Fertigung 07.07.2000, 17:25 Uhr

Präzisionswerkzeuge pushen die Produktivität

Dass Hightech-Equipment die Produktivitätsgrenzen sprengt, stellten rund 200 Aussteller von Präzisionswerkzeugen auf der Metav 2000 vom 27. Juni bis zum 1. Juli unter Beweis.

Präzisionswerkzeuge haben nach Überzeugung von Dr. Wolfgang Sengebusch maßgeblichen Einfluss auf die Fertigungskosten. Doch hier liegt für den Geschäftsführer der Fachgemeinschaft Präzisionswerkzeuge im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Frankfurt/M., derzeit einiges im Argen: „Wir müssen leider häufig feststellen, dass beim Werkzeug-Einkauf eine einseitige Konzentration auf die Preisseite vorherrscht“, so Wolfgang Sengebusch auf der Metav 2000 in Düsseldorf. Nur eine Betrachtung der Werkzeugkosten über den gesamten Produktionsprozess und eine insgesamt an Qualität und Nutzen orientierte Beschaffungspolitik senke die Fertigungskosten wirklich.
„Die Werkzeugkosten“, verdeutlicht der Geschäftsführer, „betragen nicht mehr als 25 % der Produktherstellkosten.“ Ein Mehraufwand von beispielsweise 25 % für leistungsfähigere Werkzeuge würde diese Kosten vordergründig um 1 % erhöhen. Die wirklichen Folgen sehen für Wolfgang Sengebusch jedoch völlig anders aus. „Der daraus entstehende Nutzen- und Wirtschaftslichkeitseffekt liegt weit höher – zum Beispiel weil die Werkzeuge länger halten und weniger Ausschuss produzieren, weil weniger Zeit für Werkzeugwechsel nötig ist und der Einkaufsaufwand für Werkzeuge sinkt.“
Entsprechend den Forderungen nach hochqualitativem Werkzeug präsentierte Sandvik Coromant, Düsseldorf, mit GC4015 Ultraspeed eine neue Wendeschneidplatten-Generation, die im Vergleich zur bisherigen Serie eine Schnittgeschwindigkeitserhöhung von mindestens 20 % erlauben soll. „Dank einer völligen Neuentwicklung der Substrat- und Beschichtungstechnologie wird diese Leistungssteigerung möglich“, betont Joachim Schwitzgöbel, Leiter Marketing Services. Der technologische Durchbruch bei der Substrattechnologie sei dabei das Ergebnis eines modernen Gradientensinterungsprozesses, wobei die Zusammensetzung von Wolframkarbid/Kobald an der Peripherie variiere. „Die Randzone ist zwecks erforderlicher Zähigkeit mit Kobald angereichert und gewährleistet somit eine verbesserte Schneidkantensicherheit bei anspruchsvollen Fertigungsbedigungen“, führt Joachim Schwitzgöbel aus. Der Schneideckenbereich wiederum sei für erhöhte Verschleißfestigkeit und zur Minimierung plastischer Verformung mit Wolframkarbid angereichert.
Dreh- und Angelpunkt der Beschichtung ist nach Sandvik-Coromant-Angaben eine Aluminiumoxidschicht, bei der die nebeneinander liegenden Kristalle senkrecht zur Randzone und dem Substrat ausgerichtet sind. „Diese stangenförmige Struktur sorgt zum einen für hervorragende Verschleißfestigkeit, zum anderen schluckt diese Struktur eventuell auftretende Risse, die dann nicht in das Grundsubstrat gelangen und dies dann schädigen würden“, präzisiert Schwitzgöbel.
