Produktion 03.03.2006, 18:43 Uhr

Zeitstudie bringt Power für die Arbeitsplanung  

VDI nachrichten, Neuruppin, 3. 3. 06, ciu – Alle schauen auf Innovationen, wenn es um Wachstum in Deutschland geht. Wie ein mittelständisches Unternehmen aus Brandenburg mit einem relativ simplen Produkt trotzdem kontinuierlich wachsen konnte, zeigt das Beispiel Huch Behälterbau.

Eigentlich widerspricht die Firma gängigen Erfolgsklischees: Sie stellt Nischenprodukte in Einzelfertigung und Kleinserien in Werder bei Neuruppin her, fertigt nicht in einem der Industrie- und Wachstumskerne, aber verzeichnet Wachstumszahlen von jährlich 15 % und steigerte die Produktivität in den letzten beiden Jahren um 5 %. Inzwischen arbeiten 82 Werker in der Behälterfertigung. Das sind allein zwar keine großen Zahlen, doch behauptet sich die Huch Behälterbau schon über 75 Jahre am Markt.

1990 waren die Kunden rar und das Produktsortiment unpopulär. Aber 1998 war es geschafft und die Absatzzahlen stiegen überdurchschnittlich durch einen verbesserten Vertrieb und den Boom in der Solarenergie. Die Huch Behälterbau spezialisierte sich auf Pufferspeicher für die Wachstumsbranche Solarthermie, die für Heizungsanlagen in Privathaushalten benötigt werden, und beliefert seitdem die Finalhersteller. Weiterhin können Druckwasserkessel bis zu einem Nenndurchmesser von über 1 m und 2 m Höhe sowie einem Gesamtvolumen von 3000 l hergestellt werden.

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Das Umsatzwachstum erforderte 1997 einen Standortwechsel. In den neuen Produktionsstandort wurden 2,1 Mio. € investiert, 2001 folgte eine zweite Halle für 1,2 Mio. €. 2004 erwirtschaftete das Unternehmen 11 Mio. € Umsatz bei einer produzierten Behälterstückzahl von etwa 33 000 Stück. Für 2006 sind 40 000 Behälter geplant.

Die strategische Ausrichtung des Unternehmens auf die Einzel- und Kleinserienfertigung, aber Verkauf „in Serie“ geht auf. „Jeder Kunde bekommt auf Wunsch den individuellen Sonderbehälter“, erläutert Ulrich Hartig, Prokurist der Huch Behälterbau. Er steht dem Produktionsbetrieb vor, während Thomas Huch, der Geschäftsführer und Inhaber, für den Vertrieb zuständig ist.

Ulrich Hartig: „Ab einer bestimmten Losgröße reichte die Berufserfahrung meiner Mitarbeiter nicht mehr aus, um die Termin- und Kostenkette sicher zu kalkulieren. Der Vertrieb prüfte Konstruktion und erstellte das Angebot. Aber wenn wir die Liefertermine nicht halten konnten, wurden die Kunden unzufrieden.“ Deshalb wurde es nötig, die Arbeitspläne neu zu strukturieren, um Arbeitsplätze und Arbeitsgänge transparent zu gestalten. Ein automatisches Arbeitsplansystem zur Preis- und Lohnkalkulation sowie zur Prozessorganisation musste her, um die bis dato 800 Varianten zu beherrschen.

„Wir haben uns an Prof. Alfred Hentschel von der Technische Hochschule Wildau gewandt“, erinnert sich Ulrich Hartig, „der uns einen fähigen Maschinenbaustudenten schickte.“

Der Student, Oliver Janz, nahm während des Praktikums die Umgestaltung der Arbeitsvorbereitung in Angriff. Aus dem Praktikumseinsatz ergab sich ein Diplomthema, bei dem er ein System zur automatischen Generierung von Arbeitsplänen nach dem Verfahren Methods-Time-Measurement (MTM) einführte. Oliver Janz: „Mit den Analysen konnte ich den Fertigungsprozess strukturieren und zielgerichtet die Arbeitsabläufe optimieren.“ Dazu wurde von ihm zunächst der Ist-Zustand analysiert, der Soll-Zustand definiert und das entsprechende MTM-Datensystem für die Klein- und Serienfertigung bestimmt.

Doch so einfach wie es klingt, war es nicht: Mitarbeiter mussten plötzlich ihre über Jahre eingeschliffenen Arbeitsabläufe überdenken, was Überzeugungskraft benötigte. Von Anfang an suchte Oliver Janz den Kontakt und den Rat der Älteren. „Jede Idee sprach ich mit den Schlossern durch und befolgte ihre Machbarkeitseinschätzung.“ 15 000 Einzelarbeitsschritte analysierte Oliver Janz und erfasste sie für Datenkarten. Damit sind für die Auftragskalkulation nun konkrete Werte dokumentiert. Mit diesen Vorgabezeiten für die Grundvorgänge und Bewegungszyklen der Fertigungsschritte können die Arbeitszeiten und -kosten für jeden Arbeitsplatz schon vor der Auftragsvergabe berechnet werden.

Bernd Britzke, MTM-Institutsleiter, erklärt dazu: „Die Bewertung von Wertschöpfungsleistungen in Euro bereitet vielerorts Probleme und wird aus Mangel an Alternativen überwiegend intuitiv durchgeführt. Schon in der Planungsphase können Prozesse der ganzen Wertschöpfungskette mit MTM-Bausteinen bewertet und Verbesserungspotenziale genau voraus gesagt werden.“ Das Grundprinzip ist, Kosten durch systematische Ablaufplanung im Vorfeld zu vermeiden. Das hat immer Vorrang, erst dann folgt die Kostensenkung durch Arbeitsgestaltung.

Mit MTM stellt Huch nun Arbeitspläne für die gesamte Teilefertigung bereit, ermittelt Losgrößen und plant den Personaleinsatz. Die Planungssicherheit ist im Fall Huch auch positiv für die Beschäftigung: Für das neue Jahr benötigt er nach den Analysen für die geplanten 40 000 Behälter noch drei Mitarbeiter mehr. Ulrich Hartig: „Wir bleiben auf Wachstumskurs und erfassen jetzt auch alle MTM-Daten der Behältermontage im Werk II, damit werden wir noch effizienter.“ J. JUNGHANNS

Eine Anwenderkonferenz zum Thema MTM findet am 12. Mai 2006 in Heilbronn statt. Weitere Infos per Internet:

In der Praxis wird häufig noch intuitiv geplant

 

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