Ballonkranbetreiber 20.01.2012, 12:01 Uhr

Cargolifter mit erneuten Anlauf

2002 ging der mit viel Medienbegleitung gestartete Ballonkranbetreiber Cargolifter im brandenburgischen Brand in Konkurs. Seit gut drei Monaten gibt es das Unternehmen wieder – mit Sitz in Luxemburg.

Zurzeit schaut sich Carl-Heinrich von Gablenz Land an. „Wir suchen nach einem Betriebsgelände für Tests und Vorführungen“, verrät er. Der 59-Jährige ist wieder Chef von Cargolifter. Zwar heißt das Unternehmen mit CargoLifter S.A. jetzt ein bisschen anders und hat seinen Sitz auch nicht mehr in Brandenburg, sondern seit dem 6. Oktober 2011 in Luxemburg, aber die Produktidee ist die gleiche: Ballonkransysteme, die überall dort schwere Lasten heben können, wo Kräne versagen.

Damit ist von Gablenz schon einmal mit viel Medienecho gescheitert. 1996 hatte er mit anderen die Cargolifter Aktiengesellschaft in Wiesbaden gegründet. Sie fand bald ein Heim im brandenburgischen Brand. Dort entstand eine 360 m lange, 107 m hohe Halle, in der eines Tages gigantische Luftschiffe für die Fracht entstehen sollten.

Aber es kam anders. 2002 musste er Insolvenz anmelden. Das Verfahren gestaltete sich schwierig; Gegner hielten ihm nicht zurückgezahlte Landesmittel vor, Fans kreideten das Vorgehen des Insolvenzverwalters an.

Terroranschläge vom 11. September 2001 treiben Cargolifter in die Insolvenz

Von Gablenz selbst erklärt den freien Fall von vor zehn Jahren so: „Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde es für die Luftfahrtindustrie sehr schwierig und 2002 brach durch den Börsencrash der New Economy unser Kapitalmarkt zusammen. Wir fanden keine Mittel mehr. Also mussten wir Insolvenz anmelden.“

Heute befindet sich an der ehemaligen Produktionsstätte in Brandenburg eine Tropenhalle mit Spaßbad und Hotel. Ein Investor aus Malaysia hatte das 500 ha große Areal aufgekauft.

Von Gablenz ist nach wie vor von seiner Idee überzeugt. „Große Maschinen- und Anlagenbauer sind an der Idee des Cargolifters sehr interessiert und stehen dem Projekt nahe“, erklärt von Gablenz. „Schließlich ist alles, was nicht im Container und auf der Straße zu transportieren ist, ein Problem. Da bleibt nur noch eine Formel: der Luftweg. Luftige Lösungen für Lasten eben.“ Der studierte Jurist mit Bankerfahrung denkt an Krisengebiete ebenso wie an Windkraftanlagen.

Ballonkräne faszinieren ihn schon lange. Das liegt wohl in der Familie. Sein Großvater war Mitbegründer und Vorstand der Lufthansa, der Vater Pilot. Von Gablenz selbst befasste sich während seiner Zeit als Gastprofessor für Logistik in den USA mit der Technik – und war begeistert. Als positive Beispiele dafür, dass die von der Presse damals gern kritisierte Technik funktioniert, führt von Gablenz konkrete Projekte an. Beispielsweise arbeite er am Projekt „ISO Polar“ in Kanada mit, das Leichter-als-Luft-Lösungen zur Versorgung der Minenindustrie oder der Bevölkerung in abgelegenen Orten einsetzen will.

Auch die US-Streitkräfte setzen auf Lastenträger aus der Luft. Sie arbeiten an einem Überwachungs-Stratosphärenluftschiff. „Die US Navy hat sogar ein eigenes Projektbüro zum Thema Luftschiffe eingerichtet“, weiß von Gablenz. Lockheed Martin würde ein „Airship“ für die Arktis fördern und Boeing arbeite derzeit an einem Projekt, bei dem ein Luftschiff mit vier Hubschraubermotoren ausgestattet wird.

