Produktion 06.10.2000, 17:26 Uhr

Produktion im automatischen Wertschöpfungsnetzwerk

Die „New Economy“ kommt, sie ist Teil der Informationsgesellschaft. Aber auch die Produktion wandelt sich. Das hat Folgen für Investoren, Maschinenbauer, Software-Entwickler – und Konsumenten. Dietmar Harting, Präsident des Zentral-verbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), Frankfurt/Main, gibt eine Einschätzung.

Begriffe wie „production on demand“ und „factory at the corner“, die heute noch eher visionär-spekulativen Charakter haben, sind gleichwohl geeignet, Entwicklungsrichtungen und neue Qualitäten der Automation aufzuzeigen.
Von der uniformen Massenfertigung geht der Trend heute über die flexible Automation von Produktionsabläufen hin zur Integration des Fertigungsprozesses in automatisiert ablaufende Wertschöpfungsnetzwerke, die nicht nur alle betrieblichen Funktionen abbilden, sondern darüber hinaus Kunden, Lieferanten und weitere Wertschöpfungspartner miteinander verbinden. So wird der heute viel zitierte E-Commerce seine allenthalben vorhergesagte revolutionäre Wirkung nur dann entfalten, wenn die entstehenden elektronischen Marktplätze ohne neue Schnittstellen mit den betriebsinternen Systemen – vom betriebswirtschaftlichen System bis hin zum Feldgerät in der automatisierten Produktion – verknüpfbar werden.
Dabei sind wesentliche Anforderungen der Märkte an die Automation von heute und morgen offensichtlich: Weiter steigende Produktivität und umfassende Flexibilität, hohe und einheitliche Qualität sowie Just-in-time-Verfügbarkeit sind einige der sich scheinbar widersprechenden Forderungen, mit denen die Automatisiererung konfrontiert ist.
Die industrielle Automatisierung ist seit ihren Anfängen Gegenstand der Aktivitäten des ZVEI. Elektrisches Messen, Steuern, Regeln, Schalten und Antreiben in Systemen der Automation sind traditionell Kernbereiche der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. Einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einem geräteübergreifenden, d.h. systemorientierten Verständnis der Automation markierte im ZVEI die Beschäftigung mit MAP ( Manufacturing Automation Protocol). Das war vor ca. 15 Jahren.
Inzwischen entwickelt sich eine „ganzheitliche Sicht“ aller Fachleute, die an der Automation arbeiten. Die ZVEI-Politik, in Plattformen zu denken und zu handeln, ist eine ideale Methode, um einerseits die traditionelle eigene Position (jetzt in dem Fachverband Automation gebündelt) zu fokussieren und andererseits durch eine offene und dialogorientierte Politik den Austausch aller Prozessteilnehmer zu moderieren.
Die Treiber der Technologien für die Herstellung von automatisierungstechnischer Hard- und Software müssen hierbei mit den Partnern in allen Bereichen der entstehenden Wertschöpfungsnetze zum Beispiel im Maschinen- und Anlagenbau, in der Verfahrenstechnik, in der Automobilindustrie, aber auch im Infrastruktursektor etwa beim Thema „Utility Automation“ einen Austausch gestalten, um die Innovations-chancen für alle Beteiligten zu nutzen.
Die aktuellen Themenschwerpunkte des neuen Fachverbandes werfen ein Schlaglicht auf die Leitthemen, die heute die Automation vorantreiben. Es sind dies die industrielle Kommunikation, die Softwareentwicklung und ihr Einsatz in der Automation, Fragen des Engineerings, aber auch die Mensch-Maschine-Schnittstelle und die Ausgestaltung von E-Commerce-Lösungen zur Neuorganisation der Kunden-Lieferanten-Beziehung in der Automation. Sämtlich Themen, die übergreifend sind und damit eindrucksvoll verdeutlichen, dass die Zukunft den vernetzten Organisationen gehört.
Neben dem Ausbau der Kernkompetenzen tritt das Vernetzungs-Know-how als weiterer, oftmals noch unentdeckter Treiber der Innovation. Und in allen Feldern entsteht parallel, also gleichzeitig, Neues.
Der vom ZVEI initiierte Prozess trägt heute noch nationale Züge, die Perspektive ist jedoch europäisch und in wichtigen Teilbereichen wie zum Beispiel der Normung eindeutig global. Technologie- und Markt-Road- maps sollen zudem den Herstellern eine höhere Entscheidungssicherheit bei der Planung ihrer Innovationen geben. Die immer schnelleren Entwicklungsschritte in der Automation und die gestiegene Komplexität erhöhen das Risiko gerade für mittelständische Anbieter. Fehlinvestitionen können fatale Folgen haben, so dass der Verband in seiner Rolle als Wissens- und Netzwerkmanager integraler Bestandteil der unternehmerischen Planung werden muss.
Imposant sind die Zahlen, analysiert man den Weltmarkt für Automation – einen Teilmarkt, der jedoch wichtige Bereiche des Maschinenbaus und auch der elektrotechnischen Produktion aufnimmt. 1998 lag der Weltmarkt für Automatisierung bei 280 Mrd. DM. Der deutsche Anteil an diesem Markt, der mit ca. 5 % jährlich wächst, wird mit 16 % angegeben. Der westeuropäische Anteil wird mit 38 % beziffert, was gegenüber den USA (29 %) einen klaren Vorteil der europäischen Position bedeutet. Wichtigste Abnehmer (mit einem Anteil von ca. 30 %) sind die chemische und petrochemische Industrie vor der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der Stahlindustrie und weiteren Grundstoffindustrien.
Nicht nur in diesen Feldern leistet die deutsche Automationsindustrie, in die viele international führende Player sowohl aus dem Bereich der Weltkonzerne als auch aus dem industriellen Mittelstand eingebunden sind, einen zentralen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des industriellen Sektors.
Zusätzliche Dynamik wird diese Entwicklung dabei in den kommenden Jahren auch durch den Trend zur Miniaturisierung (die Mikrosystemtechnik ist ein erster Bote dieses Trends) und natürlich durch die Entmaterialisierung der Produktionsprozesse, also durch das wachsende Gewicht der Software und der industrienahen Dienstleistungen in der Automation, gewinnen.
Alles zusammen verdeutlicht, dass die industrielle Produktion und ihre Technologien vor entscheidenden Umbrüchen stehehen. Die deutsche Automationsindustrie wird bei diesem Wandel, der entscheidend zur Verbindung der New Economy mit den Bedürfnissen einer wachsenden Weltbevölkerung beitragen wird, auch auf den internationalen Märkten eine wesentliche Treiberrolle spielen. DIETER HARTING

Von Dieter Harting
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