Mission 4M 19.09.2014, 12:17 Uhr

Bremer Konzern OHB schickt Satelliten auf eigene Rechnung zum Mond

Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB schickt im Oktober einen privat finanzierten Minisatelliten an Bord einer chinesischen Trägerrakete zum Mond. Während der 196 Stunden dauernden Mission, die rund 400.000 Euro kostet, sendet der Satellit kontinuierlich Nachrichten zur Erde. 

Manfred Memorial Moon Mission: Im Oktober will der Bremer Raumfahrtkonzern OHB im Gedenken an Firmengründer Manfred Fuchs einen Minisatelliten auf den Mond schicken. 

Manfred Memorial Moon Mission: Im Oktober will der Bremer Raumfahrtkonzern OHB im Gedenken an Firmengründer Manfred Fuchs einen Minisatelliten auf den Mond schicken. 

Foto: Flickr/Bill Dickinson

Die Mondmission, die OHB für Oktober plant, hat neben dem technisch-wissenschaftlichen Aspekt auch eine rein menschliche Komponente. Die Mission mit dem Titel 4M – Manfred Memorial Moon Mission – soll an den Firmengründer Manfred Fuchs erinnern, der im April dieses Jahres im Alter von 75 Jahren überraschend starb. Gebaut wurde der Minisatellit von der Luxemburger OHB-Tochter LuxSpace.

Satellit an Bord einer chinesischen Trägerrakete soll am 23. Oktober starten

„Dies ist die erste privatfinanzierte Mondmission aller Zeiten, und sie findet 45 Jahre nach der ersten Landung auf dem Mond statt“, sagte Jochen Harms, Geschäftsführer von LuxSpace. Der von LuxSpace gebaute Satellit hat eine Größe von 50x30x10 Zentimeter und wird an Bord einer chinesischen Trägerrakete schon am 23. Oktober 2014 ins All starten. Für die Chinesen ist der Flug ins All ein Test für ihre geplante unbemannte Mondmission Chang‘e-5, mit der sie 2017 auf dem Mond landen und dort Proben entnehmen wollen.

Der von der Luxemburger OHB-Tochter LuxSpace gebaute Minisatellit soll im Oktober zum Mond fliegen.

Der von der Luxemburger OHB-Tochter LuxSpace gebaute Minisatellit soll im Oktober zum Mond fliegen.

Foto: OHB

Für die jetzige Mission, die insgesamt 196 Stunden dauert, ist eine Umrundung des Mondes in etwa 13.000 Kilometern Höhe geplant. Dann kehrt der Satellit mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit zurück in die Erdatmosphäre. Der kleine, 14 Kilogramm schwere deutsche Satellit, ist mit einer Reihe von wissenschaftlichen Instrumenten ausgerüstet. Während des Fluges soll es Strahlungsmessungen geben und die Wissenschaftler wollen einen neuen Ansatz zur Standortermittlung von Satelliten testen.

Wettbewerb für Amateurfunker

Das soll mit Hilfe der sogenannten Multilateration geschehen, einem Messverfahren zur Positionsbestimmung eines Punktes. Dies beruht auf der Triangulation, bei der die Entfernung zu drei bekannten Punkten eine eindeutige Positionsbestimmung möglich macht. Bei dem in den 1980er Jahren entwickelten Satellitennavigationsverfahren GPS werden keine Längen, sondern Laufzeiten der Funksignale verwendet, wobei die daraus abgeleiteten Strecken Pseudostrecken heißen. Stehen mehr als drei Pseudostrecken zur Auswertung zur Verfügung, spricht man von Multilateration. Mit einem Experiment auf der Mondmission wollen die Wissenschaftler mit mindestens vier Pseudostrecken die genaue Position des Satelliten bestimmen.

196 Stunden soll die Mission 4M dauern. Sie wird rund 400.000 Euro kosten.

196 Stunden soll die Mission 4M dauern. Sie wird rund 400.000 Euro kosten.

Foto: OHB

Außerdem haben die Entwickler von 4M Amateurfunker gebeten, ihnen bis zum 17. September Kurznachrichten mit maximal 13 Zeichen zuzusenden. Insgesamt etwa 2500 solcher Nachrichten sollen im Satelliten gespeichert und in Dauerschleife zur Erde gefunkt werden. Amateurfunker, die die spezielle Software WSJT – Weak Signal Communication Software – verwenden, können die Nachrichten empfangen und verstehen. Als Anreiz hat LuxSpace in zwei Kategorien zum Wettbewerb aufgerufen und Preise ausgeschrieben. Gewinnen können einzelne Amateurfunker oder Gruppen, die die meisten telemetrischen Punkte für die Standortbestimmung sammeln und diejenigen, die die meisten Funk-Nachrichten empfangen haben.

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