Anlagenbau 07.07.2006, 19:22 Uhr

Osteuropa für Produktion attraktiv  

VDI nachrichten, Magdeburg, 7. 7. 06, ciu – Neben dem Boom in Asien sehen Anlagenbauexperten auch gute Perspektiven für die Produktion in Osteuropa. Das wurde auf einer Tagung in Magdeburg deutlich.

Marktchancen von der EU-Osterweiterung erwartet sich der deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Das bestätigt eine Studie des Branchenverbandes VDMA, die den EU-Ost-Ländern eine große Bedeutung als Markt zuspricht. Über die Chancen und Risiken diskutierten Experten kürzlich auf der Tagung „Anlagenbau der Zukunft“. Dort wurden Wettbewerbsvorteile beleuchtet, aber auch die Konsequenzen des Projektes „Go East“ für den Großanlagenbau und für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) aus Deutschland.

Mit einem Auftragseingang von 24,1 Mrd. € erzielten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA 2005 einen Auftragsrekord. Dabei stieg die Auslandsnachfrage auf ein Allzeithoch von 18,5 Mrd. €.

Großanlagenbauer und Zulieferer konzentrieren sich vor allem auf Wachstumsmärkte in Asien und im arabischen Raum. Im Verhältnis dazu spielen die EU-Ost-Länder aus verschiedenen Gründen eine untergeordnete Rolle. Doch als Absatz-, Produktions- und Beschaffungsmärkte für verfahrenstechnische Maschinen und Apparate sind sie dennoch eine Option. Zu dieser Einschätzung kommt Alexander Koldau vom Fachverband Verfahrenstechnischer Maschinen und Apparate. Koldau: „Aus Kostengründen ist eine Produktion in Osteuropa interessant, aber die großen Absatzmärkte sehen die Unternehmen zur Zeit woanders.“

Volker Stroh von der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA: „Nach unserer Erfahrung nutzen die Unternehmen die gut ausgebildeten Ingenieure zu vergleichsweise niedrigen Löhnen zum Beispiel für Anpassungskonstruktionen.“ Er gibt aber zu bedenken, dass die attraktiven Lohnkosten nicht isoliert betrachtet werden sollten. In die Kalkulation müssen die niedrige Produktivität, Anlaufkosten, zusätzlicher Kontrollaufwand, erhöhte Lohn- und Reisekosten für deutsche Mitarbeiter und Schulungskosten einbezogen werden. Bei den meisten Unternehmern mit China-Erfahrungen sei zudem der gleiche Kulturkreis ein Argument für eine Produktion in den EU-Ost-Ländern.

Möglich ist der Einstieg über den Aufbau einer Zulieferbeziehung. Insgesamt hat z. B. BASF positive Erfahrungen mit dem osteuropäischen Markt. Stefan Deibel, Leiter des Corporate Engineering der BASF: „Wir haben gut qualifizierte und motivierte Mitarbeiter angetroffen.“ Es gab aber auch Kritikpunkte. „Leider war aber auch die Produktivität niedriger und wir mussten bei der Qualitätssicherung intensiv unterstützen. Außerdem sind die Unternehmen teilweise staatseigen“, so Deibel.

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Generell ist in den osteuropäischen Ländern die Privatisierung unterschiedlich vorangeschritten. Speziell in Polen und Tschechien – zwei Länder mit hoher Affinität zu Westeuropa – stockt der Privatisierungsprozess. Vor allem in Polen gibt es derzeit keine klare Strategie zur Standortprivatisierung, an der sich westliche Investoren orientieren können. In Russland beweist die zweifelhafte Rücknahme der Privatisierung von Yukos, dass die russische Regierung schnell und wenig demokratisch reagieren kann.

Andreas Hiltermann, Geschäftsführer der InfraLeuna Infrastruktur und Service GmbH, betont, dass diese Rechtsunsicherheiten dafür sorgten, dass die Investitionsvolumen in den beiden Ländern trotz der Chancen weit unter den Erwartungen geblieben sind. Hiltermann: „Ein weiterer Grund ist auch, dass das geringe Lohnniveau in modernen chemischen Anlagen kaum zum Tragen kommt.“

Ein Hauptproblem sieht Hiltermann aber in dem enormen Investitionsbedarf der osteuropäischen Länder. Die Anlagen sind 20 bis 30 Jahre alt und wurden in den letzten 15 Jahren unzureichend gewartet. Außerdem gibt es viele kleine und ineffiziente Anlagen und Standorte, die auf dem Weltmarkt keinerlei Überlebenschancen haben. Es kam auch noch zu keinen entscheidenden Standortkonsolidierungen in diesen Ländern. Verunsichert werden Investoren z. B. auch von den polnischen Experten, die den Investitionsbedarf im eigenen Land mit 125 Mio. $ beziffern, die OECD aber mindestens 12 Mrd. € als notwendig erachtet.

Die Chancen für osteuropäische Staaten dürfte kurz- und mittelfristig in der Ausnutzung ihrer Rohstofflager und in der Bereitstellung von Basischemikalien liegen, schätzt Hiltermann. Ein erfolgreicher Aufholprozess wird nur über die Konzentration auf lokale Stärken und die Nutzung des Binnenmarktes funktionieren. Westlichen Unternehmen rät der Geschäftsführer, sich diese Märkten über lokale Partnerschaften zu erschließen und so vom Wachstum der Regionen zu profitieren. J. JUNGHANNS

Günstige Lohnkosten stehen rechtlichen Unsicherheiten gegenüber

 

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