Gute Produkte reichen nicht mehr aus 12.11.1999, 17:23 Uhr

Zulieferer werden Komplett-Dienstleister

Wer als Zulieferer Erfolg haben will, muss „alles aus einer Hand“ bieten – von der Konstruktion über den Prototypen-Bau bis zum Werkzeug für die Serie. Dieser Trend wird sich auch auf der Euromold in Frankfurt/M. zeigen.

Komplettdienstleistung – für Jürgen Sauer eine äußerst erfolgsträchtige Strategie: „Wir sind schon lange keine reinen Formenbauer mehr. Unsere Kunden erwarten von uns eine lückenlose Betreuung über die gesamte Prozesskette der Entwicklung – von der Konzeptphase über die Machbarkeitsanalyse bis zur Bemusterung der serienreifen Form“, erläutert Jürgen Sauer, Geschäftsführer der Firma Sauer Product Engineering People im hessischen Dieburg. Produktentwicklung für die Großserie setze heute voraus, dass bei der Bauteilgestaltung die Erfordernisse des Produktionsprozesses so umfassend wie möglich berücksichtigt würden. „Schließlich ist niemandem mit einem künstlerisch wertvollen Design gedient, dessen fertigungstechnische Umsetzung hinterher das Doppelte kostet,“ betont der Firmenchef. Konstruktionsberatung und Machbarkeitsanalysen gleich zu Beginn würden zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Serviceangebots.

