Luft- und Raumfahrttechnik 26.11.1999, 17:23 Uhr

Ein Faible für“s Komplexe und den Blick für“s Machbare

Bis zu 20 % des Umsatzes der Luft- und Raumfahrt-Konzerne fließen in Forschung und Entwicklung.

Wer sich als Diplom-Ingenieur Luft- und Raumfahrttechnik oder als frisch gebackener Maschinenbauer mit der Fachrichtung Luft- und Raumfahrttechnik für einen Job im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE) interessiert, landet – in vielen Fällen – überhaupt nicht in der Luftfahrtindustrie! Aufgrund eines allgemein als anspruchsvoll angesehenen Studiengangs sowie dank der dabei erworbenen Kenntnisse, vor allem in Leichtbau und Aerodynamik, sind Luftfahrt-Ingenieure auch in der Automobilindustrie sehr gefragt, wo gerade die numerische Strömungsberechnung für steigenden Bedarf an Ingenieurnachwuchs sorgt.
Wen es doch zu einem Flugzeug- oder Triebwerkhersteller bzw. zu einem Zulieferbetrieb verschlägt, wird sich meistens in einer Entwicklungsabteilung wiederfinden. Das ist es schließlich, so Professor Dieter Jacob von der RWTH Aachen, wofür die Universitäten ihre Studenten ausbilden.
Und meistens suchen Betriebe Absolventen für eine ganz bestimmte Tätigkeit. Hannes Ross, Leiter der Vorentwicklung im Bereich militärische Flugzeuge bei der Dasa, nennt beispielsweise Leistungsberechnungen, Operationsanalysen, die Auswertung von Windkanaldaten oder die Ermittlung von Beiwerten anhand von theoretischen Überlegungen und/oder Messergebnissen.
Das aber ist weniger Forschung, eher Entwicklung. Das, was man gemeinhin unter (Grundlagen-) Forschung versteht, wenn es zum Beispiel um prinzipielle Fragen der Aerodynamik oder Werkstoffkunde geht, findet zumindest in der zivilen Luftfahrtindustrie kaum noch statt. In den Krisenjahren waren es vor allem die internen Forschungsabteilungen, die am stärksten Federn lassen mussten, sodass sich heute fast ausschließlich Universitäten und Einrichtungen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) den grundlegenden Aspekten der Fliegerei und der Raumfahrt widmen. Beide Arbeitgeber sind eher etwas für Leute, die sehr wissenschaftlich interessiert sind.
Deshalb gilt: Wer wirklich grundlagenorientiert arbeiten und forschen will und sich vielleicht für die Feinheiten der Grenzschichttheorie interessiert, wer dabei in Kauf nimmt, dass er unter Umständen nur ein sehr eingeschränktes Thema sehr intensiv bearbeitet, ist in einer klassischen Forschungseinrichtung besser aufgehoben als in der Industrie.
Doch keine Regel ohne Ausnahme: Die militärische Luftfahrtindustrie forscht nach wie vor in großem Umfang selbst. Sei es, weil bestimmte Erkenntnisse nicht nach außen dringen sollen, sei es, weil eine Reihe von Themenkomplexen außerhalb der militärischen Welt gar nicht behandelt werden: So hat die Militärluftfahrt ein natürliches Interesse, ihre Fluggeräte so gut wie möglich zu tarnen, während man im zivilen Sektor alles daran legt, die Flugzeuge optimal „sehen“ zu können. Zwar sind Triebwerke ein Thema, das alle beide angeht, doch andererseits ist der Nachbrenner derzeit ausschließlich bei militärischen Anwendungen von Interesse.
Was zeichnet nun Ingenieure aus, die sich die Arbeit in FuE zum Ziel gesetzt haben? Noch einmal Professor Jacob, der lange Jahre bei Dornier tätig war, ehe er dem Ruf nach Aachen folgte: „Sie müssen die physikalischen Grundlagen verstehen. Und sie müssen selbstständig arbeiten gelernt haben.“ Der Jungingenieur sollte ein gewisses Verständnis für das Gesamtsystem Flugzeug, Triebwerk oder Satellit haben, wissen, was alles bei deren Entwicklung bedacht werden muss und welche Kompromisse eingegangen werden müssen.
Detailwissen, so auch Hannes Ross, ist weniger wichtig als die Fähigkeit, sich in ein neues Thema einarbeiten zu können. Die meisten arbeiten später ohnehin nicht auf dem Gebiet, dem sie sich im Studium gewidmet haben.
Defizite bei jungen Absolventen sieht Ross beim Verständnis für die Kosten eines Programms. Studenten müssen oft lernen, im Berufsleben nicht dem Faible für komplexe, furchtbar interessante, aber vielfach nicht verkäufliche Ingenieurslösungen nachzugehen, anstatt sich um die Vertragserfüllung mit minimalem Aufwand zur Zufriedenheit des Kunden und zur Maximierung des Gewinns zu kümmern.
Doch generell gilt: Wen es in Forschung und Entwicklung drängt, der ist in der Luft- und Raumfahrtindustrie gut aufgehoben. Das gilt besonders für die Raumfahrt, die zwar nach Beschäftigten- und Umsatzzahlen nur eine untergeordnete Rolle spielt, aber einen vergleichsweise hohen Anteil von Universitätsabgängern aufweist. ACHIM FIGGEN
Forschungs- und entwicklungsintensive Kleinserien: die Elemente der europäischen Trägerrakete Ariane 5. Für deren Oberstufe samt Triebwerk ist die Dasa in Bremen verantwortlich. Werden immer wichtiger für“s Raumfahrtgeschäft: Kommunikationssatelliten.

Von Achim Figgen

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