Analyse von Tschuri 31.07.2015, 13:08 Uhr

DLR-Forscher haben 60 Stunden Messdaten von Philae ausgewertet

Während der Funkstille mit Kometenlander Philae haben DLR-Forscher 60 Stunden Aufzeichnungen der Messinstrumente ausgewertet: Im Staub des Kometen fanden sie organische Moleküle und die Oberfläche von Tschuri ist deutlich härter als vermutet. Auch die holprige Landung haben die Forscher rekonstruiert.

Diese Aufnahme der Panoramkamera Civa an Bord von Lander Philae zeigt Material an der finalen Landestelle Abydos und wurde am 13. November 2014 aufgenommen. Im Vordergrund sind die Antennen des Instruments Consert zu sehen. 

Diese Aufnahme der Panoramkamera Civa an Bord von Lander Philae zeigt Material an der finalen Landestelle Abydos und wurde am 13. November 2014 aufgenommen. Im Vordergrund sind die Antennen des Instruments Consert zu sehen. 

Foto: ESA/Rosetta/Philae/Civa

Seit über drei Wochen haben die Wissenschaftler nichts mehr vom Kometenlander Philae gehört. Auch in den kommenden zwei Wochen wird es keinen Kontakt geben, denn die Sonde Rosetta, die den Kometen Churyumov-Gerasimenko überfliegt und die Daten zur Erde senden könnte, wird sich in einem Gebiet befinden, in dem es keine Funkverbindung zu Philae geben kann. Aktuell können die Wissenschaftler also nur abwarten und darauf hoffen, dass Philae sich noch einmal meldet, bevor es auf dem Kometen mit zunehmender Nähe zur Sonne endgültig zu heiß wird.

Forscher werten in Zwangspause 60 Stunden Messaufzeichnungen aus

Untätig sind die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) aber nicht während der Wartezeit. Während und nach der Landung von Philae am 12. November 2014 waren die Messinstrumente etwa 60 Stunden lang aktiv, bevor die Energie ausging. Im Fachmagazin Science legen die Wissenschaftler nun erste Auswertungen der damals gesammelten Daten vor.

Perspektivische Ansicht der Landestelle Agilkia: Philae ist dort mehrfach von der Oberfläche abgeprallt und weitergeflogen. 

Perspektivische Ansicht der Landestelle Agilkia: Philae ist dort mehrfach von der Oberfläche abgeprallt und weitergeflogen. 

Foto: DLR

Einen wahren Baukasten organischer Verbindungen, von denen viele als Ausgangspunkt für wichtige biochemische Reaktionen dienen könnten, hätten sie gefunden, sagt Fred Goesmann vom MPS. Er ist als Teamleiter für das Instrument Cosac zuständig, das auf der Unterseite von Philae angebracht ist und den Staub untersuchte, den Philae während der Landung aufgewirbelt hatte.

Erste Landestelle hatte vermutlich eine 20 cm dicke Staubschicht

Insgesamt 16 organische Verbindungen konnten die Cosac-Forscher in dem Oberflächenmaterial nachweisen. Zu ihnen zählen Alkohole, Amine und Nitrile, die bereits in der Gashülle verschiedener Kometen entdeckt wurden, aber auch die Neulinge Methylisocyanat, Aceton, Propanal und Acetamid. Ein Großteil der Moleküle enthält Stickstoff. Ob sich auch diese Bausteine des Lebens selbst im Kometenmaterial finden, lässt sich den Messdaten nicht entnehmen.

Ein Team des DLR hat währenddessen Philaes Landung rekonstruiert. Beim Aufsetzen auf der ersten Landestelle Agilkia ist Philae mehrfach von der Oberfläche abgeprallt, weitergeflogen und dann etwa einen Kilometer entfernt auf der endgültigen Landestelle stehengeblieben, die den Namen Abydos bekommen hat. Insgesamt sprechen die Daten dafür, dass die erste Landestelle von einer etwa 20 cm dicken Staubschicht überzogen ist. Die Druckfestigkeit dieser Schicht dürfte vergleichbar sein mit der von Neuschnee oder der Daunenfüllung eines Federkissens.

Landestelle Abydos ist extrem hart und kalt

Dagegen zeigt die endgültige Landestelle Abydos ein völlig anderes Bild. Weder die Füße noch die Eisschrauben von Philae sind dort nennenswert in den Boden eingedrungen und auch der Hammer des Mupus-Instrumentes konnte die Oberfläche nicht durchbrechen. „Wir sind auf eine deutlich härtere Oberfläche gestoßen, als wir uns vorgestellt haben“, sagt Tilman Spohn, wissenschaftlicher Leiter des Mupus-Teams. Unter einer vermutlich wenige Zentimeter dünnen Staubschicht stieß die Sonde auf poröses, aber dennoch festes Eis. „Vielleicht kann man es als die größte Überraschung des Kometen bezeichnen, dass Abydos einen so harten Boden hat“, schätzt Spohn. Die Temperaturen, die Mupus gemessen hat, liegen zwischen minus 180 und minus 140 °C.

Blick aus 67,4 m Höhe auf Tschuri: Die Forscher haben auf dem Kometen einen Baukasten chemischer Verbindungen gefunden. 

Blick aus 67,4 m Höhe auf Tschuri: Die Forscher haben auf dem Kometen einen Baukasten chemischer Verbindungen gefunden. 

Foto: DLR

Der Verlauf der Landung und die Messungen der verschiedenen Instrumente würden nicht nur die Vorstellung von Kometen verändern und auf den neuesten Stand bringen, sondern auch bei der Planung zukünftiger Missionen helfen, so das DLR. Auch die Nasa habe zwischenzeitlich ihr Interesse angemeldet, das Wissen über den Kometen und seine Oberfläche für geplante, zukünftige Kometenmissionen zu verwenden. 

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