Industriedesign 02.10.2009, 19:43 Uhr

Maschinendesign wird mit anderen Augen betrachtet  

Während die äußere Form die Wertigkeit ausdrückt, sind beim Maschinendesign Bedienbarkeit und Funktionalität weitere wichtige Kriterien. Im Interview vor der Werkzeugmaschinenmesse EMO verdeutlicht Dominic Schindler von der gleichnamigen Designagentur aus Lauterach/Österreich die aktuellen Trends. VDI nachrichten, Düsseldorf, 2. 10. 09, ciu

Schindler: Der Erfolg des neuen Designs war immens. Laut einer repräsentativen Umfrage fanden von über 4000 befragten Fachbesuchern mehr als 85 % das neue Design sehr gut oder gut. Auch bewerteten weit über 80 % der Befragten das Design besser als das der Mitbewerber. Das bestätigte uns in der Aussage, dass auch im Investitionsgüterbereich Design eine Rolle spielt und eine immer größere Rolle spielen wird. Wir haben für DMG inzwischen viele weitere Produkte nach der Designlinie gestaltet und auch andere Kunden hinzugewonnen. Auf der EMO in Mailand werden weitere Maschinen im „New Design“ vorgestellt.

Gerade Design wird aber gerne kopiert. Wie gehen Sie als Designer damit um?

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Es gibt einerseits Möglichkeiten, das Ganze rechtlich über Patente, Marken oder Bildrechte abzusichern. Auf der anderen Seite definieren wir unsere Produkte nicht nur über das äußerliche Design, sondern vor allem über die Funktion dahinter.

Ein Beispiel ist der von uns erfundene DMG SmartKey, mit dem Benutzerrechte an Bearbeitungszentren geregelt werden. Hier ging es nicht um die Gestaltung, sondern auch um die Schaffung eines Mehrwerts. Die visuelle Erscheinung kann man kopieren. Sehr viel schwerer ist jedoch die perfekte Verarbeitung und zuletzt die vollendete, durchdachte Funktion – eben „intelligentes Design“.

Bedeutet das eine intensivere Zusammenarbeit mit Konstrukteuren?

Ja, so verstehen wir Industriedesign. Etwa 80 % unserer Arbeit besteht aus der Zusammenarbeit mit Konstrukteuren. Wir sehen das Design als Werkzeug, um Produkte besser zu machen. Dazu gehört die Verbesserung von Produkteigenschaften genauso wie der Bedienkomfort.

Es ist grundsätzlich sogar gefährlich, sich nur auf Optik und Schönheit zu konzentrieren, weil diese Faktoren subjektiv bewertet werden. Einen deutlichen Mehrwert zu schaffen, z. B. bei der Funktion eines Produkts, erfordert dann natürlich, Hand in Hand mit der Konstruktion des Kunden zusammenzuarbeiten.

Mit dem Einzug von Elektronik und Software nimmt die Zahl an Bediengeräten und Monitoren zu. Ist auch das ein Feld für Designer?

Tatsächlich gehört zu unseren Tätigkeitsfeldern neben Produktdesign und „Corporate Architecture“ auch das Schnittstellendesign. Hier spüren wir einen enormen Bedarf – immer mehr und immer komplexere Produkte müssen bedient werden. Dabei fungieren wir nicht nur im Bereich der Visualisierung, sondern setzen auf eine Steigerung der Usability – also Bedienbarkeit – durch Einsatz intuitiver Prozesse und Prozessoptimierung der einzelnen Vorgänge. Unterstrichen wird dies durch eine Gestaltung, die nicht nur logisch, sondern auch leicht verständlich den Anwender durch Menüs und Funktionen führt. Bestimmte grafische Effekte oder Animationen nutzen wir nicht zum Styling, sondern zum Untermauern der Bedienbarkeit. Das Resultat sind neben kürzerer Einarbeitungszeit auch zeitsparende Bedienzyklen.

Manche Unternehmen haben schlechte Erfahrungen mit künstlerisch orientierten Designern gemacht. Sehen Sie einen generellen Wandel bei Designern hin zum nutzenorientierten Gestalter? Oder ist das weiterhin die Ausnahme?

Für uns gibt es nicht den typischen Designer. Ein erfolgreiches Design ist das Resultat vieler Prozesse, die geprägt werden von ausgebildeten Spezialisten. Dazu muss die Organisation und Abwicklung des Projekts stimmen.

Professionelles Design hat nicht nur etwas mit zweckfreiem, künstlerischen Gestalten zu tun, sondern wird bei uns als eine professionelle Dienstleistung gesehen. Diese bringt dem Kunden eine einzigartige Lösung, mit der er sich von anderen Marktteilnehmern differenzieren und die Werte eines Unternehmens entsprechend kommunizieren kann. Denn nur auf diese Weise lässt sich Design auch kommerziell erfolgreich umsetzen. MARTIN CIUPEK

 

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Maschinen- und Anlagenbau, Produktion, Automation, Antriebstechnik, Landtechnik

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