Internationale Raumstation 27.05.2016, 12:29 Uhr

Erster Versuch mit aufblasbarem Wohnmodul an der ISS gescheitert

Die Nasa stoppte gestern den ersten Versuch, das neue Wohnmodul Beam an der ISS  aufzupumpen. Die zusammengefaltete Kammer, die im April an der Raumstation montiert worden war, sollte zwei Jahre lang getestet werden. Nach dem Fehlversuch suchen Nasa-Ingenieure nach den Ursachen für die Panne. 

So sieht der erste Fehlversuch aus. Beam, das am Tranquility-Modul montiert ist, hat sich nicht wie geplant entfaltet. 

So sieht der erste Fehlversuch aus. Beam, das am Tranquility-Modul montiert ist, hat sich nicht wie geplant entfaltet. 

Foto: NASA/TV/dpa

Es hätte so schön spektakulär sein können: Das neuartige Modul Beam, das am 16. April 2016 erfolgreich zur Internationalen Raumstation ISS gebracht und dort angedockt worden war, sollte sich gestern zu seiner vollen Größe entfalten. Von 1,74 m auf 3,96 m Länge sollten sich die flexiblen Wände dehnen, so dass ein 16 m³ großer Raum entsteht.

Blick ins ins Innere des aufblasbaren Moduls. 

Blick ins ins Innere des aufblasbaren Moduls. 

Foto: Bigelow Aerospace

Leider schlug der erste Versuch, Beam zu entfalten, gestern fehl. Das Modul vergrößerte sich nur um wenige Zentimeter – der Versuch wurde schließlich abgebrochen. Jetzt steht Ursachenforschung an.

Beam vergrößerte sich nur wenige Zentimeter

Das Bigelow Expandable Activity Module, kurz Beam, war im April am Tranquilitiy Modul der ISS montiert worden. Von dort aus sollte Beam entfaltet und zwei Jahre lang getestet werden. US-Astronaut Jeffrey Williams öffnete gestern ein Ventil, um durch eingelassene Luft den Druck in der Kammer zu erhöhen, die sich langsam zu ihrer Lebensgröße, die etwa vier Mal so groß ist wie im zusammengeklappten Zustand, entfalten sollte. Rund zwei Stunden dauerte der Versuch, eng von der Bodenkontrolle überwacht, bis er abgebrochen werden musste, weil Beam nur wenige Zentimeter größer geworden war.

Bereits am 16. April wurde Beam per Roboterarm an der Internationalen Raumstation ISS montiert. 

Bereits am 16. April wurde Beam per Roboterarm an der Internationalen Raumstation ISS montiert. 

Foto: Nasa

Die Nasa unterstützt das von Bigelow Aerospace entwickelte und 1360 kg schwere Modul, das von dem ebenfalls privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX zur ISS gebracht worden war, mit rund 16 Millionen €. Die Idee, Raumfahrtmodule zusammengefaltet ins All zu transportieren und erst dort zu entfalten, wird nicht umsonst schon länger verfolgt. Die Platzersparnis in der Nutzlast ist enorm und könnte, vor allem für geplante Mars-Missionen ein wesentlicher Faktor werden.

Kann Beam den Weltraumbedingungen standhalten?

Das fensterlose Beam besteht aus zwei Metallplatten an den Enden, einer Konstruktion aus Aluminium und mehreren Lagen eines weichen stoffartigen Materials mit einem System an Hohlräumen dazwischen. Zwei Jahre lang sollen die Astronauten der ISS Beam etwa drei- bis viermal im Jahr jeweils für einige Stunden besuchen und Messungen vornehmen beziehungsweise die Messdaten sichern.

Beam auf der Erde, im aufgeklappten Zustand bei einer Pressekonferenz der Nasa 2013 in Las Vegas.

Beam auf der Erde, im aufgeklappten Zustand bei einer Pressekonferenz der Nasa 2013 in Las Vegas.

Foto: Bill Ingalls/Nasa

Dafür ist Beam mit etlichen Sensoren bestückt, die zum Beispiel messen, inwieweit die Strahlung im Inneren des Moduls mit der Zeit akkumuliert. Andere Sensoren prüfen, ob es in der weichen Hülle ein mikrobielles Wachstum gibt. Außerdem muss das Modul, damit es einmal als Unterkunft für den Menschen sicher sein kann, starken Temperaturschwanken und umherfliegenden Trümmerteilen standhalten können. Am Ende der Testphase wird Beam entkoppelt und in der Erdatmosphäre verglühen.

Künstlerische Darstellung: So soll es aussehen, wenn Beam vollständig aufgepumpt ist. 

Künstlerische Darstellung: So soll es aussehen, wenn Beam vollständig aufgepumpt ist. 

Foto: Bigelow Aerospace

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