Der neue alte Chef stand mit seiner Überzeugung nicht allein da. Vier Jahre nach der Insolvenz wurde die CL CargoLifter GmbH & Co. KG a. A. gegründet. „Vom harten Kern der ehemaligen Aktionäre“, wie von Gablenz betont.

Cargolifter heute: 600 Aktionäre teilen sich 825 000 Namensaktien

Heute hat die neue Gesellschaft rund 600 Aktionäre, auf die sich die 825 000 vinkulierten Namensaktien verteilen. Der Geschäftsführer selbst hält auch Anteile. An die Börse will er nicht. Umso mehr freut ihn, dass die neue Gesellschaft alle wesentlichen Patente der alten Cargolifter AG aufgekauft hat. Ihr gehören auch Anteile an einer Tochter, die im Vogtland einen Aussichtsballon betreibt, der aber vor allem Testzwecken für das Ballonkransystem dient.

„Die Leute kommen und sagen: Wenn man sieht, was ein Ballonkran kann, dann muss man das machen“, berichtet von Gablenz. Aber anders als zuvor fördert die KG eine schrittweise Umsetzung von kleinen und mittleren Lösungen bis hin zu Luftschiffen.

Das neue Unternehmen versteht sich als Koordinator und Auftraggeber. Oder anders gesagt: Es werden kleine Brötchen gebacken. Es geht nicht darum, sofort 160 t zu heben und 500 Mitarbeiter zu beschäftigen wie früher. Das Nachfolgeunternehmen ist eher eine One-Man-Show.

Derzeit wird ein kleiner Ballon von 13,5 m Durchmesser bei Augsburg gefertigt, der im Frühjahr in Luxemburg getestet werden soll und bis zu 500 kg heben kann. „Das ist gut für Anwendungen wie Windparkanlagen, deren Testmessungsmasten von solchen Ballons aufgerichtet werden könnten“, ist von Gablenz überzeugt.

In Luxemburg will er jetzt ein Grundstück anmieten. Im Sommer soll dann der nächste Ballon fertig werden er ist mit 27 m Durchmesser deutlich größer. Dieses Modell kann dann bis zu 5 t heben. Das entspricht rund drei Pkw. „Das ist beispielsweise bei Dächern für den Bau von Stadien sinnvoll“, meint von Gablenz.

Neuer Firmensitz von Cargolifter in Luxemburg

Luxemburg als neue Heimat der CargoLifter S.A. (Aktiengesellschaft), Betreibergesellschaft für das Ballonkransystem, sei auf den Deutschen zugekommen, sagt er. „Wir haben ja auch Aktionäre hier im Land, die uns bestätigt haben, dass Luxemburg außer der Finanzindustrie noch andere Branchen ansiedeln will und dass die Regierung da sehr hilfreich ist.“ Sogar eventuelle Staatshilfen wären möglich für die 1,5 Mio. € an Investitionen.

Kaufen will er die CargoLifter-Ballons nicht unbedingt. „Wir planen, die künftige Finanzierung der jeweiligen Systeme über Fonds zu gestalten, wobei die Betreibergesellschaft diese dann anmietet und im Markt einsetzt. Auch deshalb ist Luxemburg ein guter Standort hier gibt es das notwendige Wissen dafür.“

Luxemburger Leser sind kritischer. Sie verstehen nicht, warum er Mittel erhalten soll, wenn er schon mal pleitegemacht hat. „Wenn das Militär Projekte macht, sind immer Mittel da – aber bei Privatunternehmen funktioniert das nicht“, kritisieren Blogger.

Doch von Gablenz‘ Optimismus ist ungebrochen. „Es kann auch sein, dass wir mit ein bis zwei Einsätzen total bekannt werden“, hofft er.

Die kritische Haltung gegenüber Cargolifter versteht er nicht: „Warum beschäftigt man sich an anderen Stellen der Welt intensiv mit den Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie – und in Deutschland beschränkt sich der Blick auf Cargolifter alt und neu? Wir verpassen in Deutschland doch mal wieder eine Chance – und das mit einer Technologie, die als urdeutsch gilt.“

Von Cordelia Chaton

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