Produktion 05.07.2002, 18:20 Uhr

Produktivität schützt nicht vor Schließung

Der Computerhersteller IBM steigt in mehreren Schritten aus der Fertigung von Wafern aus. Auf der Strecke bleiben mehrere hundert hoch qualifizierte Arbeitsplätze in Mainz. Offiziell verkündete IBM das „Aus” für die Produktion bei der Tochter IBM Deutschland Speichersysteme GmbH erst im vergangenen Monat. Inoffiziell informiert wurden fast 2000 Mitarbeiter im Werk in Mainz, als sie bei der diesjährigen Metall-Tarifrunde für höhere Bezüge streikten, dass es für ihre Arbeitsplätze keine Zukunft mehr gibt.

„Betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbar ist die Produktionsschließung“, erklärt Thomas Schuck, 2. Bevollmächtigter der IG Metall in Mainz. „Die Produktivität im örtlichen IBM-Werk liegt deutlich über der in San Jose´ in Mexiko, wohin die Fertigung der Wafer verlagert wird.“ Roland P. Petermann, IBM-Sprecher in Mainz, will sich auf eine betriebswirtschaftliche Betrachtung der Rentabilität der Arbeitsplätze im Werk nicht einlassen.
Ein Grund könnte sein, dass IBM sich aus dem Geschäft mit der Produktion von Wafern ganz zurück ziehen will. Das Werk Mainz ist das europäische Kompetenzzentrum für diese Computer-Hardware. Wenn IBM – wie jetzt beschlossen – das Werk in eine Gemeinschaftsfirma mit dem japanischen Konkurrenten Hitachi einbringt, steigt der US-Konzern in Raten aus der Produktion aus. Am Joint Venture hält IBM zunächst 30 % inzwischen gab der Konzern bekannt, sich binnen drei Jahren ganz aus der Firma zurückziehen zu wollen.
Für die 1600 fest angestellten IBM-ler und die 400 Mitarbeiter mit befristeten Stellen in Mainz greift die Erkenntnis, dass auch hoch qualifizierte und rentable Arbeitsplätze auf globalen Märkten nicht sicher sind. Zunächst sollen die 400 Beschäftigten mit Zeitverträgen ihre Stellen verlieren, kündigt IBM-Sprecher Petermann an: „Wir werden die Verträge nicht verlängern.“
Den 1600 fest angestellten Mitarbeitern sollen Frühverrentungen und Abfindungen angeboten werden. IBM Deutschland soll Stellen aus Nicht-Produktionsbereichen nach Mainz verlagern, Mitarbeiter aus dem Werk sollen für andere Tätigkeiten umgeschult werden – im Betrieb und außerhalb.
Über die Gründung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft mag die IG Metall derzeit noch nicht verhandeln. „Wir sind noch in der Phase der Information“, sagt Gewerkschafts-Sekretär Schuck. Er befürchtet, dass rund 1300 Stellen verloren gehen. Das wäre ein Schlag für den Standort Mainz, wo IBM nach Schott der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber ist. Im Umfeld fehlen zudem alternative Angebote für die Belegschaft.
IBM-Sprecher Petermann räumt ein, dass mit den IBM-Stellen auch eine Vielzahl von kleineren Zulieferbetrieben von der Produktionsstilllegung betroffen sein wird. Daher soll in den Räumlichkeiten des IBM-Werks ein Technologie-Campus entstehen: Kleinere Firmen könnten dann die gut ausgebaute Infrastruktur des Standorts nutzen, die sie sich selbst nicht leisten können.
Über Zahlen und Perspektiven jedoch will Petermann nicht sprechen – zu stark ist der politische Druck auf IBM. Und auch IG-Metall-Sekretär Schuck erklärt: „Die Entscheidung zur Schließung wurde nicht rational gefällt und ist bar jeder Vernunft.“
Ein wenig Zukunft erhofft sich IBM in Mainz, und hier die Abteilung Werkzeugbau – neudeutsch Model-Shop genannt – von externen Spezialaufträgen. So fertigen die IBM-Spezialisten für das Formel-1-Team von Toyota spezielle Bremssysteme und andere Detailarbeiten. Für Massenaufträge und Massenbeschäftigung reicht das jedoch nicht.
MARTIN ROTHENBERG

Von Martin Rothenberg
Von Martin Rothenberg

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