Produktionsstrategien 30.11.2012, 19:56 Uhr

Siemens treibt digitale Produktion voran

Virtual Reality zur Entwicklung von Produkten wie auch Fertigungsanlagen und die reale Produktion werden zunehmend ineinandergreifen: Auf der diesjährigen SPS/IPC/Drives gab Siemens, Nürnberg, einen Ausblick auf seine Enginering- und Produktionsstrategien von morgen.

Siemens PLM Software

Siemens PLM Software

Foto: Siemens

„Die stark ansteigende Komplexität in Produkten und Produktionen kann nur mit durchgängiger Industriesoftware beherrscht werden. Unsere diesjährigen Neuheiten sind Schritte auf dem Weg zu integrierten Produkt- und Produktions-Lebenszyklen“, betonte Anton S. Huber, CEO der Siemens-Division Industry Automation.

Neben technischen Weiterentwicklungen setzen die Siemens-Manager aber auch auf strategische Maßnahmen – wie die aktuelle Übernahme von LMS International als Anbieter für die Prüfung und mechatronische Simulation komplexer Produkte in Leuven, Belgien. „Mechatronische Simulation wird für intelligente, wettbewerbsfähige Produktentwicklung und Fertigung immer wichtiger“, hob Huber in Nürnberg hervor. Mit dem Zukauf von LMS rücke man auch in diesem Softwaresegment auf eine Spitzenposition vor. Der Kaufpreis für LMS betrug rund 680 Mio. €, wobei die Transaktion unter dem Vorbehalt behördlicher Zustimmung stehe.

Siemens deckt den gesamten Wertschöpfungsprozess mit Industriesoftware ab

„Seit der Akquisition der UGS Corp. im Jahr 2007 ist Siemens der weltweit einzige Anbieter, der den gesamten Wertschöpfungsprozess für Produktentwicklung und Produktion mit Industriesoftware abdeckt“, betonte Huber in Nürnberg. Mit dieser Akquisition habe sich das Unternehmen die Aufgabe gestellt, virtuelle und reale Lebenszyklen in der Produkt- und Produktionswelt softwaretechnisch zu verknüpfen: So ist die fortwährende Digitalisierung in der Industrie für Huber der größte Hebel, um komplexe Produktionsprozesse transparent und effizient zu gestalten: „Es ist kein Zufall, dass Industriesoftware das wachstumsstärkste Technologiesegment in der modernen Produktion darstellt.“ Mit dem Ziel, die virtuellen und realen Prozesse durchgängig zu gestalten, habe Siemens seit 2007 mehr als 4 Mrd. € in Zukäufe investiert, um den Bereich Industrielle IT und Industriesoftware weiter zu stärken.

Durch Übernahme von LMS will Siemens das Softwareportfolio gezielt erweitern

Mit der Übernahme von LMS wolle man das Softwareportfolio auf den Feldern Prüfung und Simulation von mechatronischen Systemen erweitern: „Damit können die Kunden ihre Produkte künftig mit einer durchgängigen Datenbasis simulieren, testen, optimieren und produzieren.“ Sie müssten nicht mehr, wie bisher, bei jedem Schritt in der Wertschöpfungskette, von einem Datenformat ins nächste und von einer Software zur nächsten wechseln. „Eine gute strategische Auswahl der Übernahmeziele und eine umsichtige Integration sichern den den Erfolg der exogenen Verstärkung“, ergänzte Huber. Zudem habe man mit Bentley Systems eine strategische Zusammenarbeit vereinbart, in der beide Unternehmen gemeinsame Datenformate und -inhalte definieren wollen, um damit die Durchgängigkeit zwischen digitaler Produktentwicklung, Fertigungsprozessplanung und Informationsmodellen für den gesamten Lebenszyklus von Fabrikanlagen zu erhöhen.

Siemens stellt neue Version des „Totally Integrated Automation Portals“ (TIA Portal) vor

Neben dem Zukauf des belgischen Softwareunternehmens stellte Siemens unter anderem auch die neue Version des „Totally Integrated Automation Portals“ (TIA Portal) vor: Mit diesem „Engineering Framework“ lässt sich nun auch die Antriebstechnik projektieren: „Umfassende Effizienz beim digitalen Engineering von Anlagen entsteht erst, wenn sich auch die Antriebstechnik nahtlos einbinden lässt. Mit dem TIA-Portal machen wird das nun möglich“, betonte Ralf-Michael Franke, CEO des Siemens-Bereichs „Drive Technologies“.

Bei aller Datendurchgängigkeit darf aber auch der Datenschutz beim Kunden keinesfalls zu kurz kommen: „Unberechtigte Manipulation von innen, also durch Mitarbeiter, ist die größte Gefahr. Know-how beim Kunden zu schützen gehört mit zu unseren wichtigsten Aufgaben“, so der Siemens-Manager in Nürnberg.

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