Produktion 14.12.2007, 19:32 Uhr

Werkzeugbau hat vier neue „Excellenzen“  

Hiesige Werkzeug- und Formenbauer sind weltweit gefragt. In Wiesbaden wurden am 4. Dezember die vier Besten ihrer Branche ausgezeichnet. Sie zeigten sich selbstbewusst, sprachen aber auch offen über ihre Probleme.

Den vergangenen Mittwoch wird Unternehmenschef Wolfgang Faßnacht aus Bobingen so schnell nicht vergessen. Denn mit der Auszeichnung „Werkzeugbau des Jahres 2007“ legten er und seine 14 Mitarbeiter die Messlatte für die ganze Branche wieder ein Stück höher. Das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen und das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT als Veranstalter des Wettbewerbs „Excellence in Production“ hatten dazu die Erfolgsfaktoren von insgesamt 315 Unternehmen identifiziert und bewertet.

Die W. Faßnacht Formenbau GmbH entwickelt und fertigt Mehrkomponenten- und Mehrkavitätenformen für Spritzgussteile in der Automobil- und Konsumgüterindustrie. „Faßnacht ist strategisch positioniert als schneller Lieferant komplexer Formen“, hob Laudator Reiner Rohlje, Juniorchef des Vorjahressiegers, hervor.

Als besondere Stärke des Unternehmens bewerteten die Juroren das ausgeprägte Formen-Know-how, das den überwiegend regionalen Kunden bereits während der Produktentwicklung zur Verfügung gestellt wird. Respekt erntete Inhaber Wolfgang Faßnacht zudem für seinen bewussten Verzicht auf eine weitere Expansion, um das enge Verhältnis zu seinen 14 Mitarbeitern sowie ihr hohes Maß an Eigenverantwortung aufrechtzuerhalten. Rohlje lobte den Preisträger auch für seine Einstellung in dem auf dem Festkolloquium bereits zuvor diskutierten Preiskampf: „Herr Faßnacht wehrt sich gegen Preisdumping.“ Auch deshalb sei er Vorbild für die ganze Branche.

Auf dem Festkolloquium hatten Vertreter der Branche auf die zum Teil sehr starke Abhängigkeit ihrer Unternehmen vom Automobilbau sowie die Konkurrenz mit Billiganbietern aus Asien hingewiesen. Wolfgang Sengebusch, Geschäftsführer vom VDMA-Fachverband Präzisionswerkzeuge, stellte dazu fest, dass zwar einerseits hohe Qualität gefordert werde, sich die Preisvorstellungen der Kunden andererseits aber an den von Billiganbietern orientierten.

Hinsichtlich der Einkaufspreise bei Werkzeugkomponenten stellte Guido Schmal vom Finalisten Gedia Gebrüder Dingerkus aus Attendorn fest, dass geringere Einkaufspreise in China, Rumänien oder auch Korea mit teilweise deutlichen Zusatzkosten verbunden seien. Zudem ließen sich z. B. beim Einkauf in China trotz Logistikkosten zwar Einsparungen erreichen schwierige Auftragsverhandlungen, nicht erreichte Zielkalkulationen sowie Terminüberschreitungen seien allerdings dagegenzustellen. Gedia entwickelt und produziert Strukturteile für Pkw sowie Lkw. Mit der Erhöhung der Zukaufteile und der gezielten Lieferantenentwicklung konnte das Unternehmen, laut Schmal, seinen Umsatz gegenüber der alten Struktur bei gleicher Personaldecke um 30 % erhöhen.

In optimierten Prozessen und der Beherrschung komplexer Werkzeuge sieht Thomas Meichsner, Direktor für Produktionstechnik beim Finalisten Wilhelm Karmann in Osnabrück, den Wettbewerbsvorteil seines Unternehmens gegenüber Billiganbietern. Insbesondere die Kompetenz bei „Tool-in-Tool“-Konzepten, die eine günstige Form der Variantenfertigung von Karosserieblechen erlauben sollen, beschrieb er auf dem Kolloquium als wichtiges Kriterium zur Abgrenzung von Wettbewerbern. Die Werkzeuge erforderten zwar spezielles Know-how in der Herstellung, sparten den Anwendern aber bei zunehmender Variantenvielfalt deutlich Einkaufskosten.

Der Werkzeugbau befindet sich derzeit in einer besonderen Situation, das unterstrich auch Prof. Günther Schuh, vom Direktorium des Werkzeugmaschinenlabors und des Fraunhofer- IPT. Er sagte dazu: „Die Branche ist beschäftigter, als ich sie je zuvor erlebt habe.“ Bei dem vom Maschinenbauverband VDMA für 2008 erwartete fünfte Wachstumsjahr in Folge, dürfe allerdings das Gespür für schwierige Zeiten nicht verloren gehen. „Ab dem siebten Wachstumsjahr in Folge sind Unternehmen statistisch kaum noch in der Lage, eine Krise erfolgreich zu meistern“, warnte Günther Schuh.

Außerdem machte der Werkzeugbau-Experte deutlich, dass sich die Unternehmen auf zunehmenden internationalen Wettbewerb einstellen müssen. Als strategische Differenzierungsmerkmale deutscher Werkzeugbauer nannte er die bereits von einigen Unternehmen focussierte Beherrschung von Komplexität, aber auch die bisher eher vernachlässigten Chancen im Dienstleistungsgeschäft. Sein Rat an die Teilnehmer des Kolloquiums lautete daher: „Entwickeln Sie Ihre Dienstleistungen ebenso professionell wie Ihre Produkte.“ M. CIUPEK

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Maschinen- und Anlagenbau, Produktion, Automation, Antriebstechnik, Landtechnik

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