Europäische Raumfahrt 27.01.2012, 12:01 Uhr

Ariane 5: Marktführer mit Problemen

Die europäische Trägerrakete Ariane 5 behauptet sich seit Jahren erfolgreich im Markt – dennoch bleibt sie auf Unterstützung durch die öffentliche Hand angewiesen. Will Europa aber seinen unabhängigen Zugang zum Weltraum behalten, dürfte sich auch in den kommenden Jahren daran kaum etwas ändern.

Geht alles nach Plan, dann fliegt Anfang Februar die kleine Vega-Rakete erstmals vom europäischen Weltraumzentrum Kourou aus in den Orbit, zwei kleinere Satelliten und weitere neun Mikrosatelliten an Bord.

Mit Ariane 5, der russischen Soyus-Rakete, die 2011 zum ersten Mal von Kourou aus abhob, und der Vega-Rakete verfügt Europa damit über drei Möglichkeiten, in den Weltraum zu fliegen, jede für unterschiedlich schwere Nutzlasten ausgelegt (siehe Kasten).

Damit, so Jean-Yves Le Gall, CEO von Arianespace, der Betreibergesellschaft der drei Raketen diese Woche in Berlin, könne sein Unternehmen sowohl für kommerzielle Raketenstarts wie für staatliche Kunden die „besten Start- und Servicedienstleistungen der Welt anbieten“.

Fünf Ariane 5 starteten von Kourou aus in den Weltraum

Im Jahr 2011 flogen von Kourou aus fünf Ariane 5 in den Weltraum, und transportierten dabei acht Satelliten und ein ATV, das europäische Versorgungsmodul für die Internationale Raumstation ISS, ins All.

Damit hat Arianespace 2011 die Hälfte aller großen kommerziellen Satelliten in den Orbit transportiert. Mit 46 erfolgreichen Starts in neun Jahren ist Ariane 5 ein „unangefochtener Weltmeister“, wenn es um den Transport schwerer Satelliten ins All geht, so Le Gall.

Doch dieser Erfolg lässt sich bisher nicht in einen kommerziellen Erfolg umwandeln. Arianespace hat im Jahr 2012 gut 1 Mrd. € Umsatz gemacht und einen leichten Gewinn erzielen können. Doch der war nur möglich, weil seit Jahren schon entweder die Anteilseigner an Arianespace, allen voran Frankreich und Deutschland, oder die Mitgliedsländer der europäischen Weltraumorganisation ESA Geld zuschießen, in der Größenordnung von 120 Mio. € pro Jahr.

Dabei haben sowohl Arianespace als auch der industrielle Hauptauftragnehmer Astrium und ihre Zulieferer immer wieder drastische Einsparprogramme gefahren. Arianespace hat etwa die Kosten des Betriebs der Startanlagen in Kourou erst kürzlich noch um gut 20 % senken können.

Ariane 5-Betreiber Arianespace nur durch Zuschüsse der Anteilseigner in der Gewinnzone

Doch das bringt wenig. Auch im vergangenen und in diesem Jahr sind wieder 120 € pro Jahr eingeplant. „Dieses Geld, so Le Gall, ist der Preis, um mit den anderen Wettbewerbern im Markt mithalten zu können.“ Denn Länder wie Indien, China, aber auch Russland, drücken ihre Trägerraketen mit viel öffentlichen Mitteln in den Markt.

Selbst die privaten Initiativen in den USA wie Space X werden von der US-Regierung mit Hunderten Millionen Dollar angefüttert.

Und nicht zuletzt steht auch Europas unabhängiger – und nach Le Galls Überzeugung relativ preisgünstiger – Zugang zum Weltall auf dem Spiel. Er macht dazu eine einfache Rechnung auf: Hätten die Europäer die 120 Mio.  € jährlich nicht bereitgestellt, wäre das das Ende der Ariane gewesen. Um ein ATV zur ISS zu bringen, hätte es dann nur das US-Shuttle gegeben. Um ein ATV ins All zu schießen, hätten die Europäer dann also nicht 150 Mio. € für einen Ariane-Start hinlegen müssen, sondern gut 1 Mrd. Dollar für den Transport mit einem Shuttle.

Doch die leidige Frage der Finanzierung wird sicher auch langfristig die Gemüter erhitzen – zumal in der aktuellen Finanzkrise. Doch auch Kenner der finanziellen Spielräume in der Welt der Trägerraketen sprechen davon, dass das System, was Kostensenkungen bei der Ariane 5 angeht, „ausgereizt“ sei.

Günstigere Zulieferer für Teile der Ariane 5-Trägerrakete sind unwahrscheinlich

Neue preiswertere industrielle Zulieferer zu finden, die bereit sind, diese komplexen Systeme zu entwickeln und zu bauen, sind selten. Bei höchstens sechs bis sieben Ariane-Starts im Jahr fehlen die großen Stückzahlen, die neue Investitionen in solche Systeme attraktiv machen würden. Schon heute, wissen Branchenkenner, wird es schwer, Zulieferer überhaupt bei der Stange zu halten.

Auch die europäische Astrium, Hauptauftragnehmer für den Bau der Ariane, sieht kaum noch finanzielle Spielräume für weitere Einsparungen bei den Kosten. Schon im Frühjahr vergangenen Jahres sagte Evert Dudok, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Astrium GmbH, dass sein Unternehmen mit dem Bau der Ariane bisher keinen Gewinn gemacht habe.

So werden sich die ESA-Mitgliedsländer, wollen sie denn auch in Zukunft einen autonomen Zugang zum Weltraum sicherstellen, die Ariane weiter stützen müssen.

Doch Geld ist knapp in diesen Zeiten, zumal die ESA-Mitglieder sich auch noch nicht einig sind, wie der Nachfolger der aktuellen Ariane 5 aussehen soll. Zwei Varianten werden derzeit diskutiert: eine leistungsfähigere Ariane 5 mit 12 t Nutzlast, ab 2015 im Einsatz. Hinter diesem Vorschlag steckt vor allem die deutsche Industrie. Variante zwei, favorisiert von großen Teilen der französischen Industrie, sieht eine grundsätzlich neu entwickelte Rakete vor, die ab 2025 auf dem Markt sein könnte – und dann, so die Hoffnung, auch das Zeug zu einem wirtschaftlichen Erfolg hätte.

Von Wolfgang Mock

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