Regierung stellt 1,25 Milliarden Euro bereit 21.08.2013, 09:33 Uhr

China forciert die Entwicklung von Jet-Triebwerken

Die chinesische politische Führung hat die Entwicklung von Jet-Triebwerken als eines der wirtschaftlich-technischen Hauptziele für die kommenden zehn Jahre festgelegt. Veröffentlicht wurde diese Zielsetzung jetzt durch Zhang Yanzhong, Vorsitzender des staatlichen Beratungsgremiums für das umfangreiche Zivilflugzeugprogramm Comac C919. 

COMAC präsentierte 2009 ein Modell des Jets C919 auf der Messe China International Industry Fair in Shanghai.

COMAC präsentierte 2009 ein Modell des Jets C919 auf der Messe China International Industry Fair in Shanghai.

Foto: dpa/Wen yin

Als Begründung nannte Zhang, dass die Triebwerkentwicklung und anschließende Produktion eine der wesentlichen Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Flugzeugindustrie in der Volksrepublik sei.

Aktuelle Flugtriebwerk-Situation in China

Gegenwärtig werden sämtliche in der Volksrepublik China produzierten Militär- und Zivilflugzeuge durch ausländische Triebwerke angetrieben. Das gilt sowohl für eigene Flugzeugentwicklungen wie auch für Lizenzproduktionen wie etwa jene des Airbus A320, der auch in der in China gebauten Version von französisch-amerikanischen Triebwerken angetrieben wird. Ein Teil dieser ausländischen Triebwerke wird allerdings in China montiert. Diese totale Abhängigkeit von vor allem amerikanischen, russischen und zum kleineren Rest auch französischen und britischen Triebwerken will die chinesische Führung nicht länger hinnehmen.  In diesem Zusammenhang betont Zhang, dass die chinesische Flugzeugindustrie im Triebwerkbereich bislang überaus schwach aufgestellt sei. Bisher fehle es an Finanzmitteln für die Entwicklung, sowie an einer entsprechenden technischen Infrastruktur und vor allem auch an einschlägiger Erfahrung in der Flugtriebwerk-Entwicklung.

Pläne der chinesischen Regierung

Als erstes hat die Zentralregierung in Beijng zehn Milliarden Renmimbi oder umgerechnet rund 1,25 Milliarden Euro für die Triebwerkentwicklung bereitgestellt. Dabei ist allerdings nicht gesagt, für welchen Zeitraum diese Mittel gelten, beziehungsweise wann welche weiteren Mittel fließen werden.

DieZiele für die Triebwerk-Entwicklung sind aber relativ präzise. Erstens soll es bei dem jetzt gestarteten Programm ausschließlich um Jet Engines, also Düsenmotoren für Zivilflugzeuge gehen. Zweitens soll durch die eigene Entwicklung der Importbedarf an Triebwerken künftig drastisch reduziert werden. Drittens sollen die chinesischen Triebwerke nach Ablauf der zehnjährigen Entwicklungsfrist im Großen und Ganzen den Leistungs- und Zuverlässigkeitsstandard der Triebwerke renommierter westlicher Produzenten,  sprich General Electric, Pratt & Whitney sowie Rolls Royce, erreichen.

Programmführung liegt beim staatlichen Flugzeugbaukonzern AVIC 

Die chinesische Führung hat mit der Programmführung den staatlichen Flugzeugbaukonzern AVIC beauftragt. Innerhalb des AVIC-Konzerns soll ein Unternehmen namens AVIC Aviation Engine Holding die Triebwerk-Entwicklung betreiben. Für das erste chinesische Düsenverkehrsflugzeug, die Comac C919, die nach dem derzeitigen Stand im Jahre 2015 in den kommerziellen Betrieb gehen soll, wird die eigenständige chinesische Triebwerkentwicklung allerdings viel zu spät kommen. Die relativ kleine Kurzstreckenmaschine Comac C919 wird voraussichtlich mit amerikanischen Triebwerken ausgestattet fliegen. Die chinesische Flugzeugindustrie beschäftigt sich allerdings seit kurzem auch mit Plänen für so genannte Großraumflugzeuge, wie sie im Passagierverkehr vor allem für Langstrecken eingesetzt werden.

Es wäre denkbar, dass das erste eigenständige chinesische Triebwerk für ein derartiges Flugzeug vorgesehen ist. Dagegen spricht allerdings, dass normalerweise im Flugzeugbau vermieden wird, ein gänzlich neues Flugzeug mit einem ebenfalls gänzlich neuen Triebwerk zu versehen. Viel üblicher ist es, für ein neues Flugzeug auf ein bereits erprobtes Triebwerk zurückzugreifen oder umgekehrt ein neues Triebwerk zunächst in ein bereits ausgiebig erprobtes Flugzeugmuster einzubauen. 

Von Peter Odrich
Von Peter Odrich

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