Raumfahrt 15.07.2011, 12:09 Uhr

Auch Deutschland profitierte vom US-Shuttle

In den vergangenen 30 Jahren prägten die US-Raumfähren das Antlitz der bemannten Raumfahrt. Jetzt ist das Space Shuttle-Programm eingestellt worden. Doch dass mit der Ausmusterung der Orbiter-Flotte auch ein Kapitel deutscher Raumfahrtgeschichte zu Ende geht, wird dabei kaum wahrgenommen.

Nach 30 Jahren stellt die US-Raumfahrtagentur Nasa ihr Shuttle-Programm ein. Die Raumfähren sind auf ihre alten Tage zu anfällig geworden und ihre Wartung ist viel zu teuer. Was unterm Strich jedoch zählt: Ohne ihre 25 t Nutzlast fassenden Frachträume wäre der Aufbau der Internationalen Raumstation nicht möglich gewesen. Auch die spektakulären Reparaturen des Hubble-Weltraumteleskops hätte es nicht gegeben. Und keine nationale bemannte Raumfahrt in Deutschland.

Denn es ist heute schon fast in Vergessenheit geraten, dass sich die Bundesrepublik in den 1980er-Jahren anschickte, sich in der bemannten Raumfahrt mit eigenständigen Missionen hinter den USA und der UdSSR dauerhaft auf dem dritten Platz zu etablieren. Die Politik machte es möglich. Und das Space Shuttle der Amerikaner.

Ulf Merbold war der erste Ausländer in einem US-Shuttle

Da die Bundesrepublik in den 1970er-Jahren mit 625 Mio. DM (320 Mio. €) rund 55 % der Entwicklungskosten des europäischen Weltraumlabors Spacelab getragen hatte, bemühte sie sich auch an vorderster Stelle um dessen Nutzung. Das Ticket für den Jungfernflug des Spacelab an Bord der Raumfähre Columbia Ende 1983 erhielt schließlich Ulf Merbold. Ein großer Erfolg, zumal Merbold als erster Ausländer in einem US-Shuttle mitfliegen durfte.

Erklärtes Ziel war jedoch die Durchführung eigener nationaler Missionen. Zum einen strebte man damit die europäische Führungsposition im bemannten Sektor an, zum anderen sollte dadurch Frankreich auf Distanz gehalten werden. Am 30. Oktober 1985 hob dann mit der Raumfähre Challenger das Spacelab D1 vom Kennedy-Weltraumbahnhof in Florida ab. Zur achtköpfigen Crew gehörten auch Reinhard Furrer und Ernst Messerschmid.

Sieben Tage umkreiste das Shuttle die Erde, in denen die Besatzung 76 Experimente aus den Gebieten Physik, Medizin und Biologie betreute. Für die Forschungen waren im Spacelab fünf Schmelzöfen, drei Biokammern sowie zwei Anlagen zum Studium von Flüssigkeiten installiert worden. So befassten sich die Astronauten mit den Phänomenen beim Übergang von fester Materie in den flüssigen und gasförmigen Zustand, der Züchtung von Kristallen, dem Wurzelwachstum von Pflanzen sowie dem Flugverhalten von Insekten. Insgesamt 408 Mio. DM (209 Mio. €) ließ sich die Bundesrepublik das Prestigeprojekt kosten. Dafür durfte das German Space Operations Center (GSOC) im bayrischen Oberpfaffenhofen aber auch als erstes Raumfahrtkontrollzentrum außerhalb der USA und der UdSSR die Leitung des gesamten Wissenschaftsbetriebs im All übernehmen.

Das GSOC Oberpfaffenhofen wurde zum ersten Raumfahrtkontrollzentrum außerhalb der USA und der UdSSR

D1 sollte aber keine Eintagsfliege bleiben, sondern Ausgangsbasis für weitere Flüge unter deutscher Federführung sein. Das 860 Mio. DM (440 Mio. €) teure Unternehmen D2 war für September 1988 schon fest im Startplan verankert, D3 und D4 sollten folgen. Die Challenger-Katastrophe von 1986 bewirkte jedoch, dass D2 erst 1993 ins All gelangen konnte. Da hatte sich die Weltlage aber inzwischen dramatisch verändert. Den Ostblock gab es nicht mehr und die deutsche Einheit kostete Milliarden. Für die Nachfolger D3 und D4 kam das Aus mangels Geld.

Die bereits finanzierte D2-Mission allerdings wurde noch durchgeführt und knüpfte nahtlos an den Erfolg des Vorgängers an. Ab 26. April 1993 forschten Ulrich Walter und Hans Schlegel gemeinsam mit fünf Nasa-Kollegen zehn Tage lang an Bord des in die Raumfähre Columbia integrierten Spacelab. Die Schwerpunkte bei den 88 Experimenten lagen diesmal auf der Erforschung des Herz-Kreislauf-Systems, der Arbeitspsychologie, des Immunsystems, der Fusion von Zellen im elektrischen Feld, der Rezeptorsysteme und der Robotik. Großen Raum nahmen aber auch wieder Materialuntersuchungen und Erdbeobachtungen ein. Die beinahe 100 %-ige Erfolgsrate war fast schon sensationell.

Nach der Wiedervereinigung musste Deutschland zwangsläufig kleinere Brötchen backen. Das bedeutete zwar keineswegs die Abkehr von der bemannten Raumfahrt, aber doch den Abschied von der Eigenständigkeit. Man nutzte jetzt vor allem die billigeren Mitfluggelegenheiten in russischen Sojus-Kapseln zur Raumstation Mir. Im US-Shuttle flogen oder forschten deutsche Wissenschaftler nur noch in Zusammenarbeit mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. So Ulf Merbold 1992 an Bord der Raumfähre Discovery auf den Gebieten der Materialwissenschaften, Biologie und Medizin im International Microgravity Laboratory IML-1 oder Gerhard Thiele beim Erdvermessungsflug SRTM (Shuttle Radar Topography Mission) mit dem Orbiter Endeavour im Jahr 2000. Bei IML-2 (1994) und Neurolab (1998, Forschungen zum menschlichen Nervensystem) beteiligte sich die Bundesrepublik jeweils mit mehreren Experimenten.

Deutschland profitierte sowohl politisch als auch ökonomisch vom US-Shuttle-Engagement

Politisch ausgezahlt hat sich das deutsche Shuttle-Engagement durchaus. Die erfolgreiche Betreuung der zwei D-Missionen gab den Ausschlag, dass das GSOC in Oberpfaffenhofen für den Betrieb des europäischen ISS-Moduls Columbus ausgewählt wurde. Der gesammelte Erfahrungsschatz beim Raumfahrertraining wiederum bewog die ESA, ihr Astronautenausbildungszentrum in Köln anzusiedeln. Und seit Kurzem befindet sich der Sitz des ESA-Direktorats für bemannte Raumfahrt in Darmstadt. Sein Direktor ist kein Geringerer als Thomas Reiter, der 2006 als erster Europäer ein halbes Jahr auf der ISS arbeitete. Hin- und Rückflug absolvierte er mit der Raumfähre Discovery.

Auch die Industrie profitierte. So war das Bremer Unternehmen EADS Astrium maßgeblich am Bau von Columbus beteiligt, was Hans Schlegel die Ehre verschaffte, das Labormodul im Februar 2008 mit dem Orbiter Atlantis zur Station zu begleiten. EADS-Vorläufer ERNO hatte bereits das Spacelab gefertigt.

Von Michael Graefe

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