Luftfahrt 12.11.1999, 17:23 Uhr

Der Flug mit dem Drachen

Drachenfliegen ist heute mindestens ebenso sicher wie Segelfliegen – dank enormer technischer Entwicklungen.

Am Strand liegen und Fliegen fangen reichte den Hippies am Ende der 60er Jahre nicht mehr. Als sie an der Westküste Amerikas den deltaförmigen Hängegleiter des Nasa-Ingenieurs Francis Ragallo vom Himmel herunterschaukeln sahen, wollten sie auch fliegen. Ragallo hatte mit den Drachen experimentiert, um herauszufinden, ob Raumkapseln mit ihnen sanfter als mit den herkömmlichen Fallschirmen zur Erde schweben würden. Den begeisterten Hippies war es egal. Flugs drückten sie ihre Joints in den Sand, bastelten, bauten, flogen und stürzten. So zumindest will es die Legende, die den Anfang der modernen Drachenfliegerei beschreibt.
Die geniale Erfindung des Amerikaners Ragallo bestand 1948 eigentlich nur darin, drei Stangen mit einem Segel fächerförmig zu verbinden, auseinander gespreizt durch eine vierte Querstange. Dieser „Ragallo-Gleiter“ war der Urvater aller späteren Drachen, oder, fachlich präziser, aller „Hängegleiter“. Heute werden die bemannten Vögel meist aus Aluminiumrohren, Edelstahlseilen und Kunststoffsegeln gebaut. Ein solcher Drachen wiegt zwischen 20 kg und 40 kg und weist eine Segelfläche zwischen 13 m2 und 17 m2 aus. Die Kosten liegen je nach Güte zwischen 5000 DM und 8000 DM.
Heute ist die Drachenfliegerei mindestens so sicher wie das Fliegen in Segelflugzeugen. Drachen sind sogar belastbarer als manches Sportflugzeug. Zumindest können sie mehrere g aushalten. 1 g ist die Maßeinheit für die Beschleunigung, der Mensch und Material durch die Erdanziehungs- und Fliehkraft bei Flugmanövern ausgesetzt sind (Erdbeschleunigung). Moderne Kampfflugzeuge fliegen Hochgeschwindigkeiten, bei denen sie bis zu 8 g ausgesetzt sind, ohne in alle Einzelteile zu zerfallen. Bei einem solchen Druck wird jeder normale Mensch sofort bewusstlos. Piloten können ihn nur deshalb aushalten, weil sie Spezialanzüge tragen und jahrelang trainieren. Drachenflieger haben es bisher auf bis zu 2 g gebracht. Dass sich jedoch mit einem Drachen weltweit immer noch nicht mehr als etwa 80 000 Flieger in die Luft wagen, liegt vor allen daran, dass das Drachenfliegen kein Publikumssport ist und an der Öffentlichkeit regelrecht vorbeifliegt.
Beim Drachenfliegen gilt es zunächst, von der Abflugrampe ordentlich loszulaufen und dabei die Flügel auszutarieren. Die Nase des Drachens darf nicht zu hoch und nicht zu tief stehen, die Flügelenden nicht nach einer Seite herunterhängen. Beim Beschleunigen auf einer ebenen Wiese hebt es den Drachen schließlich wie von Geisterhand in die Höhe. Anders als beim Gleitschirm, muss sich der Drachen dabei nicht erst mit Luft füllen. Kein Unterlaufen des Schirmes, kein Kontrollblick ist nötig.
Gesteuert wird der Drachen durch Schwerpunktverlagerung mit Hilfe eines Steuerbügels. Während man jedoch beim Segelfliegen in einem kleinen Cockpit hockt, beim Gleitschirmfliegen in einem Sitz schaukelt, hängt der Drachenflieger unter der Tragfläche, Kopf voraus. Der Pilot liegt dabei im so genannten Gurtzeug. In dieser strömungsgünstigen Position erbringen heutige Geräte eine Gleitleistung von rund 1:12 das heißt, dass der Drachen bei einem Höhenunterschied von 1000 m bis zu 12 km zurücklegen kann. Oben gibt es nur wenig, an dem sich der Pilot orientieren kann. Luft ist bekanntlich unsichtbar und so bleibt allein, die Wolken zu studieren oder den Gleitflug der Vögel zu beobachten. Ähnlich wie beim Segel- und Gleitschirmfliegen geht es beim Drachenfliegen darum, die bestmögliche Thermik zu erwischen.
In Deutschland erfolgen Start und Landung auf Fluggeländen, die vom Deutschen Hängegleiter Verband (DHV) zugelassen werden. Der regionale Schwerpunkt für den Drachenflugsport lag zunächst im Alpenraum. Mit Verbesserung der Flugleistung haben sich weitere Schwerpunkte in den deutschen Mittelgebirgen entwickelt, und seit dem Einsatz von Schleppwinden auch im Flachland. Zur Sicherheit dienen hier zu Lande zugelassene Fluggeräte mit Gütesiegel und eine Pilotenausbildung. M. ROOS/W. SCHMITZ
Informationen bei: DHV, Postfach 88, 83701 Gmund am Tegernsee, Tel. 08022/96750, Fax: 08022/967599.
Ein erhabenes Gefühl, lautlos an Naturschönheiten vorbei zu schweben.

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