Luft- und Raumfahrttechnik 26.11.1999, 17:23 Uhr

Die Erwartungen sind verhalten, aber positiv

Arbeiten in der Luft- und Raumfahrtbranche ist wieder attraktiv geworden.

Was erwartet einen jungen Ingenieur in den Unternehmen der Luft- und Raumfahrt? Die Antwort auf diese Frage dürfte vor allem davon abhängen, in welchem Bereich er arbeitet. Denn die Branche ist weniger homogen, als es von außen den Eindruck erweckt. Da sind zum einen die Flugzeugbauer, in Deutschland vor allem die DaimlerChrysler Aerospace (Dasa)-Airbus, neuerdings auch wieder Fairchild Dornier in Ottobrunn, ein Unternehmen, das kleine Flugzeuge mit weniger als 100 Sitzen baut.
Um diese Flugzeugbauer schart sich eine große Gruppe von Zulieferern, die teilweise auch Wettbewerber wie Boeing beliefern. Wichtige Ausstatter von Flugzeugen sind Recaro Aircraft Seating in Schwäbisch Hall, die Sitze herstellen oder das Bodenseewerk-Gerätetechnik in Überlingen, das im zivilen Bereich vor allem Systeme zur Flugführung und Triebwerksregelung baut. Die Zahl der Ingenieure in diesen Unternehmen schwankt, 80 sind es bei Recaro, über 500 in den Luftfahrtaktivitäten der Diehl-Gruppe, zu der auch VDO Luftfahrtgeräte GmbH in Frankfurt und die Bodenseewerk Gerätetechnik GmbH in Überlingen gehören. Aber allein Diehl sucht bis zu 50 Software- und Elektronikingenieure.
Dann ist da der Bereich der Raumfahrt. Hier werden sowohl große Systeme für den Weltraum – von Experimentierplattformen, die durchs All kreisen bis zum europäischen Weltraumlabor Columbus – als auch Subsysteme der europäischen Trägerrakete Ariane entwickelt. Auch hier haben sich neben der Dasa in Bremen und München eine Reihe von kleineren Unternehmen etabliert, wie OHB in Bremen und Kayser–Threde München.
Ein wichtiges Untersegment der Raumfahrt ist die Satellitentechnik, die auch für die Unternehmen immer wichtiger wird. Einzelne Firmen – wie Dasa aber auch OHB – bauen nicht nur Satelliten oder Teilsysteme, sondern engagieren sich zunehmend auch in Betrieb und Nutzung von Satelliten und Satellitensystemen. Denn gerade Betrieb und Nutzung sind der kommerziell interessantere Zukunftsmarkt. Auf jede Mark, die in einen Satelliten investiert wird, so rechnen Branchenkenner, kommen bis zu 10 DM, die in sekundären und tertiären Märkten entstehen – vom Betrieb der Satelliten bis zum Bau von Endgräten.
Quer zum zivilen Luft- und Raumfahrtgeschäft liegt der militärische Bereich – vom Eurofighter über Lenkwaffen bis zu den Hubschraubern.
Die Produkte der Luft- und Raumfahrt gelten als sexy. Die besondere Attraktivität des Arbeitens in dieser Branche ist sicher die Tatsache, dass in den Produkten der Luft- und Raumfahrt unterschiedlichste Spitzentechnologien zusammenfließen – von der Material- bis zur Informationstechnik.
So überrascht es nicht, dass eine große Zeitschrift ermittelt hat, dass die Dasa hinter Siemens und der Dasa-Mutter DaimlerChrysler an dritter Stelle genannt wird, wenn Ingenieurabsolventen gefragt werden, wo sie am liebsten arbeiten würden.
Gespeist wird diese Attraktivität sicher auch dadurch, dass die Unternehmen der Luft-und Raumfahrtindustrie zu denen gehören, die am weitesten „europäisiert“ sind. Selbst mittelständische Unternehmen haben oft Niederlassungen in europäischen Ländern und in den USA
Und gerade erst haben sich die französische Aerospatiale-Matra und die Dasa zum weltweit drittgrößten Luft- und Raumfahrtkonzern zusammengeschlossen, der EADS ( European Aeronautic, Defense and Space Company).
Doch auch diese Branche ist nicht immun gegen Konjunktureinbrüche – zumeist als Folge der Konjunkturschwankungen bei ihren Kunden, den Fluggesellschaften. Anfang der 90er Jahre machten die beiden großen Hersteller Boeing und Airbus eine solche Krise durch, die auf die ganze Branche durchschlug.
Die Dasa hat jedoch heute ihre Rationalisierungsphase so weit hinter sich, dass sie wieder Ingenieure einstellt, im vergangenen Jahr waren es gut 700, in diesem werden es 800 Ingenieure sein.
Was die Zukunft angeht, so ist die Branche vorsichtig. Die Prognosen sind gut: Nach Airbus Industrie sind heute 10 000 große Passagierflugzeuge in Betrieb, bis 2018 soll sich die Zahl fast verdoppelt haben.
Dieses Wachstum, wenn es denn kommt, ist jedoch nicht direkt umsetzbar in eine vergleichbare Nachfrage nach qualifizierten Ingenieuren. Denn der Rationalisierungsdruck in der Branche ist nach wie vor groß, da der Wettbewerb mit Boeing auch über einen harten Preiskampf ausgetragen wird. Und parallel dazu zeigt sich bei Flugzeugherstellern ein immer stärkerer Trend zur Standardisierung. Entscheidend dürfte die Nachfrage nach Ingenieuren auch davon abhängen, wie die Entscheidung über den Bau des Riesen Airbus A3XX für 550 und mehr Passagiere ausfällt. moc
Neben dem Bau von Satelliten werden deren Betrieb und Nutzung ein immer interessanteres Marktsegment der Luft- und Raumfahrt.
Wesentliche Elemente der europäischen Trägerrakete Ariane stammen aus Deutschland. Bindeglied zwischen den europäischen Airbus-Partnern: der Beluga, der große Flugzeugsegmente quer durch Europa transportiert.

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