Raumfahrt 02.09.2011, 12:08 Uhr

Die russische Raumfahrt im Stresstest

Die Pannenserie der russischen Raumfahrt macht das Land, aber auch seine Raumfahrt-Partner nervös. Geht die russische Raumfahrt in die Knie, verliert das Land auch die letzte Technologie, mit der es seinen Anspruch auf Weltmachtstatus begründen könnte.

Für ihr Zaudern sind die Vertreter der russischen Raumfahrt nicht bekannt. Als im Oktober 2002 eine russische Soyus-Rakete in Plesetzk beim Start explodierte und einen Soldaten tötete, dauerte es kaum drei Wochen, bis sich die nächsten Astronauten mit einer Sojus wieder auf den Weg in den Weltraum machten.

Vor gut einer Woche, am 24. August, verlor eine unbemannte Sojus-Rakete samt Progress-Transportmodul die Orientierung und stürzte kurz nach dem Start ins Altai-Gebirge ab. Das Progress-Modul hatte fast 3 t Lebensmittel und Versorgungsgüter für die Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS an Bord.

Zusätzliches Problem: Mit einer fast baugleichen Sojus werden auch die Astronauten zur ISS geflogen. Also bekamen alle Sojus-Raketen erst einmal Startverbot.

Versorgungsflüge zur ISS verspäten sich

Doch nach nur knapp einer Woche hat eine Untersuchungskommission der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos am Dienstag dieser Woche die Sojus wieder als einsatzbereit erklärt. Die vom Kurs abgekommen Rakete sei aus einer speziellen Baureihe, andere Baureihen seien nicht betroffen.

Verspätungen gibt es trotzdem: So verschiebt sich die für den 8. September geplante Heimkehr von drei Astronauten von der ISS um eine Woche, der Start der nächsten Astronauten zur ISS um über einen Monat auf November. Aber schon Mitte Oktober soll eine Sojus den nächsten Progress-Transporter zur ISS fliegen.

Die schnelle Reaktion überrascht nicht. Für Russland steht eine Menge auf dem Spiel: Zum einen können – nachdem die Amerikaner ihr Shuttle aus dem Verkehr gezogen haben – nur die russischen Sojus-Raketen Menschen zur ISS fliegen. Auch für die Versorgung der ISS mit Nahrungsmitteln und Ersatzteilen ist die Sojus unverzichtbar. Zwar kann auch die europäische Ariane-Rakete mit ihrem ATV-Transporter Güter zur ISS fliegen, aber nicht in der nötigen Frequenz. Die Sojus kann auch schon mal im Wochentakt fliegen.

Seit 2010 wird die russische Raumfahrt von einer Pannenserie heimgesucht

Für die Russen geht es noch um mehr. Seit Ende vergangenen Jahres wird die russische Raumfahrt von einer beunruhigenden Pannenserie heimgesucht: Ende 2010 stürzte eine russische Proton-Rakete mit drei Glonass-Navigationssatelliten ins Meer, wenig später wurde ein Militärsatellit auf einer Rockot-Rakete in den falschen Orbit geschossen.

Das ließ die Politik nervös werden. Ministerpräsident Wladimir Putin wechselte im April 2011 den Chef der russischen Weltraumagentur aus und ersetzte ihn durch den stellvertretenden Verteidigungsminister Wladimir Popowkin.

Was nicht viel half: Am 18. August landete ein Telekommunikationssatellit, wieder auf einer Proton gestartet, unrettbar im falschen Orbit. Als Folge wurden alle Proton-Starts abgesagt, bis klar war, was die Panne ausgelöst hatte.

Am 24. August dann das Debakel mit dem Progress-Transporter und der Sojus-Rakete.

Für die russische Raumfahrt war das eine Katastrophe. Nicht nur, dass es so aussah, als könne sie ihre Verpflichtungen zur Versorgung der ISS gegenüber den USA nicht nachkommen. Vielmehr entstand der Eindruck, als sei die gesamte russische Raumfahrt marode. Zugleich ist die Raumfahrt so gut wie die einzige Technologie, bei der die Russen international mithalten können und wohl auch die einzige, mit der sie ihren Anspruch, eine Weltmacht zu sein, noch gründen können. „Der Weltraum hat Priorität für uns“, so Präsident Dmitri Medwedew.

Andererseits ist die Sojus-Rakete mit ihren bald 1800 Starts die wohl zuverlässigste Trägerrakete der Welt, seit über 30 Jahren ist noch nie ein Progress-Transporter verloren gegangen.

Pannenserie der russischen Raumfahrt gefährdet Existenz der ISS

Zugleich aber zeigt die jüngste Pannenserie, an welch seidenem Faden die Existenz der ISS hängt. Schon sprachen Nasa-Vertreter von einer, wenn auch nur vorübergehenden Aufgabe der Station noch vor Ende dieses Jahres.

Denn wenn keine neuen Astronauten mit Sojus-Kapseln zur ISS geschossen werden, müssen die beiden an der ISS als Rückkehrfahrzeuge hängenden Kapseln in einer bestimmten Zeit genutzt werden – ihre Lebenserhaltungssysteme und Batterien sind auf eine Lebensdauer von 210 Tagen ausgelegt.

Amerikanische Senatoren, insbesondere die Republikaner, versuchen deshalb, ihren Druck auf die Nasa zu erhöhen, schnell eine neue Trägerrakete und Transportkapsel zu bauen. Der Nasa fehlt dafür das nötige Geld und die Entscheidungsfreude, zumal US-Präsident Barack Obama vorsichtig bremst.

Hilfe von privater Seite dürfte zu spät kommen. Die kalifornische Firma SpaceX will Ende November eine unbemannte Raumkapsel zur ISS schicken – allerdings ist das nicht mehr als ein Testflug. Es kann noch Jahre dauern, bis solche privat finanzierten Kapseln zuverlässig zur ISS fliegen – und dabei auch noch Astronauten mitnehmen können.

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