Fertigung 12.12.2008, 19:38 Uhr

Werkzeug- und Formenbau sieht noch Marktchancen  

VDI nachrichten, Frankfurt, 12. 12. 08, kip – Die weltweite Pkw-Absatzkrise geht auch an den deutschen Werkzeug- und Formenbauern nicht spurlos vorüber, wie die Messe Euromold vom 3. bis zum 6. Dezember in Frankfurt zeigte. Allzu schwarz aber malt die Schlüsselbranche ihre konjunkturelle Zukunft nicht. Denn Verkaufsprobleme zwingen Automobilbauer zu weiteren Innovationen, geht es etwa um Leichtbau und verstärkte CO2-Reduktion. Dann werden entsprechende Werkzeuge und Formen zu Top-Themen bei Automobilbauern und Zulieferern.

Thomas Sturm, Chef von VWH Vorrichtungs- und Werkzeugbau in Herschbach, beurteilte die aktuelle wirtschaftliche Lage der Schlüsselbranche ähnlich: „Mit ziemlicher Sicherheit gibt es künftig Probleme, zum Beispiel bei der Auftragsvergabe. Es wird bei etlichen Werkzeug- und Formenbauprojekten länger dauern, bis Investitionen genehmigt und als Auftrag erteilt werden.“

Branchenexperte Sturm kann der gegenwärtigen Situation allerdings auch positive Aspekte abgewinnen. Denn: „Die Absatzkrise zwingt Automobilbauer zu neuer technischer Kreativität, etwa bei der CO2-Reduktion oder im Leichtbau. Und dann werden im jeden Fall effektive Werkzeuge und Formen gebraucht.“ Die Chancen für diese Entwicklung stehen nach seiner Meinung für den Standort Deutschland nicht schlecht: „Deutschland hat die besten Ingenieure im Automobilbau.“

Zudem hätten Formen- und Sondermaschinenbauer wie VWH die Bereiche Dienstleistung, Service und Wartung intensiviert und sich als Entwicklungspartner der Kunden etabliert. Denn Service beginnt für Sturm bereits in der Konstruktionsabteilung des Kunden. „Die immer größere Produktvielfalt stemmen wir dabei mit Hilfe unserer Key-Account-Manager, welche die jeweiligen Produkte und Prozesse beim Kunden gut kennen. Das setzt natürlich ein hohes Vertrauensverhältnis zwischen Kunden und dem Werkzeugentwicklungspartner voraus.“ Endziel ist für Sturm der Werkzeugkomplettanbieter als Problemlöser beim Kunden. Hier seien effektive CAD/CAM-Ketten im eigenen Unternehmen und beim Datenaustausch mit dem Kunden besonders wichtig.

„Neuentwicklungen laufen derzeit noch voll durch, es gibt noch keinen Auftragsstopp. Deshalb sind wir auch für 2009 noch relativ optimistisch“, analysierte Anwendungsberater Wolfgang Rauscher die derzeitige Lage bei Siebenwurst in Dietfurt/Altmühltal. Das Unternehmen landete in diesem Jahr auf Platz 2 des Werkzeug- und Formenbau-Wettbewerbs „Excellence in Production“, Kategorie „Interner Werkzeugbau über 100 Mitarbeiter.“ Auch Rauscher sieht in der Kfz-Absatzflaute mögliche Chancen für Werkzeugbauer, geht es um weitere CO2-Reduktion und konsequenten Leichtbau. Ebenso hält er die Mitarbeit in der Produktentwicklung beim Kunden für eine zentrale Dienstleistung mit Langzeiteffekt: „Effektives CAD/CAM ist hier ein entscheidender Dreh- und Angelpunkt.“

Andreas Spieler, Produktmanager bei Solidworks in Haar wiederum sieht „indirekte“ Marktchancen in der Pkw-Absatzkrise: „Etliche Firmen haben nun Zeit, ihre CAD/CAM-Umgebung gründlich zu überarbeiten und zu optimieren. Dafür war oft wegen hoher Auslastung jahrelang keine Gelegenheit.“

Dabei dürfe aber auch der firmenübergreifende Datenfluss auf keinen Fall zu kurz kommen, meinte Fabian Rau, Marketing-Chef bei Cenit in Stuttgart. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es besonders wichtig, harmonisierte IT-Welten zwischen CAD/CAM/-, PLM-, BDE- und ERP-Welten aufzubauen. „Hier liegt noch ein wichtiges Rationalisierungspotenzial. Zeitverluste durch Inkompatibilitäten kann sich kein Unternehmen mehr leisten“, betonte Rau.

„Um einen reibungslosen Austausch von CAD-Daten über weltweit verteilte Standorte zu gewährleisten, sind PLM-Plattformen mittlerweile unerlässlich“, ergänzte Michael Sauter, Manager für Zentraleuropa bei PTC in München. Mit den neuen auf der Euromold präsentierten Softwareversionen von Windchill könnten Mitarbeitergruppen, Lieferanten und Kunden reibungslos auf unterschiedlichste Produktdaten zugreifen.

Auf durchgängigen Kommunikationsfluss setzt auch Missler Software, Frankreich, mit der neuen Software-Version TopSolid“Mold 2009. So könnten Werkzeuge von mehreren Konstrukteuren parallel und kollaborativ bearbeitet werden. Das Engineering lasse sich dabei beliebig unter mehreren Benutzern aufteilen, um die Konstruktionszeit insgesamt zu verkürzen, so die Entwickler bei Missler. Dies sei ein echter Nutzen für Werkzeugbauer, die Konstruktionen unter immer größerem Zeitdruck anfertigen müssten. Gleichzeitig kann laut Missler auch an einer Unterbaugruppe gearbeitet werden, ohne dass Netzwerkverbindung zu anderen Konstrukteuren oder Dateien besteht. Der Konstrukteur arbeitet an einem Abbild der Konstruktion und kann jederzeit seine Arbeit wieder ins Team einbringen. DIETMAR KIPPELS

Werkzeugbauer wird zum Problemlöser

Ein Beitrag von:

  • Dietmar Kippels

    Redakteur VDI nachrichten im Ressort Produktion. Fachthemen: Maschinenbau, CAD, Lasertechnik

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