Nanotechnologie 03.06.2005, 18:38 Uhr

Zentrum der Nanoelektronik  

Dresden als Wachstumskern der Nanoelektronik ist für das Bundesforschungsministerium ein Paradebeispiel für effektive Förderung. Laut dem „Innovationsmonitor 2005“ des VDE mischt Deutschland deshalb auf diesem Gebiet ganz vorne mit. Anfang dieser Woche wurde in Dresden die neue Fraunhofer-Einrichtung „Center Nanoelectronic Technologies (CNT)“ offiziell eröffnet.

Seit 1996 wurden in den Standort Dresden rund 2 Mrd. € investiert etwa 6 Mrd. € werden bis 2010 zurückgeflossen sein“, zeigt sich Ulrich Kasparick, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf einem Expertengespräch am 24. Mai in Berlin überzeugt: „Ein Kerngebiet ist dabei die Nanoelektronik. Sie treibt Wachstum und Wohlstand.“

Laut dem jüngsten VDE-Innovationsmonitor des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE) hat Deutschland seine Position als Mikro- und Nanoelektronik-Standort Nummer 1 in Europa weiter ausgebaut. „Bei Innovationen der Mikro- und Nanotechnik liefert sich Deutschland ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den USA“, meint Walter Börmann, Sprecher des VDE. Japan wird von den zu diesem Thema befragten 1250 VDE-Mitgliedsunternehmen nur die Hälfte der Innovationskraft Deutschlands und der USA zugesprochen – mit wachsender Dynamik.

Um die Entwicklung weiter voranzutreiben, hat Anfang dieser Woche in Dresden die neue Fraunhofer-Einrichtung „Center Nanoelectronic Technologies (CNT)“ offiziell ihre Pforten geöffnet (die VDI nachrichten berichteten). Diese „Einrichtung“ ist ein Sondermodell in der Fraunhofer-Landschaft und dürfte die Phantasie nicht nur der öffentlich-rechtlichen Geldgeber beflügeln. Denn erstmalig kommt sie ohne Grundfinanzierung daher: Ganz im Sinne der Public-Private-Partnership wird das laufende Geschäft allein durch Projekte mit den Industriepartnern Infineon und Advanced Micro Devices (AMD) sichergestellt. Mit dem Begriff „Einrichtung“ wird signalisiert, dass es sich eben nicht um ein klassisches Fraunhofer-Institut handelt. „Und das wird als Ziel auch gar nicht angestrebt“, versichert Frank Schmidt, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.

Peter Kücher, designierter Leiter des neuen CNT, macht denn auch keinen Hehl daraus, dass die neue „Plattform“ für die Weiterentwicklung der Nanoelektronik wohl auch Auswirkungen auf die Finanzierungsdiskussion bei Fraunhofer haben dürfte: Macht es doch deutlich, dass ein Fraunhofer-Modell ohne staatliche, kontinuierliche Alimentierung funktionieren kann. Das schließt freilich nicht aus, dass der Staat sich an den Startkosten beteiligt. So gab der Bund rund 133,5 Mio. € dafür aus, Sachsen brachte 24,75 Mio. € ein. Angesichts der Tatsache, dass ins CNT insgesamt rund 700 Mio. € investiert wurden, ein bescheidener Beitrag.

Das CNT soll mit dazu beitragen, den Mikro- und Nanostandort Dresden weiter zu stärken. Laut Bücher sollen dort bald rund 100 Entwickler tätig sein. Wie stark die Dynamik ist, zeigt das Beispiel AMD in Dresden: „Mit der Ansiedlung der Chipfertigung hatten wir uns verpflichtet 1400 neue Arbeitsplätze zu schaffen“, erinnert sich Hans Deppe, General Manager bei AMD Saxony. „Nach fünf Jahren waren wir bei 2000.“ Ein Drittel der eingestellten Leute wurde aus der Arbeitslosigkeit geholt 80 % kamen aus Sachsen. Inzwischen entsteht eine zweite Fabrik weitere 1000 Arbeitsplätze sind geplant. Doch die Rolle der Mikro- und Nanoelektronik ist im Bewusstsein der Bevölkerung noch nicht angekommen: Nur 6 % der Bürger sprechen ihr „höchste Innovationskraft“ zu. Spitzenreiter ist hier Japan – ein Urteil, das im krassen Widerspruch zur Realität steht. ULRICH SCHMITZ

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