Produktion 19.03.2004, 18:29 Uhr

Produktion der Zukunft lebt vom individuellen Kundenwunsch

VDI nachrichten, Karlsruhe, 19. 3. 04 -Wer den Gedanken immer kleinerer Losgrößen konsequent zu Ende denkt, kommt zum richtigen Schluss. Und der heißt maßgeschneiderte Fertigung für unterschiedlichste Abnehmer. Hier liegt die entscheidende Herausforderung für die Planer von Fertigungslinien und Montageanlagen, wie die 7. Karlsruher Arbeitsgespräche aufzeigten.

Forschung führt laut Michael Rogowski nur dann zu mehr Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum, wenn sie eng mit der Anwendung verzahnt ist. Produktionsforschung ist für ihn das beste Beispiel: „Hier darf nicht gekleckert werden“, so der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) auf den 7. Karlsruher Arbeitsgesprächen am 11. und 12. März. Über den Projektträger „Produktion und Fertigungstechnologien“ im Forschungszentrum Karlsruhe (BMBF-Programm „Forschung für die Produktion von morgen“) wurden seit 1999 rund 250 Mio. € für F & E bereitgestellt.
Für Michael Rogowski ist der Weg deshalb klar vorgezeichnet: „Durch Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, durch die Entwicklung und Verfolgung von gemeinsamen Leitvisionen und nicht zuletzt durch das Lernen an Best-practise-Beispielen müssen wir die starken Industrie-Cluster Deutschlands stärken.“ Dies sei der einfachste Hebel für mehr Wertschöpfung, mehr hoch qualifizierte Beschäftigung und mehr Wachstum.
Ingward Bey, Leiter des Karlsruher Projekträgers, kennt einen weiteren Stellhebel, der das Tor zum Markterfolg von morgen öffnen kann: „Individualisierung ist eine Schlüsselstrategie für die Produktion der Zukunft. Immer häufiger wünschen Kunden ein individuelles Produkt, bei Kleidung und Möbeln ebenso wie bei Autos und Maschinen.“ Die Individualisierung der Produkte sollte dabei möglichst spät in den Produktionsprozess eingebracht werden. Der Hersteller erschließe sich dadurch parallel zum Kundenbezug die Vorteile einer Massenproduktion. „Die Produktionsstrategie muss dann darauf abzielen, Varianten in großer Zahl zu beherrschen“, betont Bey.
Zudem werden die Grenzen zwischen Maschinenbau, Elektronik, Lasertechnik Mikrosystemtechnik und Mechatronik fließend, wie Eberhard Veit von der Festo AG in Esslingen beobachtet. Die Konsequenz des Vorstandssprechers: „Die herkömmliche Trennung zwischen den Bereichen macht keinen Sinn mehr.“ Umso mehr gelte es jetzt für die Unternehmen, Barrieren Richtung nachhaltiges Wachstum zu überwinden. Sein Rat: „Insgesamt kommt es nun auf enge Partnerschaften entlang der gesamten Prozesskette des Kunden an.“ Dies fordere von den Lieferanten hohe technologische Kompetenz bei gleichzeitig extremer Kundennähe.
Dabei spielen Landesgrenzen im Zuge der Globalisierung für weltweit agierende Unternehmen längst keine Rolle mehr. Damit wird individuelle Fertigung zum Dauerthema für den Erfolg auf weltweiten Märkten. „Es gibt Produkte, die nur auf eine Region oder ein spezielles Land ausgerichtet sein müssen, etwa aufgrund unterschiedlicher Normen“, erläutert Eberhard Veit. Hier setzt er strikt auf Fertigung nach dem Baukastenprinzip: „Durch Berücksichtigung der regionalen Differenzen bereits bei der Gestaltung der Baukastenstrukturen lassen sich leicht regionale oder landesspezifische Produkte generieren.“
Geht es allerdings um kundenindividuelle Montagesysteme, gibt es für Gunther Reinhart noch einiges zu tun. „Die Modularität und Standardisierung der Komponenten auf Anlagen-, Zellen- und Betriebsmittelebene muss weiter ausgebaut werden und nicht nur zur Anpassung an Varianten, sondern auch zur Flexibilität in der Stückzahl in der Stückzahl genutzt werden.“ Nur damit sei eine schnelle Anpassung an Absatzänderungen durch technische Strategien wie stufenweiser Ausbau oder Veränderung des Automatisierungsgrades möglich. Dies erleichtere zudem die Veränderung der Mitarbeiterzahl in der Anlage zum Anpassen der Montagekapazität. „Montagesysteme, die auch in Zukunft wirtschaftlich arbeiten, müssen sich schnellstens an aktuelle und zukünftige Absatzzahlen anpassen lassen können“, fordert der Vorstand Technik und Marketing beim Karlsruher Maschinenbaukonzern Iwka unmissverständlich. Hauptziel sei die Umsetzung einer bedarfsgerechten Produktion – montiert werde nur, was der Kunde benötigt.DIETMAR KIPPELS
Karlsruher Arbeitsgespräche – Produktionsforschung 2004. Tagungsband. 430 S., ISSN 0948-1427. info@pft.fzk.de

 

Ein Beitrag von:

  • Dietmar Kippels

    Redakteur VDI nachrichten im Ressort Produktion. Fachthemen: Maschinenbau, CAD, Lasertechnik

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