Raumfahrt 20.03.2009, 19:40 Uhr

Die Vermessung der Welt  

Am Dienstag hat die Europäische Weltraumbehörde ESA ihren neuesten Erdbeobachtungssatelliten ins All gebracht. Goce soll das Schwerefeld der Erde neu vermessen, Änderungen des Meeresspiegels und der Ozeanströmungen sowie die Dynamik der Eiskappen noch genauer als bisher erfassen. VDI Nachrichten, München, 20. 3. 09, Ber

Seit über 15 Jahren arbeitet Rummel an dieser Mission. Der Mann mit den silbernen Haaren zeigte auf das etwa 20 cm hohe Goce-Modell auf seinem Tisch und schwärmte: „Der Ferrari unter den Satelliten.“ Pfeilförmig ist er, mit bläulich schimmernden Solarpaneelen.

Goce ist in jeder Hinsicht ein Prototyp: Seine aerodynamische Form hat keine beweglichen Teile. Satellit, Sensoren und Steuerung formen eine „Schweremesseinheit“. Ein neues Messinstrument, das Gravitationsgradiometer, bestückt mit drei Paaren von Beschleunigungsmessern, kann Abweichungen von einem Millionstel der Erdanziehung erfassen. „Das ist derzeit das Maximum des technologisch Machbaren“, sagte Rummel.

Um das Erdschwerefeld in seiner Gesamtheit zu erfassen, reicht das Gravitationsgradiometer allein nicht aus. Es kann nur kleinteilige Strukturen genau auflösen. Deshalb erfolgt eine zweite Messung, bei der die Bahn von Goce mittels GPS bestimmt wird. Daraus leiten die Forscher den großskaligen Verlauf des Schwerefelds und Geoids ab.

Geoid und Schwereanomalien sind nicht nur für Ozeanographen und Klimaforscher von Interesse. Geologen können auf die Tektonik und die Dynamik der Erdkruste schließen, Geophysiker Bodenschätze aufspüren. Schon bald werden Geodäten und Vermessungsingenieure weltweit auf ein einheitliches Höhensystem zurückgreifen – und sich endlich einigen, wie hoch der Mount Everest wirklich ist. Zudem sollen die Goce-Daten die Planung von Tunnel-, Straßen- und Brückenbauprojekten vereinfachen.

Im Gegensatz zu anderen Satelliten wird Goces Lebensdauer kurz sein. Normalerweise werden Satelliten auf ihre Umlaufbahn befördert, wo sie die Erde ohne große Bahnkorrekturen umkreisen. Je niedriger allerdings die Flugbahn, desto schneller wird der Satellit durch die Erdatmosphäre gebremst.

Da Goces Flugbahn enorm wichtig für die Messung des Schwerefeldes ist, werden Abweichungen über ein Ionentriebwerk ausgeglichen. Der Treibstoff an Bord reicht voraussichtlich für 20 Monate, danach wird der künstliche Trabant in der Erdatmosphäre verglühen.

Goces Ende wird nicht das Ende der Erderkundung aus dem Weltall sein: „Die ESA arbeitet bereits an weiteren Missionen, die zum Beispiel das Magnetfeld der Erde vermessen“, freute sich Rummel. EVDOXIA TSAKIRIDOU

Von Evdoxia Tsakiridou
Von Evdoxia Tsakiridou

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