Produktentwicklung braucht übergreifende Teamarbeit

Dazu aber braucht man nicht nur erfahrene Fachleute, sondern auch die geeignete Ausrüstung: „Denn Entwicklungen finden heute nicht mehr im engen Bereich einzelner Betriebe oder Abteilungen statt, sondern eher in der Art eines Ping-Pong-Spiels zwischen Teams aus verschiedenen Firmen,“ so der Geschäftsführer weiter. Bei den großen Kunden werde fast nur noch am Computer konstruiert, weshalb Durchgängigkeit beim Datenaustausch dringend erforderlich sei. Hierfür setzt man bei sauer product auf die 3D-CAD-Software Unigraphics. Gleichzeitig legt man Wert auf eine möglichst große Zahl an Schnittstellen und Konvertierungsprotokollen für den Austausch mit anderen CAD-Programmen.
„Wenn die ersten Konstruktionsentwürfe stehen, folgt als nächstes ein Stadium, das am besten mit dem Begriff virtuelles Engineering bezeichnet werden könnte“, weiß Jürgen Sauer. Dies beinhaltet auf der einen Seite die Untersuchung der Einsatztauglichkeit mit Hilfe von Festigkeitsberechnungen auf Basis von Finite-Elemente-Programmen. Auf der anderen Seite steht die Überprüfung der prozesstechnischen Machbarkeit. Hierfür werden unter anderm Programme eingesetzt, die das Verhalten der heißen, schmelzflüssigen Kunststoffmasse in der Form unter Produktionsbedingungen simulieren und somit helfen, mögliche Schwachstellen des Konzepts zu entdecken. „All dies“, ergänzt Sauer, „steht für CAE, also für jene Bausteine, die ein ganzheitliches Denken in Richtung Prozessdatenmanagement ermöglichen.“
Trotz aller Fortschritte der Computertechnik, trotz Simulation und Digital Mock-Up aber „bleiben Bauteiltests und Feldversuche mit Prototypen auch weiterhin unverzichtbar“, ergänzt der Dieburger Fertigungsexperte. Deshalb gehört für ihn die schnelle Versorgung der Kunden mit Prototypen untrennbar zum Gesamtpaket der Betreuung. Seine ersten Rapid-Prototyping-Anlagen beschaffte er schon Anfang der 90er Jahre. Mittlerweile verfügt er über eine große Bandbreite an Einrichtungen. Zum Einsatz kommen Lasersintern (SLS), Stereolithographie (SLA), Laminated Object Manufacturing (LOM) und Fused Deposition Modeling (FDM). Die so entstandenen Prototypen werden entweder direkt eingesetzt oder dienen als Zwischenstufe für einen weiteren Prozess wie z.B. Vakuumgießen bzw. Reaktionsspritzgießen (RIM-Technik, Reaction Injection Moulding).
„Besonders interessant ist auch die Fertigung von flüssigkeits- und druckdichten Elastomerprototypen mit Hilfe des Lasersinter-Verfahrens, zum Beispiel für Brems- und Kühlwasserleitungen im Motorbereich“, erläutert Jürgen Sauer. Es handle sich hierbei um eine Neuentwicklung des SLS-Herstellers DTM, mit der man soeben eine Serie von Beta-Tests erfolgreich durchgeführt habe. Mittlerweile seien auch erste Praxistests an realen Bauteilen mit zufriedenstellenden Ergebnissen abgeschlossen worden. Für die schnelle Herstellung von Prototyp-Werkzeugen, das sogenannte Rapid Tooling, setzt man je nach Aufgabenstellung den Keltool-Prozess von 3D-Systems, den Rapid Steel-Prozess von DTM oder alternativ die Zerspanung aus dem Vollen mit Hilfe der HSC-Technik von Fidia ein.
„Mit rund 50 Mitarbeitern ist unser Formenbau derzeit noch die größte Abteilung“, sagt Jürgen Sauer. Die Kernkompetenz dieser Abteilung liege bei der Fräsbearbeitung von 2 Achsen über 3 Achsen bis hin zu 5 Achsen. Dabei könnten Werkzeugprojekte bis zu einem Gewicht von 15 t ganzheitlich im Haus realisiert werden.
Die Anlagen sind durchgängig NC-gesteuert, die Programme werden von einem zentralen Werkstatt-Server abgerufen. Die NC-Programmierung erfolgt – ganz im Sinne der Prozessketten-Philosophie des Hauses – weitestgehend durch direkte Generierung aus den CAD-Modellen der Konstruktionsabteilungen. „Unsere Formen fertigen wir je nach Anforderung aus Stahl, zunehmend jedoch auch aus Aluminium. Auf diesem Gebiet haben wir in den letzten Jahren besonders viel Know-how erworben“, erläutert Jürgen Sauer. Hierbei kombiniere man das Aluminium auch ohne Probleme mit den üblichen Normalien aus Stahl.
„Gerade die Anlaufphase der Produktion ist mit vielen Unwägbarkeiten behaftet. Dadurch steigt das Risiko, dass dringend benötigte Produktionseinrichtungen für unbestimmte Zeit blockiert werden“, weiß der Firmenchef. Um seinen Kunden ein wirklich vollständiges Gesamtpaket an Dienstleistungen anbieten zu können, habe man deshalb vor einiger Zeit eine kleine Abmusterungs-Spritzgießerei aufgebaut, in der Formen produktionsreif gemacht werden. Als eigenständiges Dienstleistungsunternehmen betreibt das junge Fünf-Mann-Team der Sauer Plast GmbH in Karben drei Spritzgießmaschinen. Angeboten werden vor allem Abmusterungsdienstleistungen, daneben auch die Übernahme von Überhangkapazitäten bei Engpass-Situationen in der Fertigung. „Bei unserer anspruchsvollen Kundschaft versteht sich natürlich ganz von selbst“, so Sauer, „dass Qualität oberste Priorität hat.“
Um dies in der Firmenstruktur zu verankern, haben beide Firmen ein Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001 eingeführt. Zudem gehört Verantwortung für den Umweltschutz zu den erklärten Unternehmenszielen derzeit laufen die Vorbereitungen für eine Öko-Audit-Zertifizierung nach DIN 14 000, die man Mitte nächsten Jahres abschließen will.
K. VOLLRATH
Der Prototyp eines Ansaugkrümmers erhält den „letzten Schliff“: Rapid Prototyping ist ein wichtiges Fertigungs-Glied in der Arbeitskette von Komplett-Dienstleistern für alle Branchen der Industrie.

Von K. Vollrath
Von K. Vollrath

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