Erste Kometenlandung anvisiert 20.01.2014, 12:44 Uhr

ESA beendet Winterschlaf des Kometenjägers Rosetta

Heute soll die europäische Raumsonde Rosetta aus ihrem energiesparenden Tiefschlaf geweckt werden. Wenn alles gutgeht, wird Rosetta im November 2014 auf dem Kometen „67P“ landen. Es ist der erste Versuch einer Kometenlandung und eine der schwierigsten Missionen in der Geschichte der Raumfahrt.  

Mitte November 2014 soll der Lander Philae auf dem Zielkometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko landen. An Bord der Sonde sind elf wissenschaftliche Instrumente, mit denen urzeitliche Materie erforscht werden soll. Wissenschaftler erhoffen sich Hinweise auf physikalische und chemische Prozesse der Planetenentstehung, die vor 4,6 Milliarden begonnen hat. 

Mitte November 2014 soll der Lander Philae auf dem Zielkometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko landen. An Bord der Sonde sind elf wissenschaftliche Instrumente, mit denen urzeitliche Materie erforscht werden soll. Wissenschaftler erhoffen sich Hinweise auf physikalische und chemische Prozesse der Planetenentstehung, die vor 4,6 Milliarden begonnen hat. 

Foto: DLR

Aus dem hessischen Darmstadt wird heute eine der bedeutendsten Nachrichten der bisherigen Raumfahrtgeschichte erwartet. Im dortigen  Kontrollzentrum Esoc der europäischen Raumfahrtagentur ESA wird ab 11 Uhr (MEZ) die letzte Phase einer ehrgeizigen Mission eingeläutet. Die Raumsonde Rosetta, die vor zweieinhalb Jahren in einen energiesparenden Tiefschlaf geschickt wurde, soll aufgeweckt werden und den letzten Teil ihrer langen Reise, der sie zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko bringt, antreten. Zwischen 18.30 und 19.30 Uhr soll das erste Signal von Rosetta kommen.

Landung auf dem vier Kilometer großen Kometen ist für November 2014 geplant

„Noch nie vorher ist versucht worden auf einem Kometen zu landen“, sagte Thomas Reiter, ESA-Direktor für bemannte Raumfahrt und Betrieb, heute in Darmstadt. „Das Projekt Rosetta gehört zu den schwierigsten und komplexesten Missionen in der Raumfahrt überhaupt.“ Begegnungen mit Kometen hat es zwar schon gegeben, aber die Landung einer Raumsonde auf der Kometenoberfläche und eine längere und direkte Beobachtung sind neu.

Wenn alles klappt, wird Rosetta ihr Ziel im November 2014 erreichen und das mitgebrachte autonome Minilabor „Philae“ auf dem vier Kilometer großen Kometen absetzen. Die Raumsonde war am 2. März 2004 mit einer Ariana-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana ins All gestartet. Seit dem 8. Juni 2011 befindet sie sich in einem energiesparenden Tiefschlaf, hat aber genug Tempo, um den schnellen Kometen einzuholen.

Die Übermittlung der Signale von der Raumsonde Rosetta zur Bodenstation dauert etwa 30 Minuten. 

Die Übermittlung der Signale von der Raumsonde Rosetta zur Bodenstation dauert etwa 30 Minuten. 

Foto: DLR

Direkt nach dem Aufwachen soll Rosetta 67P suchen und mit einer Geschwindigkeit von knapp 3000 Kilometern pro Stunde Kurs aufnehmen.  Bis Juli dieses Jahres wird die Geschwindigkeit gesenkt und schließlich vor dem Kometen gestoppt. Dessen Anziehungskraft ist allerdings so gering, dass Rosetta nicht einfach in eine Umlaufbahn gebracht werden kann. Stattdessen muss sie in komplizierten Flugmanövern um 67P herum fliegen, bis die 100 Kilogramm schwere Sonde Philae landen kann.

Über die Beschaffenheit der Oberfläche von 67P ist wenig bekannt

Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Sonde noch neun Millionen Kilometer von „67P“, oder „Tschurri“ wie ihn die Wissenschaftler nennen, entfernt. Zunächst werden die Navigationsinstrumente aufgewärmt und die Hauptantenne auf die Erde ausgerichtet. Dann werden die elf Instrumente der Raumsonde und die zehn Instrumente der Landeeinheit Philae nach und nach eingeschaltet und ihre Funktion getestet. Ungewiss ist, ob nach der langen Ruhephase etwa die Mechanik ohne weiteres funktionieren wird. So bereiten die vier Gyroskope, die mit ihren Kreiselbewegungen die Sonde stabilisieren, Kopfzerbrechen. Ursprünglich wurde die Sonde mit vier Gyroskopen stabilisiert, wovon aber eines bereits ausgefallen ist. Ein weiteres war wohl nicht mehr ganz in Ordnung, als die Sonde in die Schlafphase versetzt wurde. Sollte es nun nicht mehr funktionieren, müsste zusätzlich mit den Steuerdüsen stabilisiert werden, was die Treibstoffvorräte und damit später die Manövriermöglichkeiten reduziert. Bis etwa 18.30 Uhr müssen sich die Wissenschaftler heute gedulden. Dann wird sich zeigen, ob Rosetta fit ist und die ersten Signale auf der Erde angekommen sind.

Kometen werden als Zeugen der Entstehung unseres Sonnensystems betrachtet

Sollte Rosetta erfolgreich geweckt werden können und im November 2014 „Tschurri“ erreichen, steht eine weitere Herausforderung bevor. Die Landung der autonomen Raumsonde Philae auf der Oberfläche des Kometen ist eine höchst diffizile Angelegenheit. Erfahrungen mit einer solchen Landung gibt es ebenfalls nicht und über die Beschaffenheit der Oberfläche von 67P ist wenig bekannt. Falls der Dämpfer, der zwischen den drei Beinen von „Philae“ dessen Landung abfedern soll, versagt, würde das Labor und seine sensible Messtechnik mit voller Wucht aufschlagen. Zwar ist „Philae“ sowieso dem Untergang geweiht, denn der Komet nähert sich der Sonne und damit Temperaturen, die das Labor nicht überstehen wird. Aber vorher soll „Philae“ Proben entnehmen und vor Ort analysieren.  

Kometen, die aus Stein, Eis und Staub bestehen, werden als Zeugen der Entstehung unseres Sonnensystems betrachtet. Die Astronomen gehen davon aus, dass Kometen noch nahezu unverändert aus jenem Material bestehen und jenen interstellaren Staub enthalten, aus dem sich vor rund 4,6 Milliarden Jahren Sonne und die Planeten gebildet haben. Befindet sich die Kometenoberfläche tatsächlich in einer Art „Urzustand“? Weisen Kometen präbiotische Moleküle und Wasser auf und spielten sie damit eine Rolle bei der Entstehung des Lebens auf der Erde? Diese Fragen sollen mit Hilfe der Mission Rosetta beantwortet werden. 

Aktualisierung:

Der Tiefschlaf von Rosetta ist in er Tag erfolgreich beendet worden: Die europäische Raumsonde Rosetta hat am 20. Januar 2014 um 19:18 Uhr (mitteleuropäische Zeit) wieder Kontakt mit der Erde aufgenommen. Es waren spannende Minuten im Kontrollzentrum der ESA in Darmstadt bis endlich das erlösende Signal von Rosetta die Erde erreichte.

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