Digitalfernsehen 13.05.2011, 19:53 Uhr

Analoges TV: Satellit schaltet ab, Kabel bleibt

In weniger als einem Jahr ist es so weit: Die analoge TV-Satellitenausstrahlung wird am 30. April 2012 abgeschaltet. Industrie, Sender und Verbände starten zum Endspurt, um ihre Kunden zu informieren.

„Alle Jahre wieder“ – unter diesem Motto startete Moderator Werner Lauff auf der Kongressmesse Anga Cable die alljährliche Diskussion um den sogenannten „analogen Switch-off“, die Abschaltung der analogen Satellitenausstrahlung von TV-Programmen in Deutschland. Es habe sich, so der Moderator, eigentlich nicht viel geändert: Die Kabelnetzbetreiber bleiben bei ihrer Position, keinen harten Digitalisierungsschnitt zu machen, und verweigern sich neuen Bezahlmodellen. Doch das Umfeld verändere sich durch die Abschaltung der analogen Satellitenausstrahlung in knapp einem Jahr und durch neue „Türöffner“ für mobiles Fernsehen à la iPad.

Zunächst die Fakten: In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai 2012 wird im gesamten Bundesgebiet die analoge TV-Ausstrahlung via Satellit beendet. Das hat zunächst direkte Konsequenzen für alle TV-Zuschauer, die ihr Signal analog via Satellit empfangen: Wenn sie bis zu diesem Stichtag nicht auf digitalen Empfang aufgerüstet (oder sich einem Kabel-TV-Anbieter angeschlossen) haben, wird bei ihnen am 1. Mai der Bildschirm schwarz bleiben.

Wer sich als Satellitenkunde nicht sicher ist, kann bei vielen Sendern (u. a. ARD und ZDF) die Videotext-
seite 198 aufrufen: Dort erfährt man unmittelbar, ob man analog oder digital empfängt.

Ganz anders ist die Situation für Kabelkunden: Bei den großen Anbietern KDG, Unitymedia und Kabel BW wird sich nichts ändern: Sie wollen ihren Kunden neben dem digitalen Angebot auch weiter Analog-TV als komfortable „Plug-and-Play-Lösung“ anbieten und werden daher die digital empfangenen Signale re-analogisieren. Das gilt auch für viele mittlere und kleine Kabelanbieter, vorausgesetzt sie schaffen bis zum 30. 4. 2012 die Umrüstung ihrer Satellitenempfangsstellen.

Für den Direktor der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg, Hans Hege, hat mit dem bevorstehenden Abschalttermin das Thema Digitalisierung ohnehin an Bedeutung verloren, jetzt gehe es um das Thema Breitbandversorgung. Auch das vorläufige Beharren der Kabelnetzbetreiber auf Analog-TV sieht Hege gelassen: „Das Kabel ist vollständig digital“, die Abschaltung der zeitgleichen analogen TV-Ausstrahlung sei kein Selbstzweck. „Das wäre, als ob die Uhrenindustrie morgen allen Kunden sagt: Werft die analogen Uhren weg und kauft Digitaluhren.“ Die Digitalisierung an sich, da ist Hege sicher, wird auch durch analoges Kabel-TV nicht aufgehalten.

Hinzu komme, dass für die harte Analog-Abschaltung auf dem Satelliten gute Kostengründe stehen: Dreifachausstrahlung (analoges, digitales und hochauflösendes TV) ist einfach teurer als ein zweifacher SD/HD-Multicast. Und die frei werdenden Analogfrequenzen können sofort für neue Programme genutzt werden (digitale Dividende). Auch dieses Argument falle im Kabel weg. Als Regulierer sieht er jedenfalls keinen Grund, beim Kabel einzugreifen. Die analoge Kundenbasis werde über kurz oder lang abschmelzen, wenn ein Betreiber analog aussteigen will, könne er das tun und dann auch recht schnell.

Wichtiger sei es, so Hege, auch neue Modelle der Refinanzierung auszuprobieren: „Zwischen reinem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Pay-TV ist Platz für weitere Geschäftsmodelle.“ Das Beispiel HD+, die hochauflösende Satellitenplattform der Privatsender, zeige dies.

Auf die Frage, was mit den derzeit noch 3 Mio. bis 5 Mio. analogen Satellitenzuschauern geschehen soll, reagierte Hege gelassen. Die Initiativen bei Sendern, bei der Industrie und im Handel würden sicher noch an Tempo gewinnen. Beim terrestrischen Digitalumstieg vor einigen Jahren habe das auch geklappt. „Wir haben alles getan. Wer als TV-Satellitenkunde jetzt nicht reagiert, ist selber Schuld.“ Den professionellen Betreibern kleiner Satellitenanlagen rät Hege, jetzt schnell aktiv zu werden: „Abwarten ist keine Alternative.“ jdb

Ein Beitrag von:

  • Jens D. Billerbeck

    Jens D. Billerbeck

    Leiter Content Management im VDI Verlag. Studierte Elektrotechnik in Duisburg und arbeitet seit seiner Schulzeit jounalistisch. Nach Volontariat und Studienabschluss Redakteur der VDI nachrichten u. a. für Mikroelektronik, Hard- und Software, digitale Medien und mehr.

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