Dass Qualitäts-Werkzeug Wege zu höherer Produktivität damit mehr Wettbewerbsfähigkeit erschließt, steht auch bei Plansee Tizit aus Reutte in Tirol außer Frage. So soll der neue Kopierfräser Maximill hohe Fertigungssicherheit bei massiver Senkung der Produktionskosten auf einen Nenner bringen. „Die völlig neu entwickelte Plattenfixierung ermöglicht das leichte Positionieren der Wendeplatte und eine zuverlässige Verdrehsicherung für optimale Prozesssicherheit“, so Produktmanager Josef Fellner auf der Metav 2000. Das Fräserdesign basiere auf der Finite-Elemente-Modellierung, als einer der modernsten Methoden in der Werkzeugentwicklung: Die beim Fräsen gegebene Belastungssituation werde am Bildschirm simuliert und ermögliche so die exakte Werkzeugdimensionierung mit maximaler Stabilität. „Dadurch werden kundenspezifische Anforderungen bereits in der Konstruktionsphase der Werkzeugentwicklung berücksichtigt“, freut sich Josef Fellner.
„Ständiger Kostendruck ist verantwortlich für die steigenden Anforderungen bei Oberflächengüten und Toleranzen bei gleichzeitigem Wunsch nach kürzeren Bearbeitungszeiten“, nennt Eberhard Schneider von Komet einen weiteren wichtigen Grund für den Einsatz von Qualitäts-Werkzeugen. Denn an rotatorische Werkzeuge werden, aufgrund steigender Drehzahlen und Fliehkräfte, höchste Ansprüche hinsichtlich der Wuchtgüte gestellt. „An flexiblen Zerspanwerkzeugen, bei denen durch Veränderung der Schneidenposition Massen verschoben werden, tritt eine Unwucht auf, die gerade bei höheren Drehzahlen kompensiert werden muss“, betont Schneider. Hier stellte das Unternehmen aus Besigheim eine sinnvolle Problemlösung vor: „Beim Feinverstellkopf Mo3Speed geschieht diese Kompensation automatisch durch eine diametral verschiebbar angeordnete Ausgleichsmasse“, ergänzt Eberhard Schneider. Der besondere Vorteil dieses Kompensations-Verfahrens: Die Unwucht wird nach Komet-Angaben innerhalb einer Ebene ausgeglichen, wodurch nicht nur ein statischer, sondern ein dynamischer Wuchtausgleich möglich sei – bei Feinverstellschritten von 0,002 mm pro Teilstrich.
Doch erfordern Hightech-Werkzeuge nicht nur bei ihrem Einsatz spezifische Anwender-Kenntnisse. „Auch beim Nachschleifen und Nachbeschichten ist zunehmend ein Know-how erforderlich, das Nachschleif-Werkstätten nicht zuverlässig bieten. Dies gilt besonders für das Nachbeschichten“, weiß Robert Wörner, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei der Gühring oHG. Hier sehen die Werkzeug-Experten aus Albstadt eine Marktlücke , die mit der neu geschaffenen „Division Dienstleistung“ geschlossen werden soll. „Der eingerichtete Fahrservice holt oder bringt die Werkzeuge zu festen Terminen oder nach Vereinbarung zum Kunden“, erläutert Wörner. Als weiterer Aufgabenbereich wurde der „Tool Management Service“ organisiert. Dabei übernimmt Gühring die Werkzeugverwaltung und -beschaffung beim Anwender, was hochinteressantes Einsparpotential bieten soll. DIETMAR KIPPELS
Werkzeug für mehr Fertigungs-Power: Die neue Ultraspeed-Wendeschneidplatte von Sandvik Coromant soll eine Schnittgeschwindigkeitserhöhung von mindestens 20% gegenüber der Vorgänger-Version erlauben.
Qualitätswerkzeuge in der spanenden Fertigung ermöglichen nicht nur mehr Maschinenleistung und damit höhere Stückzahlen, sondern senken Ausschuss, Verschleiß und Werkzeugwechselzeiten, wie etwa bei dieser Okuma-Drehmaschine. Solche geldwerten Vorteile traten auf der Metav 2000 deutlich zutage.

Von Dietmar Kippels
Von Dietmar Kippels

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