Raumfahrt 05.02.2010, 19:44 Uhr

Arianespace verteidigt seine Marktposition  

Die europäische Trägerrakete Ariane hat sich seit ihrem Erststart vor gut 30 Jahren erfolgreich im Markt etabliert. Derzeit wird in Deutschland und Frankreich an der Nachfolge der aktuellen Ariane 5-Rakete gearbeitet. VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 2. 10, moc

„Andere reden, wir starten.“ Nach diesem Motto hat sich Arianespace, die Betreibergesellschaft der europäischen Ariane-Rakete, über Jahre als Anbieter kommerzieller Satellitenstarts im Markt etabliert. Gut 50 % aller kommerziellen Satelliten weltweit werden derzeit von einer Ariane-Rakete ins All transportiert. Durchschnittlich sollen in den kommenden Jahren sechs bis sieben Ariane 5-Raketen jährlich vom europäischen Raumfahrtzentrum in Französisch- Guyana aus starten.

Und seitdem sich die Amerikaner mit ihren Atlas- und Delta-Raketen aus dem kommerziellen Markt verabschiedet haben, ist als einziger großer Konkurrent die russische Proton-Rakete übrig geblieben. Vermarktet wird sie durch das amerikanisch-russische Konsortium International Launch Services (ILS).

Arianespace verbreitert derzeit seine Angebotspalette an Raketen. Leistungsträger ist nach wie vor die Ariane 5, die bis zu 9,4 t Nutzlast in den geostationären Orbit (36 000 km)und bis zu 20 t in den erdnahen Orbit (400 km) – etwa zur Internationalen Raumstation ISS – transportieren kann. Außerdem bietet Arianespace die russische Sojus-Rakete im Markt an.

Die Sojus, die mit über 1700 Starts zu den zuverlässigsten Trägerraketen überhaupt gehört, wurde für die europäischen Bedürfnisse mit einer neuen Oberstufe ausgestattet und soll von diesem Jahr an vier Starts pro Jahr von Französisch-Guyana aus absolvieren. Sie kann bis zu 3 t Nutzlast in einen geostationären und bis zu 5 t Nutzlast in einen erdnahen Orbit transportieren.

Vor gut einer Woche gab die Europäische Kommission bekannt, dass Arianespace ab 2012 die ersten zehn Satelliten des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo in die Erdumlaufbahn bringen wird.

Ins All geflogen werden diese Satelliten mit der Sojus. Sie kann je zwei Galileo-Satelliten gleichzeitig transportieren, bei der Ariane wären es bis zu vier. Aufgrund der Flugbahnen der Galileo-Satelliten, so Jean-Yves Le Gall, CEO von Arianespace Anfang dieser Woche in Berlin, ist ein Start mit der Sojus aber sinnvoller als mit der Ariane. Bekannt ist jedoch auch, dass die Versicherung der Satelliten bei einem Vierer-Start auf einer Ariane ungleich schwieriger ist als bei einem Doppelstart auf einer Sojus.

Da die EU-Kommission bei dem Bremer Raumfahrtunternehmen OHB insgesamt 14 Galileo-Satelliten in Auftrag gegeben hat, wird in den kommenden Monaten entschieden, ob für die restlichen vier Satelliten nicht doch noch eine Ariane genutzt werden kann.

Hintergrund auch hier: Arbeitsplätze in Deutschland und Europa. Denn während die Sojus-Träger in Russland eingekauft werden, sind in Europa gut 10 000 Techniker und Ingenieure an Bau und Betrieb der Ariane beschäftigt, schätzungsweise ein Viertel davon in Deutschland – vor allem bei den Astrium-Töchtern in Bremen und Ottobrunn sowie der OHB-Tochter MT Aerospace.

Arianespace vergrößert seine Angebotspalette an Trägerraketen

Als dritte Rakete neben Ariane und Sojus wird Arianespace ab 2011 die kleine Trägerrakete Vega vermarkten. Diese soll vor allem wissenschaftliche Satelliten von 1,5 t Gewicht in den Weltraum transportieren.

Derzeit wird aber auch an einer Weiterentwicklung der aktuellen Ariane 5 gearbeitet. Bis 2017 soll ihre Nutzlast von derzeit 9,4 t auf bis zu 12 t gesteigert werden – sie könnte also zwei große Satelliten von je 6 t Gewicht in den Weltraum bringen. Dazu kommt ein wiederzündbares Oberstufentriebwerk, welches das Aussetzen von mehreren Satelliten auf unterschiedlichen Umlaufbahnen ermöglicht.

Doch auch für die Zeit nach 2025 gibt es erste Pläne. Auf französische Initiative hin beschäftigen sich das französische Raumfahrtforschungszentrum CNES und das deutsche DLR mit einer neuen Generation von Ariane-Raketen. Das war auch Thema bei dem Treffen von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Mitte dieser Woche.

Erste Planungen sehen eine kostengünstige Rakete mit einer Nutzlast von um die 6 t vor. Im Gegensatz zur aktuellen Ariane 5 soll die Ariane 6 nur einen einzigen großen Satelliten ins All bringen können. Einsatzfähig könnte diese Rakete dann um 2025 sein.

Von einem Konzept haben sich die Europäer dabei wohl endgültig verabschiedet: Eine selbst nur teilweise wiederverwendbare Rakete wird auch die Ariane 6 nicht sein. „Zu teuer“, so Le Gall.

Die nächsten zehn Jahre aber, so schätzt Le Gall, „wird die Ariane 5 sicher noch fliegen“. moc

Von Wolfgang Mock
Von Wolfgang Mock

Stellenangebote im Bereich Luft- und Raumfahrt

MTU Maintenance Hannover GmbH-Firmenlogo
MTU Maintenance Hannover GmbH Triebwerksingenieur / Powerplant Engineer (m/w/d) Langenhagen
Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR)-Firmenlogo
Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) Professur (W3) für Quantentechnologien an der Fakultät für Naturwissenschaften Ulm
TECCON Consulting&Engineering GmbH-Firmenlogo
TECCON Consulting&Engineering GmbH Systems Engineer Avionics/Missions Systems (m/w/d) Donauwörth
HAW Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg-Firmenlogo
HAW Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Professur (W2) für das Lehrgebiet "Digitaler Entwurf Intelligenter Kabinensysteme" Hamburg
HAW Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg-Firmenlogo
HAW Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Professur (W2) für das Lehrgebiet "Zustandsüberwachung und maschinelles Lernen in mobilen Systemen" Hamburg

Alle Luft- und Raumfahrt Jobs

Top 5 Raumfahrt

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.