Satelliten 24.03.2000, 17:24 Uhr

Die Iridium-Sterne drohen zu erlöschen

Weltweite Satellitentelefonie per Handy – das erlaubte zum ersten Mal das Iridium-System. Doch knapp eineinhalb Jahre nach dem mühsamen Start ist Iridium LLC pleite. Die Satelliten werden in der Erdatmosphäre verglühen.

Wie immer im kurzen Leben von Iridium, herrscht auch dieses Mal Unklarheit. Seit Freitag, den 17. März, ist der Betrieb offiziell eingestellt. An diesem Tag leistete Iridium LLC vor dem Bankruptcy Court in New York den Offenbarungseid: Kein Käufer wollte sich an dem wagemutigen Prestigeprojekt beteiligen und die aufgelaufenen Schulden von fast 5 Mrd. Dollar übernehmen.
Schon zwei Tage zuvor hatte Motorola auf seiner Website verkündet, dass am 17. März, eine Minute vor Mitternacht, das Iridium-System abgeschaltet würde. Motorola ist zwar nur mit 18 % an Iridium LLC beteiligt, betreibt aber für die verschiedenen Vertriebsorganisationen in allen Erdteilen die 66 Iridium-Satelliten aus eigener Fertigung. Insofern kam Motorola die entscheidende Rolle für den Betrieb von Iridium zu.
Für die rund 50 000 Iridium-Kunden und die Mitarbeiter in den regionalen Vertriebsgesellschaften hatte die Zitterpartie im vergangenen August begonnen, als die zahlungsunfähige Firma Gläubigerschutz nach Chapter 11 suchte. Nach amerikanischem Recht dürfen konkursgefährdete US-Firmen bis zu fünf Jahre lang unter dem Schutz des Staates versuchen, ihr Geschäft zu sanieren oder neue Käufer zu finden, bevor die Gläubiger Zugriff auf verwertbare Teile bekommen.
Motorola hielt die Satelliten weiter auf ihren Bahnen, zog aber nach amerikanischen Zeitungsberichten zum eigenen Vorteil über 1 Mrd. Dollar aus Iridium LLC. Angeblich wurden erhebliche Summen für den Betrieb der Satelliten verlangt. Nun wollen US-Aktionäre, deren Aktien wertlos geworden sind, gerichtlich gegen Motorola vorgehen. Das Unternehmen hatte noch zur CeBIT die nächsten beiden Gerenationen kleinerer Satellitenhandys für das Iridium-System vorgestellt. Auch die alten, bis zu 6000 DM teuren Modelle, sind nun wertlos. Und auch die Investitionen von Kyocera, die ebenfalls Iridium-Handys entwickelt hatten, sind wertlos geworden.
Dabei war noch im Februar Hoffnung aufgekommen, als Mobilfunkpionier Craig McCaw mit seiner Investmentfirma Eagle River Investments den Netzbetreiber Iridium unter die Lupe genommen und eine Übergangsfinanzierung von 5 Mio. Dollar in Aussicht gestellt hatte. Insider sehen darin einen geschickten Schachzug in Sachen Mitbewerbsbeobachtung. „McCaw hatte Zugang zu allen Geschäftsunterlagen und weiß nun, welche Fehler man nicht machen darf“, wissen Insider. Billiger wäre Marktforschung nicht möglich gewesen.
Nun macht sich McCaw für ICO Global Communications stark, ebenfalls eine Pleite-Firma, die ursprünglich 2001 ein ähnliches Netz in Betrieb nehmen wollte, aber 1999 in Konkurs ging. Auch an dem breitbandigen Teledesic-Netz, das wieder einmal ein Jahr weiter auf 2004 verschoben wurde, ist McCaw neben Bill Gates beteiligt.
Übrig bleibt neben Inmarsat, das an Notebook-große Telefone gebunden ist, nur noch das Globalstar-System, das wie Iridium relativ kleine Handys nutzt, die auch in den terrestrischen Mobilfunknetzen funktionieren, aber nicht an allen Punkten der Erde Kontakt zu den Satelliten haben.
Motorola arbeitete schon vergangene Woche an einem Rückholplan für die insgesamt 70 Satelliten, die einschließlich der vier Reserve-Trabanten auf sechs Umlaufbahnen in 780 km Höhe unterwegs sind. Die Motorola-Ingenieure wollen einen kontrollierten Sturz in die Ozeane vorbereiten, falls wider Erwarten Teile nicht verglühen. Bis dahin werden sechs bis sieben Monate vergehen.
So lange kann Iridium noch betriebsfähig bleiben, zumindest in einigen Teilen der Erde, wie Motorola im Internet verkündet. Ein paar Extrem-Bergsteiger in Tibet und ein französischer Weltumfahrer im Ruderboot sind darauf angewiesen. In abgelegenen Gegenden, für die Iridium hauptsächlich geschaffen wurde, soll der Dienst deshalb noch eine Weile aufrecht erhalten werden. Dazu ist Motorola aber auf die Kooperation der elf Bodenstationen angewiesen, die selbständige Firmen sind, auf die Iridium und Motorola keinen Zugriff haben. Iridium Nordamerika habe versprochen, sein Gateway begrenzt in Betrieb zu halten.
Auch die Europäer lassen ihre Bodenstation weiter arbeiten, denn sie sind von der Pleite nur mittelbar betroffen. So auch die Iridium Communications GmbH (ICG) in Düsseldorf, die die Iridium-Kunden in Mitteleuropa betreut und an der italienischen Bodenstation beteiligt ist. „Wir warten noch auf einen offiziellen Bescheid von Iridium LLC – falls da überhaupt noch jemand ist“, bestätigt Pressesprecherin Sabine Hage. Trotz der drohenden Pleite hätten sich zahlreiche Neukunden von dem weltweiten Satellitentelefonsystem überzeugen lassen. Die Gesprächsminuten seien in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Intern hatte der deutsche Iridium-Vertrieb aber schon im Herbst die Notbremse gezogen und den Personalbestand von 100 auf jetzt 40 Mitarbeiter reduziert. „Wenn Motorola das Iridium-System abschaltet, entfällt unsere Geschäftsgrundlage“, konstatiert die Sprecherin nüchtern.
Nun muss die an ICG beteiligte VR Telecommunications, die Veba und RWE gehört, sich über die Zukunft des Unternehmens Gedanken machen. Gedanken macht sich auch Motorola Deutschland gemeinsam mit Iridium-Nutzern über den Weiterbetrieb. Und auch Fachjournalist Henning Gajek in Bad Dürkheim hat sich den Erhalt von Iridium auf die Fahnen geschrieben. Mit gutem Willen und ein paar Zehntausend Kunden kann das Satellitennetz aber kaum wirtschaftlich arbeiten. „Iridium schafft den Break Even nur mit mindestens 300 000 Kunden“, konstatierte Marc Crossman von J.P. Morgan im letzten Sommer. Und die auf fünf bis acht Jahre kalkulierte Lebensdauer der Satelliten endet schon ab 2002. FRIEDHELM WEIDELICH
Kontrollierter Sturz ins Meer: Motorola-Ingenieure tüfteln an einem Rückholplan für die 70 Satelliten, die in sechs Umlaufbahnen in 780 km kreisen.
Kyocera und vor allem Motorola haben viel in den Satelliten-Mobilfunk investiert.
Die kleinen Handys mit der dicken Antenne sind ein typisches Iridium-Produkt.

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