

Europäisches Galileo-System sucht Schulterschluss mit amerikanischem GPS

Nachdem das europäische Satellitennavigations­system Galileo im März die ersten Ortungssignale abgesetzt hat, wird jetzt an der Kompatibilität von Galileo und dem amerikanischen GPS-System gearbeitet. Dieses Jahr sollen noch zehn Galileo-Satelliten ins All gebracht werden.

Die Galileo-Satelliten synchronisieren ihre innere Uhr mit der der GPS-Satelliten.

Die Galileo-Satelliten synchronisieren ihre innere Uhr mit der der GPS-Satelliten.

Foto: ESA

Das europäische Satellitennavigationssystem Galileo nimmt weiter Form an. Noch sind es zwar nur vier operative Galileo-Satelliten, die durchs All fliegen, doch sie treiben den Aufbau des Gesamtsystems kontinuierlich voran. Die ersten Ortungssignale – für die mindestens vier Satelliten im All Voraussetzung sind – wurden bereits durchgeführt. Jetzt wurden auch zum ersten Mal Signale ausgesendet, die eine Kooperation von Galileo und GPS erst möglich machen.

50 Nanosekunden Unterschied zwischen GPS und Galileo

Beide Systeme verwenden unterschiedliche systeminterne Zeitrechnungen, die nach Angaben der Europäischen Weltraumagentur ESA um 50 Nanosekunden voneinander abweichen.

Dieser Unterschied scheint marginal, kann sich jedoch schnell auf eine Distanz von 15 m am Boden aufaddieren. Dieser „Versatz“ der internen Zeitsysteme von GPS und Galileo – offiziell als ,GPS to Galileo time offset‘ (GGTO) bekannt, wird mithilfe dieses Signals synchronisiert. Das ist Voraussetzung dafür, dass Kunden am Boden beide Systeme problemlos nutzen können.

Doch Galileo ist derzeit nicht das einzige System, welches Fortschritte macht. Chinas Satellitennavigationssystem Beidou – auch Compass genannt – hat derzeit 16 Satelliten im All und bietet seit Ende 2012 in der pazifischen Region Dienste an. Ursprünglich sollte Beidou aus vier geostationären Satelliten und 21 Satelliten auf erdnäheren Bahnen bestehen. Anderen Angaben zufolge wird das fertige System aus über 30 Satelliten bestehen. 2020, so die Planung, ist das Beidou-System komplett aufgebaut.

Mehrere regionale Systeme im Aufbau

Auch Indien will mit dem Ausbau seines Indian Regional Navigation Satellite System (IRNSS) beginnen. Im Juni dieses Jahres werden die ersten sieben Satelliten in die Umlaufbahn geschossen. In den kommenden Jahren sollen noch einmal vier Satelliten dazukommen.

Das reine Planungsstadium hat mittlerweile auch das japanische QZSS (Quasi Zenith Satellite System) verlassen: Vor einigen Wochen erhielt Mitsubishi Electric Corp. den Auftrag zum Bau von drei Navigationssatelliten. Ein vierter ist bereits seit 2010 im All. Bei dem japanischen System handelt es sich weniger um ein globales, sondern vor allem um ein nationales oder regionales System, das dazu beitragen soll, den Empfang von GPS und anderer globaler Satellitennavigationssignale zu verbessern.

Auch das indische IRNSS ist ein eher regionales System. Ebenso verhält es sich – noch – mit dem chinesischen Beidou.

Russland will eigenes Navigationssystem

Zu den globalen Systemen gehört neben GPS und Galileo vom Anspruch her auch das russische Glonass-System. Die Russen hatten bereits in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts ein System von 21 aktiven Satelliten im All aufgebaut, das aber zunehmend verfiel. Jetzt werden diese alten Navigationssatelliten zügig ersetzt. Aktuell sollen insgesamt 29 operative Satelliten im Einsatz sein.

Europa versucht mit Galileo, in diesem weltweiten Markt den Anschluss zu halten. 6,3 Mrd. € will die EU bis 2020 in den Aufbau des Galileo-Netzes investieren. Um die 100 Mio. € fließen davon in die Entwicklung von kommerziellen Anwendungen von Satellitendaten. Allein in diesem Jahr sollen noch zehn Galileo-Satelliten ins All gestartet werden, spätestens 2019/2020 so die Planungen, wird das System mit insgesamt 30 Satelliten komplett aufgebaut sein.

Schon 2014/2015 sollen die ersten Dienste angeboten werden: der offene Zugang zu Positions- und Navigationsdaten (OS – open service), ein stark verschlüsselter Dienst (PRS – public regulated service) für regierungsnahe und sicherheitsrelevante Anwendungen und vor allem ein Notsignal (S&R – search and rescue).

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