Luftfahrt 21.07.2006, 19:22 Uhr

Airbus geht in die Offensive  

VDI nachrichten, Farnborough, 21. 7. 06, has – Airbus hat den ursprünglichen Entwurf für die A350 zu Grabe getragen und ersetzt ihn durch ein technisch aufwändigeres Konzept. Mit Investitionen von 8 Mrd. € will der Konzern drei Varianten der A350 bauen, die in direkte Konkurrenz zu den Boeing-Modellen 777 und 787 treten sollen.

Christian Streiff sind die ersten Tage in seinem neuen Job vorgekommen „wie ein Senkrechtstart mit vollem Schub“. Zwei Wochen hatte der neue Airbus-Chef Zeit, sich auf den seit Jahren wohl wichtigsten Termin für seinen neuen Arbeitgeber vorzubereiten – und dies, obwohl er bislang Flugzeuge nur als Passagier und Privatpilot kannte. Streiff musste entscheiden, ob er Investitionen in Höhe von 8 Mrd. € gutheißen kann, und dies bei der Luftfahrtmesse von Farnborough in dieser Woche verkünden.

Er konnte, und mit der Entscheidung hofft Airbus, den Anschluss an die Entwicklung von Markt und Technologie wiederherzustellen. Der europäische Flugzeugbauer hat offiziell entschieden, den ursprünglichen Entwurf für den neuen Langstreckenjet A350 endgültig zu entsorgen und durch ein wesentlich aufwändigeres Projekt zu ersetzen.

Die 8 Mrd. € will Airbus verwenden, um drei Varianten der A350 zu bauen. Das Flugzeug wird je nach Version 270, 314 oder 350 Sitze haben und damit in direkte Konkurrenz zu den Boeing-Modellen 777 und 787 treten. Weil es sich dabei um ein komplett neu entwickeltes Flugzeug handelt, ist der ursprüngliche Zeitplan nicht mehr zu halten: 2012 soll die erste Version auf dem Markt sein, 2013 die zweite und 2014 die dritte – zwei Jahre später als vorgesehen.

Die wichtigsten Airbus-Kunden hatten kritisiert, dass der erste Entwurf nicht weit genug gegangen war. Sie hatten nur 100 feste Aufträge abgegeben, Boeing hat 350 für die 787 eingesammelt und konnte auch das Image vom Technologieführer Airbus kippen. Die neue A350 wird einen breiteren Rumpf als die Airbus-Langstreckenmodelle A330 und A340 aufweisen und auch breiter sein als die 787. Ein größerer Flügel und stärkere Triebwerke sorgen dafür, dass das Flugzeug mit Mach 0,85 ausgesprochen flott unterwegs ist – nur der Airbus A380 und die Boeing können mithalten.

Die neue A350 soll die branchenweit größten Fenster bekommen und der Kabinendruck soll deutlich höher sein als bisher üblich – damit soll Fliegen weniger stressig werden. Der offizielle Programmstart inklusive Aufsichtsratsbeschluss soll Anfang Oktober stattfinden. Doch Streiff ist sich sicher: „Ich habe schon jetzt die Unterstützung der Anteilseigner.“

Die A350 ist eines von zwei großen Problemen, mit denen sich der neue Airbus-Chef herumplagen muss. Das andere, die Verspätungen bei der A380, haben seinen Vorgänger Gustav Humbert den Job gekostet. „Unsere wichtigste Priorität ist es nun, Vertrauen wiederherzustellen bei unseren Kunden, Anteilseignern und unser Selbstvertrauen“, sagte Streiff.

Er hat als eine seiner ersten Amtshandlungen eine interne Untersuchung angeordnet, die die Produktionsplanung verifizieren soll. Die Probleme bei der Installation der Kabelbäume haben bislang verhindert, dass das Airbus-Management genaue Angaben über die für 2007 geplanten Auslieferungen machen kann. Das erste Flugzeug soll Ende diesen Jahres zwar an Singapore Airlines ausgeliefert werden, doch die folgenden sind bis zu sechs Monate verspätet. Airbus kostet der Faux-Pas bis 2010 rund 2 Mrd. € beim operativen Gewinn.

Boeing Commercial-Chef Alan Mulally gab sich trotz der neuen A350 gelassen. Die Strategie seines Unternehmens, auf kleinere Langstreckenflugzeuge für Direktverbindungen zu setzen, ist seiner Ansicht nach aufgegangen. Zusätzlich zu den von 26 Fluglinien fest bestellten 350 Boeing 787 verhandele der Flugzeugbauer derzeit mit weiteren 30 Fluggesellschaften über Aufträge für rund 1000 Flugzeuge.

Einen Prestigeerfolg konnte Boeing außerdem auf der Messe verzeichnen. Die Fluggesellschaft Emirates bestellte zehn Frachter des Typs Boeing 747-8, die zwischen 2010 und 2014 ausgeliefert werden sollen. Wenige Wochen zuvor hatte die Fluggesellschaft zwei Bestellungen für den Airbus A380-Frachter fallen gelassen, weil sie mit den Spezifikationen nicht zufrieden war. Airbus kann sich zwar damit trösten, dass die Fluglinie mit 45 Aufträgen immer noch der mit Abstand größte Kunde für das neue Flugzeug ist, dennoch ist der Verzicht auf die Frachter ein Rückschlag.

Boeing hingegen kann darauf hoffen, dass der Markt für die neue, größere 747 weiter anzieht. Emirates ist nach eigenem Bekunden auch an der Passagiervariante interessiert, vorausgesetzt, die Maschine schafft es nonstop von Dubai an die amerikanische Westküste. JENS FLOTTAU

Von Jens Flottau
Von Jens Flottau

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