Industrie 25.09.2009, 19:43 Uhr

Produktion in Deutschland steht am Scheideweg  

Fast zwei Millionen neue Arbeitsplätze und eine Steigerung der Bruttowertschöpfung um jährlich 2,5 % könnte das verarbeitende Gewerbe bis zum Jahr 2020 erreichen. Davon geht die aktuelle Studie „Made in Germany“ in einem ambitionierten Chancenszenario aus, welches am Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) der TU Darmstadt, zusammen mit McKinsey & Company, Düsseldorf, erstellt wurde. Das Basisszenario sieht dagegen deutlich düsterer aus. VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 9. 09, ciu

Derzeit stehe die Industrie nach Erkenntnissen der Studienautoren vor der Herausforderung, kurzfristige Anpassungen vorzunehmen und dabei gleichzeitig die langfristige Ausrichtung zu bestimmen. Schnell wirkende Kostensenkungsmaßnahmen an bisherige Konzepte anzudocken, reiche nicht. Stattdessen müsse die Aufstellung der Produktion im Unternehmen neu betrachtet werden. Wer am Beginn des nächsten Aufschwungs nicht schnell umschalten kann und Produktionskapazitäten erst zurückgewinnen muss, könne davon ausgehen, Marktanteile zu verlieren.

Der Druck auf den Produktionsstandort Deutschland wächst. Denn trotz der guten Ausgangsposition ist hier seit 1991 ein Rückgang der Arbeitsplätze um fast 30 % zu verzeichnen. Als Hauptproblem des Industriestandorts Deutschland nennt die Studie das – trotz Wettbewerbsposition und Innovationskraft – zu geringe Wachstum hierzulande. Dazu kämen bürokratische Hürden wie Steuern und Abgaben, aber auch hohe Arbeitskosten und der Fachkräftemangel. Bei den Lohnstückkosten liege Deutschland ebenfalls höher als andere Hochlohnländer, z. B. mehr als 10 % höher als die USA und über 30 % höher als Japan. Sowohl bei den darin verborgenen Arbeitskosten als auch bei der Produktivität sieht die Studie daher noch erhebliches Verbesserungspotenzial.

Obwohl es den Unternehmen nicht an Ideen mangele, gelangten nach Erkenntnissen der Studie zu wenige Innovationen zur kommerziellen Umsetzung. Im europäischen Vergleich erneuere sich die Landschaft der forschungs- und entwicklungsintensiven Unternehmen in Deutschland zudem deutlich langsamer als in Wettbewerbsländern. Auch werde sich der Fachkräftemangel in Deutschland weiter verschärfen, da z. B. für aus dem Erwerbsleben ausscheidende Ingenieure deutlich weniger junge Nachwuchskräfte nachrückten als beispielsweise in Schweden, Portugal oder Irland.

Weniger kritisch bewerten die Studienautoren das Thema Produktionsverlagerung (Offshoring). So konnten dadurch in den vergangenen Jahren fast drei Viertel der Unternehmen ihre Wettbewerbsposition verbessern und sogar Arbeitsplätze in Deutschland schaffen.

Um zukunftsfähige Bereiche der deutschen Produktion zu identifizieren, hat das Autorenteam Gemeinsamkeiten gesucht, die drei Dimensionen zur Differenzierung ergaben. Die Dimension Technologieintensität steht dabei für den Forschungs- und Entwicklungsaufwand sowie den Anteil der Hightech-Produkte und -Prozesse. Die Arbeitsintensität erfasst den Anteil manueller Arbeit in der Produktion. Der Marktradius gibt darüber Aufschluss, in welchem Radius um die Produktionsstätte ein Transport zum Abnehmer rentabel ist.

Um die unterschiedlichen Produktgruppen branchenunabhängig zu bewerten, wurden anhand der Dimensionen acht Produktionsecktypen festgelegt (siehe Kasten). Von größter Bedeutung für den Standort Deutschland ist dabei Ecktyp 2 – der arbeitsintensive Export. Zu diesem zählen Automobile, Werkzeugmaschinen, Motoren und Turbinen. Diese zeichneten sich durch eine besonders enge Vernetzung mit anderen Unternehmen aus. Ebenfalls in einer guten Position sind Ecktyp 1 (Hightech-Export) und 5 (Hightech-Vorleistung). Bereiche mit hoher Arbeitsintensität und geringer Technologieintensität spielten dagegen in Deutschlands Produktionslandschaft inzwischen kaum noch eine Rolle.

Um individuelle Erfolgsfaktoren besser einordnen zu können, haben die Autoren der Studie „Made in Germany“ einen Produktionskompass entwickelt. De Boer dazu: „Der Kompass liefert den Unternehmen ein strategisches Bild von der eigenen Produktion und unterstützt die konsequente Umsetzung der Produktionsstrategie.“ Mit ihm könnten Unternehmen individuelle Handlungsfelder und ihre Relevanz beurteilen, um danach Verbesserungshebel anzusetzen.

Wenn Unternehmen demnach ihre Chancen richtig nutzen und auch die Politik die Rahmenbedingungen richtig setzt, könne Deutschland seine Position im internationalen Wettbewerb behaupten und seine Stärken ausbauen. Andernfalls sei zu erwarten, dass sich die Abwärtsspirale weiter fortsetze und Deutschland als Industriestandort an Bedeutung verliere, so das Fazit der Untersuchung. M. CIUPEK

Studie „Made in Germany – Zukunftsperspektiven für die Produktion in Deutschland“, PTW und McKinsey & Company, 70 S., kostenlos. Kontakt per E-Mail: made_in_germany@mckinsey.com

Von M. Ciupek
Von M. Ciupek

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