Luftfahrt 28.07.2000, 17:26 Uhr

Das Ende eines Mythos

die von der vollkommenen Zuverlässigkeit eines Flugzeugs.

Sie hatte immer was von einem britischen Sportwagen vergangener Tage: Bretthart lag sie in der Luft, vor allem wenn sie mit gedrosseltem Schub Warteschleifen über den Flughäfen ziehen musste, sie war teuer, galt als exklusiv, wenn auch schwer verkäuflich, fraß Unmengen Sprit – die Concorde. Nur eins hatte sie den britischen Sportwaren voraus: Sie galt als wesentlich zuverlässiger.
Bis Mitte dieser Woche. Erstmals kamen am Dienstag durch den Absturz einer Concorde Menschen ums Leben, nach bisherigen Angaben 113. Schon in den Tagen zuvor hatte der Superflieger für einigen Wirbel gesorgt, als kleine Haarrisse in seiner Aluminiumhaut festgestellt wurden.
Nachdem jetzt Flugschreiber und Stimmenrekorder des Flugzeugs gefunden wurden, scheint jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit fest zu stehen, dass zwischen den Haarrissen und dem Unfall kein ursächlicher Zusammenhang besteht – eine Ansicht, die auch Air France-Präsident Jean-Cyril- Spinetta vertreten hat.
Die Untersuchungen konzentrieren sich derzeit auf die Triebwerke. Eines der beiden linken Triebwerke brannte nach Augenzeugenberichten beim Start. Dieses Triebwerk hatte bereits am Montag dieser Woche zu Problemen geführt, nachdem sich die zum Bremsen benötigte Schubumkehr nicht betätigen ließ. Auch mit diesem leichten Defekt hätte die Maschine am Dienstag Nachmittag starten können. Da sie jedoch voll besetzt war – was einen längeren Bremsweg zur Folge hat – hatte der Pilot den Defekt beheben lassen. Einer anderen Concorde war dafür das passende Ersatzteil entnommen und dieses in das Unglücksflugzeug eingebaut worden. Daraufhin startete die Concorde mit einer Verspätung von gut 30 Minuten.
Dem Piloten, dem 54-jährigen Christian Marty-, muss der Defekt sofort aufgefallen sein, das hat die Untersuchung ergeben. Er soll um eine Notlandemöglichkeit gebeten haben, die ihm umgehend auf allen Landebahnen der beiden Pariser Flughäfen Charles-de-Gaulle und Le Bourget eingeräumt wurde. Als er merkte, dass Landen nicht mehr möglich war, scheint er mit einer letzten Anstrengung das Flugzeug von der dicht bewohnten Region von Gonesse weggelenkt zu haben.
Dieser Unfall ist der erste- Totalverlust einer Concorde. Die Pannenbilanz ist überschaubar, einziger größerer bekannte Defekt war Anfang der 90er Jahre der Verlust eines Teils der Verkleidung des Heckruders. Die in jüngerer Zeit bekannt gewordenen Risse in den Tragflächen bis zu 7 cm Länge haben dazu geführt, dass British Airways eine „Concorde“ aus dem Dienst genommen hat, um diese Schäden zu beheben.
Wo immer es am Himmel auftauchte, galt das einzige jemals im Linienverkehr geflogene Überschallflugzeug als Sensation. Herausragendstes Merkmal war neben ihren Deltaflügeln, die ihr am Himmel die Form einer Pfeilspitze gaben, die abgeknickte Nase. Eine echte Funktion hatte das Abknicken der Nase nicht- es machte den Piloten nur den Blick auf die Landebahn möglich. Denn beim Landen hatte die Concorde einen so steilen Anstellwinkel, dass die Nase des Fliegers den Blick auf die Landebahn verstellt hätte.
Nach allen bisher vorliegenden Untersuchungsergebnissen ist von einem „catastrophic- event“ , wie es in der Sprache der Flieger heißt, in einem oder beiden der linken Triebwerke“ auszugehen.
Das könnte beispielsweise ein Schaufelbruch gewesen sein, bei dem die weggeschleuderten Teile eine Treibstoffleitung trafen und dann erst zu einem Brand und dann zu einer Explosion führten. Flugfähig wäre die Concorde auch mit drei Triebwerken gewesen.
Spontan hatten sowohl Air France als auch British Airways am Dienstag die „Concorde“-Flüge gestrichen. British Airways hat am Mittwoch Vormittag das normale Flugprogramm aber mit Zustimmung der Hersteller und der britischen Luftfahrtbehörden (CAB) wieder aufgenommen, weil bislang keinerlei Wiederholungsgefahr gesehen wird. W. MOCK / P. ODRICH
Vier Menschen starben am Boden. Der Pilot konnte Schlimmeres verhindern, weil er die Maschine weg von dem dicht bewohnten Gonesse steuerte.
Der zerstörte und ausgebrannte Rumpf der Concorde. In dem Flammeninferno starben 113 Menschen. Dies ist der erste Unfall des Überschalljets.
Sekunden vor dem Crash. An einem der beiden linken Triebwerke ist eine lange Feuerzunge zu sehen. Wenig später stürzte das Flugzeug mit 60 t Treibstoff an Bord zu Boden und explodierte.
An die 800 Helfer versuchten zu retten, was zu retten war. Die fast fußballfeldgroße Absturzstelle wurde hermetisch abgeriegelt.
Ob Splitter oder Rad, jedes Teil der Concorde wird auf der Suche nach der Unfallursache analysiert.

Von W. Mock/P. Odrich

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