Fertigung 25.11.2005, 18:41 Uhr

Werkzeuge aus China: Entscheidend sind die Lebenszykluskosten  

VDI nachrichten, Aachen, 25. 11. 05 – Chinesische Werkzeug- und Formenbauer locken mit Niedrigpreisen. Doch wie gut sind die Produkte? Antworten gibt es am Vortag der Frankfurter Messe „Euromold“ auf dem Kolloquium „Werkzeugbau mit Zukunft“ in Wiesbaden, wo auch die Gewinner des Wettbewerbs „Excellence in Production“ vorgestellt werden.

Warum aber nicht in China Werkzeuge einkaufen? Voraussetzung dazu ist eine Beurteilung der chinesischen Herstellerbranche, die auf der Tagung in Wiesbaden vorgetragen wird. Daten von 20 000 Werkzeugbaubetrieben Chinas wurden vom WZL der RWTH Aachen und dem Aachener Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie (IPT) ausgewertet. Dazu sind 100 Einkäufer der westeuropäischen Automobilindustrie und 80 Einkäufer aus China nach ihren Erfahrungen mit chinesischen Werkzeugen befragt worden.

Demnach sind die Betriebe insbesondere im Spritzgießbereich fortgeschritten: Mehrkomponententechnologie und Heißkanäle sind allgemein üblich. Insgesamt sind – verglichen mit den in deutschen Betrieben üblicherweise produzierten Werkzeugen – die Anforderungen in China relativ niedrig. Einzelne Betriebe sind aber durchaus in der Lage, vergleichbar komplexe Werkzeuge zu liefern. „So groß wie das Land, so groß ist dort das Spektrum der Werkzeugbauer“, fasst RWTH-Professor Günther Schuh die Ergebnisse der WZL- und IPT-Studie zusammen.

Das Risiko in China einen Fehlgriff zu tätigen, ist allerdings hoch: 65 % der befragten westeuropäischen Werkzeugnutzer, die in China kauften beurteilen das Preis-/Leistungsverhältnis als schlecht: „Der Einkäufer freut sich über den kleinen Preis, die Fertigung muss es ausbaden.“ Denn häufig entspricht die Oberflächengüte nicht den Erwartungen. Auch das Werkzeug als solches erfüllt oft nicht die versprochene Standzeit. Insgesamt ist der Aufwand für Instandhaltung deutlich höher als bei vergleichbaren westeuropäischen Bauteilen. Sogar die Chinesen erkennen an, dass deutsche oder japanische Werkzeuge eine deutlich höhere Produktivität und Standzeit haben.

Zu beachten sind auch die Transaktionskosten. Aufwendungen der Chinareise eines zwei bis vier Mann starken Teams werden meist nicht zu den Einstandspreisen gerechnet. Zudem wird das Änderungsmanagement aus Deutschland als „unlösbar schwierig“ bezeichnet die technischen Inhalte zu kommunizieren, erweist sich meistens als sehr schwierig.

„Einkäufer von Werkzeugen zu sein, ist heute einer der anspruchsvollsten Jobs überhaupt“, so Prof. Schuh. „Nur wer in der Lage ist, die Lebenszykluskosten ganzheitlich zu beurteilen, kann hier echte Erfolge erzielen.“ Insgesamt dürfe aber nicht der Eindruck entstehen, Chinesen wären nicht in der Lage hohe Ansprüche zu erfüllen. Schuh: „Die wissen dort drüben einfach nicht, was wir hier brauchen.“

In China ist es eben günstiger, die Bauteile manuell nachzubearbeiten oder nach jeder Schicht das Werkzeug aufarbeiten zu lassen. Eine Spitzengruppe in China kann jedoch hervorragende Werkzeuge zuliefern. Es gibt darüber hinaus Beispiele, wo der chinesische Lieferant qualifiziert wurde.

Zahlreiche Kunden in Westeuropa sind mit den gelieferten chinesischen Werkzeugen völlig zufrieden. Ihre Anforderungen hinsichtlich Werkzeug- und Bauteilqualität decken sich mit den chinesischen Möglichkeiten. Nacharbeit und Änderungen werden von ihnen in Eigenregie erledigt, die Leistungsfähigkeit der deutschen Werkzeuge wird gar nicht benötigt. Hier zeigt sich die mangelnde Fähigkeit deutscher Hersteller, Low-Cost-Werkzeuge zu liefern. Obwohl man mit intelligenten Fertigungskonzepten durchaus in der Lage wäre preislich zu konkurrieren, übersteigern sie die eigenen Qualitätsansprüche.

Die Chinesen selbst sind der Umfrage zufolge mit den chinesischen Werkzeugen zufrieden. In Summe zeichnen sich aber Segmente ab, die ausländischen Werkzeugbaubetrieben Chancen in China eröffnen.

Umgekehrt hat die Bedrohung aus China für den deutschen Werkzeugbau noch ausreichenden Abstand, „wenn man jetzt beginnt zu handeln“, sagt Günther Schuh. WZL/IPT/KÄM

www.Werkzeugbau-Aachen.de

www.Excellence-in-Production.de

Werkzeugbau in China – Chance oder Bedrohung? 70 Seiten, 290 € zzgl. MwSt. inkl. Versand.

 

Ein Beitrag von:

  • Siegfried Kämpfer

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