Raumfahrt 13.02.2004, 18:28 Uhr

Einmal Weltraum und zurück

VDI nachrichten, Heide/Hohstein, 13.2.04 -Das Space Center in Bremen, das am Donnerstag seine Pforten öffnete, entpuppt sich als Erlebnispark mit viel Action und Fun rund um Science Fiction. „Die Errungenschaften der Raumfahrt sollen erlebbar gemacht machen“, so umschreibt Sprecher Dr. Wolfgang Wilke (49) seine Idee. Die Wirklichkeit der Raumfahrt wird bis auf kleine Events allerdings ausgeblendet.

Sternzeit 5.8081.3: Die Menschheit hat die Milchstraße verlassen und lebt in friedlicher Koexistenz mit außerirdischen Rassen. Doch das Böse lauert überall. In den unendlichen Weiten des Universums wartet hinter schwarzen Löchern und kosmischem Nebel die größte Gefahr der Menschheit. Ihr Name: die Borg. Halb Mensch – halb Maschine, wollen sie die verhasste Menschheit assimilieren. Roter Alarm auf der Raumstation Kopernikus. Verzweifelt kämpft die Crew ums Überleben. Nur eine Flucht rettet die Zivilisten vor den emotionslosen Hightech-Wesen. Es ist zu spät. Die Borg-Königin zieht das flüchtende Schiff mit einem Traktorstrahl in ihren Kubus. Jeder Widerstand ist zwecklos. Nein, das Schicksal wendet sich. In letzter Sekunde eilt Captain Janeway mit ihrer Voyager zur Rettung herbei. Mit Quantentorpedos beschert sie den Borg den Garaus und bringt alle Zivilisten mit ihrem Sternflottenkreuzer in Sicherheit, bevor sie mit Warp-Geschwindigkeit zu neuen Abenteuern aufbricht. 3-D-Animationen, gepaart mit Licht- und Spezialeffekten sowie kleinen Showeinlagen der Bodencrew, bietet im Space Center in Bremen ein „galaktisches“ Erlebnis, bei dem eigentlich nur Kapitän Kirk und Mister Spok fehlen.
Am Donnerstag öffnete der mit einer Fläche von 22 000 m2 nach eigenen Angaben größte Indoor-Erlebnispark Europas. „Die Errungenschaften der Raumfahrt sollen erlebbar gemacht machen“, so umschreibt Dr. Wolfgang Wilke (49) seine Idee, die ihm schon vor zehn Jahren im Kopf herumgeisterte. Erst mit einem von der Dasa (jetzt EADS Space Transportations) Anfang der 90er ausgeschriebenen Entrepreneur-Programm brachte der Kernphysiker seine Gedanken zu Papier. Die Idee war geboren. Die Konzepte folgten. Nicht nur der Bremer Raumfahrtkonzern war von dem Weltraumabenteuer mitten auf der Erde begeistert – auch die Hansestadt unterstützte das Projekt finanziell. Für die Stadtväter war das Unterfangen ein verlockendes Angebot. Ein ganzer Space Park sollte auf dem seit 1983 brachliegenden 26 ha großen Gelände der Werft „Weser AG“ im Stadtteil Bremen-Gröpelingen entstehen. Kino, Hotel und Einzelhandelsgeschäfte sollen sich um das Space Center herum ansiedeln und zusätzliche Touristen in die Hansestadt locken.
Mit knapp 300 000 € Euro ging Wilke an den Start. Alleine war das komplette Projekt für den ehemaligen Dasa-Mitarbeiter, der heute als Space Center-Sprecher arbeitet, nicht zu bewältigen. Rund 522 Mio. € verschlang der gesamte Space Park. Als Betreiber holte der Kernphysiker die ProFun Europe GmbH mit ins Boot, zur Realisierung griff er auf amerikanische Designer zurück, die „das Konzept weiterentwickelten“.
Mit einem „Attraktionsteam“ von 30 Mitarbeitern starteten die Vorbereitungen. Strategien wurden entwickelt, Audio-Videos erstellt, Equipment gesucht und modifiziert – wie z. B. bei der Achterbahn. Mit einer Art Helm direkt vor Augen wird ein halsbrecherischer Shuttle-Flug vorbei an Mars und gefährlichen Asteroiden mittels eines Films simuliert. Rüttelnd und schüttelnd rast die Achterbahn 70 Sekunden durch die Galaxie, bevor der Flug sanft auf dem Mond endet. Für das Attraktionsteam eine technische Herausforderung. „Der abgespielte Film auf dem Monitor muss speziell auf jeden Sitz der Achterbahn abgestimmt sein, damit es realistisch wirkt“, erklärt Wilke. 3500 Runden drehten die Spezialisten, bevor auch der letzte Sitz perfekt angepasst war.
Die Realität wird im Space Center in Bremen, in dem bis zu 1,4 Mio. Erdlinge jährlich auf einen Weltraum-Trip gehen sollen, fast gänzlich ausgeblendet. Sobald die Trekki-Fans, oder die, die es noch werden wollen, das Ticket eingelöst haben, verlassen sie die Erde und landen in schummrigen raumschiffähnlichen Gängen, in denen sie mit den Borg Kontakt aufnehmen können – zwecks Fotoshooting für das Familienalbum. Nur ein Film über die internationale Raumstation ISS gewährt einen kleinen Einblick in die Welt der Astronauten des 21. Jahrhunderts. Die Informationen sind zwar dürftig. Die fantastischen 3-D-Bilder mit Blick auf den blauen Planeten und ins Innere der Raumstation entschädigen dafür jedoch reichlich. Auf der 500 m2 großen Leinwand scheinen die Astronauten zum Greifen nah, wenn sie durch die ISS schweben, an der Außenhülle Reparaturen durchführen oder versuchen, in der Schwerelosigkeit Popcorn zu naschen.
Das Space Center, in dem rund 440 Mitarbeiter arbeiten, bietet vor allem Action und Fun. Mit ins Boot holte Wilke dafür neben Paramount für die Borg-Simulation auch die Metro-Goldwyn-Meyer Studios. Zum ersten Mal stellten die Produzenten der Fernsehserie Star Gate in einem Erlebnispark nicht nur das Dimensionstor zur Verfügung, sondern sie lieferten auch das notwendige Filmmaterial, um die Zuschauer sozusagen für wenige Augenblicke aus dem Zeit-Raum-Kontinuum zu werfen. Die Besucher müssen die Menschheit vor den bösen Mächten retten. Ruckelnd und schüttelnd sausen sie durch fremde Welten und entkommen feindlichen Aliens, bevor die Helden wieder zurück auf der Erde landen. Science-Fiction-Action in einer neuer Dimension, bei dem die Besucher den Space Burger aus dem Bistro lieber erst hinterher essen sollten. ANGELA SCHMID

Info: Space Center

Das Space Center Bremen liegt im Industriehafen Gröpelingen
Telefon: 0421 – 84 00 00
Anreise: Autobahn bis Bremen, dann A 27 bis Bremerhaven, Abfahrt Industriehäfen und dann der Ausschilderung folgen.
Eintritt: Erwachsene 22 €, für Kinder ab 6 Jahre und Senioren ab 60 Jahren 18 €
Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 9 bis 18 Uhr. In den Ferien ist auch montags geöffnet. AS

 

  • Angela Schmid

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