ERFOLGREICHER START VON RUSSLAND AUS 21.11.2013, 17:05 Uhr

Bayerische Unis bringen Klein-Satelliten ins All

Sie sind nur jeweils ein Kilo schwer und stecken doch voller Hightech: Zwei Klein-Satelliten, die an Hochschulen in München und Würzburg entwickelt und heutemit derselben russischen Trägerrakete ins Allgeschossen wurden.

Der Kleinsatellit "Uwe 3" im Testlabor der Uni Würzburg: Der nur ein Kilogramm schwere Würfel startete heute vom südrussischen Jasni aus mit einer Trägerrakete erfolgreich ins All. 

Der Kleinsatellit "Uwe 3" im Testlabor der Uni Würzburg: Der nur ein Kilogramm schwere Würfel startete heute vom südrussischen Jasni aus mit einer Trägerrakete erfolgreich ins All. 

Foto: dpa/David Ebener

Die künstlichen Trabanten „FIRST MOVE“ und „UWE 3“ sind kaum größer als Zauberwürfel. UWE 3 gehört zu einer mit acht Exemplaren geplanten Serie von Klein-Satelliten der Würzburger Forscher. Von Studierenden und Doktoranden entwickelt, soll er dabei helfen, die Positionsbestimmung und Steuerung der Satelliten im Weltraum zu verbessern. Das ist notwendig, damit in Zukunft ganze Schwärme solcher Picosatelliten – die höchstens ein Kilo wiegen – um die Erde kreisen und sichere Daten liefern können. „Wir wollen Formationsflug machen“, sagte der Würzburger Informatik-Professor Klaus Schilling. Im Jahr 2017 soll dann eine ganze Gruppe von „UWEs“ um die Erde kreisen. „Wir denken schon bis UWE 11“, so Schilling, der die größte Herausforderung in diesem Projekt bei der Zuverlässigkeit der Software sieht: „Die starke Miniaturisierung zieht als Nachteil auch eine größere Störanfälligkeit nach sich, die durch ausgefeilte Software wieder korrigiert werden muss.“

Einsatz bei Erdbeben-Frühwarnung

Die Satelliten-Schwärme können Ergebnisse liefern, die mit einzelnen Exemplaren nicht möglich sind. Ein weiterer Vorteil der besonders kleinen Satelliten ist, dass die Trägerraketen leichter sein können und die Starts damit wesentlich billiger werden. Auch die Satelliten selbst sind preiswerter. Die Materialkosten für UWE 3 entsprechen nach Angaben der Uni Würzburg dem eines Mittelklassewagens. Deshalb ist ihr Einsatz auch für andere Zwecke wie zum Beispiel Wettervorhersagen interessant. Auch für die Frühwarnung vor Erdbeben könnten die Schwärme bessere Informationen liefern als die existierenden Bodenstationen. Schilling geht davon aus, dass Kleinsatelliten künftig in vielen Bereichen die multifunktionalen Großtrabanten ersetzen werden.

Test neuer Solarzellen

Das Münchner Projekt konzentriert sich auf die Erforschung neu entwickelter Solarzellen, die unter den Extrembedingungen des Weltraums getestet werden sollen. Die Wissenschaftler erhoffen sich eine Bestätigung der auf der Erde gemessenen Leistungsfähigkeit und des Wirkungsgrades. Drei Monate lang werden die Solarzellen dem Härtetest unterzogen. Auch die Münchner planen weitere Missionen mit Kleinsatelliten.

Die an den bayerischen Hochschulen entwickelten Trabanten gehören mit jeweils rund einem Kilogramm Gewicht übrigens noch nicht zu den kleinsten Satelliten, die bereits eingesetzt werden. So genannte Femtosatelliten wiegen weniger als 100 Gramm.

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