Produktion 03.11.2006, 19:24 Uhr

Manipulation prägt den Produktionsalltag  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 3. 11. 06, ciu – Maschinenbediener umgehen bewusst die Sicherheitseinrichtungen, die sie eigentlich schützen sollen, und nehmen Gefahren in Kauf. Warum sie dies tun und wie sie daran zu hindern sind, wurde kürzlich auf den Maschinenbautagen 2006 in Köln diskutiert.

Drastische Darstellungen benutzte Sicherheitsexperte Friedrich Adams, um den Besuchern der Maschinenbautage 2006 Ende September in Köln die Auswirkungen von Manipulationen an Maschinen zu demonstrieren. Auf der Leinwand erschien ein grausames Bild: Zu sehen war eine Drehmaschine mit geöffneter Schutztür, überall Blutspritzer. Der Bediener sei bei der Arbeit an der Maschine tödlich verunglückt, so Adams. Die Verriegelung der Schutztür sei manipuliert gewesen, sodass sie während des Betriebs offen stand.

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„Selbst schuld“, mögen viele zunächst gedacht haben, doch Adams vom Wuppertaler Sicherheitsschaltgerätehersteller Schmersal dehnte die Verantwortungsfrage auch auf die Maschinenkonstrukteure aus: „Die Sichtscheibe in der Schutzeinrichtung ist weit weg vom tatsächlichen Prozess angebracht. Dem Bediener blieb im Grunde nichts anderes übrig als zu manipulieren, wollte er seine Arbeit richtig machen.“

Mit dem Beispiel spricht Adams ein Problem in der Diskussion um die Manipulation von Schutzeinrichtungen an: Die Sicherheitstechnik an Maschinen und Werkzeugen wird nicht nur aus Bequemlichkeit verändert, sondern auch weil sie nicht ergonomisch ist und ein bedarfsgerechtes Arbeiten nicht zulässt. Damit stehen die Konstrukteure und Hersteller von Maschinen und Sicherheitstechnik mit in der Verantwortung.

Dass gehandelt werden muss, zeigt eine aktuelle Studie des Hauptverbands der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG). Befragt wurden vor allem Maschinenbediener, Fachkräfte für Arbeitssicherheit und technische Aufsichtspersonen. Unfälle an Maschinen, verursacht durch manipulierte Schutzeinrichtungen, sind demnach keine seltenen Einzelfälle. So wird geschätzt, dass in Deutschland ein Viertel aller Arbeitsunfälle an stationären Metallbearbeitungsmaschinen zwischen 1996 und 2000 auf Manipulationen an Schutzeinrichtungen zurück geht. Das entspricht etwa 15 tödlichen und rund 20 000 schweren und leichteren Unfällen pro Jahr – und verursacht Kosten durch Arbeitskräfte- und Produktionsausfall von mehreren Millionen Euro.

Ferner geben die Befragten an, dass in ihren Betrieben 37 % der Schutzeinrichtungen an Maschinen ständig oder vorübergehend manipuliert sind. Doch damit nicht genug: „Bei einem Drittel der Betriebe werden diese Manipulationen vom Vorgesetzten geduldet, ja sogar erwartet“, ergänzt Friedrich Adams entsetzt. „Die Risiken werden dabei völlig unterschätzt, vor allem von den Bedienern.“ Manipuliert wird, das wurde bei den Maschinenbautagen deutlich, übrigens überall, vom Handwerksbetrieb bis zum Großkonzern.

Auf der Hitliste der manipulierten Schutzeinrichtungen steht das Entfernen von Verkleidungen oder Umzäunungen ganz oben. Dicht auf folgen überbrückte und demontierte Schalter, aber auch elektrische Überbrückungen im Schaltschrank.

Warum manipuliert wird, auch darauf weiß die Studie Antworten. So soll das Beseitigen sicherheitstechnischer Schranken etwa den Arbeitsprozess beschleunigen oder die Prozessbeobachtung verbessern. Dabei reiche es nicht aus, so Sicherheitsexperte Adams, wenn die Konstrukteure durch weitere manipulationsverhindernde Maßnahmen „dem menschlichen Spieltrieb noch einen Riegel vorschieben.“

Dererlei Maßnahmen führten oft nur dazu, dass sich der Gegenstand der Manipulation z. B. weg von der Schutzeinrichtung hin zum Schaltschrank verlagere. Das Problem müsse zusätzlich anders angegangen werden. Erstaunlich sei, dass ein großer Teil aller Manipulationen als „notwendig für den Arbeitsprozess“ eingestuft werden. Dabei werde häufig im Automatikbetrieb manipuliert. Soll heißen: Die Funktion der Maschine erlaubt es dem Bediener nicht, seine Arbeit wie gewünscht zu verrichten. „Für viele Arbeitsvorgänge gibt es zu wenig darauf zugeschnittene Betriebsarten“, so Friedrich Adams.

Nötig erscheint es deshalb, seitens der Hersteller in Absprache mit Aufsichtbehörden und Kunden den Bereich der Sonderbetriebsarten zu erweitern und für den Bediener ergonomisch attraktiv zu entwerfen. So wurde die Betriebsart Prozessbeobachtung in den Anhang 1 der neuen Maschinenrichtlinie aufgenommen. Hier gelang im Widerstreit zwischen kalkuliertem Risiko und Drang nach Manipulation ein Paradigmenwechsel. Maßstab der Richtlinie ist nicht mehr die in ihrer Gebrauchstauglichkeit eingeschränkte, aber ungefährliche Maschine, sondern der notwendige Maschinenbetrieb bei überschaubar erhöhtem Risiko.

Es gebe viele Lösungen für das „multidimensionale Problem“, so Friedrich Adams. Um Manipulation und Unfälle zu vermeiden, sei neben technischer Innovation und Ergonomie die intensive Schulung und Unterweisung der Mitarbeiter gefragt. M. BORRÉ

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