Produktion 07.05.2004, 18:30 Uhr

„Made in Germany“ muss neu definiert werden

VDI nachrichten, Hemer, 7.5.04, ciu -Als Gütesiegel muss „Made in Germany“ trotz Globalisierung und Produktion im Ausland erhalten bleiben, schreibt im Folgenden Detlef Spigiel. Für den Technik-Vorstand des Sanitärherstellers Grohe in Hemer ist der gute Ruf deutscher Produkte weiterhin Garant für Exporterfolge. Einheitliche Qualitätsstandards an weltweiten Produktionsstätten untermauern dies.

Deutschland ist wieder Exportweltmeister. Das belegen Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln. Dass Deutschland die USA als größter Exporteur überholen konnte, liegt jedoch vorrangig an der Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro. Letzterer wurde im vergangenen Jahr um 20 % gegenüber der US-Währung aufgewertet. Das bedeutet, dass der Dollar-Wert des deutschen Exports schon um diesen Prozentsatz gewachsen ist, ohne dass mehr Waren und Güter Deutschland verlassen haben.
Den Erfolg konnten deutsche Unternehmen auch deshalb erreichen, weil der Ruf von Produkten „Made in Germany“ weltweit nach wie vor einen guten Klang hat. Dabei haben sich Betriebe mit Sitz im Inland der Herausforderung gestellt, die Vorteile internationaler Produktionssysteme unter Einbeziehung von Auslandsstandorten optimal zu nutzen.
Einerseits produzieren wir in Deutschland noch immer vielfach einen Großteil unserer Güter, andererseits sind wir weltweit mit unseren Qualitätsmaßstäben anerkannt und können hohe Zuwächse in vielen Branchen nur noch außerhalb unserer Landesgrenzen erreichen. Dies kann zu extremen Missverhältnissen und mangelnder Effizienz führen, wenn kein Ausgleich zwischen Inlandsproduktion und Auslandsabsatz gefunden wird.
Bei einem Unternehmen wie dem Sanitärhersteller Grohe steht ein inländischer Fertigungsanteil von fast 90 % einem im Ausland erzielten Umsatz von mehr als 75 % gegenüber, Tendenz steigend. Hier ein Gleichgewicht im Rahmen eines internationalen Fertigungsverbundes zu finden, ist eine Voraussetzung der führenden Weltmarke für sanitärtechnische Produkte und Systeme, aber auch bei vielen anderen Marktführern aus Deutschland, um weiter wettbewerbsfähig bleiben zu können. So baut Grohe seine internationalen Fertigungskapazitäten aus, um das erreichte Produktionsniveau im Inland halten zu können. Dies ist auch von Vorteil, wenn weitere Währungsveränderungen abgefedert werden müssen.
Der Standort Deutschland hat mit mangelnder Flexibilität und hohen Kosten bereits an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, nun müssen die global tätigen deutschen Unternehmen ihre Konsequenzen individuell ziehen, um internationale Spitzenpositionen im Wettbewerb weiterhin besetzen und verteidigen zu können. Nur wenn ihnen dies gelingt, können sie sich gegen den Standort-Trend behaupten. Und viele von ihnen tun dies bereits mit großer Konsequenz.
Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hat sich das Verhältnis der Exporte zur inländischen Wertschöpfung im produzierenden Gewerbe dramatisch erhöht – von 14 % im Jahr 1950 auf 111 % im Jahr 2002. Deutsche Unternehmen haben aus der veränderten Marktsituation gelernt und produzieren nun verstärkt im Ausland. Dies ist nicht nur wirtschaftlicher, sondern steht durchaus im Einklang mit dem Gütesiegel „Made in Germany“, wenn dort nach deutschem Qualitätsstandard gefertigt wird.
Der Begriff dieser weltweit anerkannten Auszeichnung muss demzufolge heute weiter gefasst und an die Erfordernisse, denen sich deutsche Unternehmen im weltweiten Wettbewerb stellen müssen, angepasst werden. Die Verbraucher sollen wissen, dass sie Produkte von Markenherstellern deutscher Herkunft in Topqualität erwerben, ganz gleich, wo sie in Regie eines deutschen Unternehmens hergestellt wurden. Dieser Trend lässt sich nicht mehr aufhalten und kann glaubhaft im Sinne des Kunden kommuniziert werden. Die Unternehmen in Hochlohnländern haben im internationalen Wettbewerb keine andere Chance, als die zunehmende Integration der Weltwirtschaft zu nutzen.
Deutschland nimmt mit der Höhe seiner Arbeitskosten in der Industrie weltweit mit 26,4 € je geleisteter Arbeitsstunde die Spitzenposition vor den USA, Japan, Großbritannien und Frankreich ein. Unternehmen aus solchen Hochlohnländern, die global agieren, müssen außerdem durch die Dollarentwicklung sensibler mit Währungsrisiken umgehen. Umsatzregionen müssen auch verstärkt Wertschöpfungsregionen sein und man ist besser aufgestellt, wenn beides im weltweiten Maßstab aufeinander abgestimmt ist. Wichtig ist, dass deutsche Unternehmen nicht nur aus Gründen der Rationalisierung in andere Länder gehen, sondern auch mit Blick auf die Erschließung neuer Märkte. Dort können sie wachsen und bestehen, wenn sie die gleiche Markenqualität anbieten, die auch in Deutschland produziert wird. So erreicht ein Unternehmen wie der Sanitärhersteller Grohe heute den gleichen Qualitätsstandard und dieselben geringen Fehlerquoten in der Herstellung seiner ausländischen Produkte im Vergleich zu Deutschland. Grohe produziert an fünf Standorten im Inland sowie jeweils in Portugal, Kanada, Thailand und China.
Seine starke Position im Export kann Deutschland nur dann erhalten, wenn man die weltwirtschaftliche Entwicklung als Chance begreift; die erfolgreiche und bewährte Auszeichnung von Produkten „Made in Germany“ unter den gegebenen Voraussetzungen garantiert und glaubwürdig gegenüber dem Kunden vertritt. Dabei müssen die Chancen des Weltmarktes genutzt werden. Dies sichert auch Arbeitsplätze in Deutschland, die bei alleiniger Produktion im Inland mit den damit verbundenen Arbeits- und Herstellkosten nicht zu halten wären. Wichtig ist dabei, dass ein global agierendes Unternehmen seine Mitarbeiter bei allen Veränderungen mitnimmt und die Schritte dahin konsequent kommuniziert. Dies schafft ein positives Umfeld für höhere Produktivität und ist die Grundlage für gleich bleibend hohe Mitarbeitermotivation.
Fünf Thesen machen die Bedeutung von „Made in Germany“ und die veränderten Voraussetzungen für die erfolgreiche Nutzung deutlich:
1. „Made in Germany“ ist eine bei Kunden anerkannte Auszeichnung, die deutschen Produkten entscheidende Wettbewerbsvorteile auf dem Weltmarkt verschafft. Mit diesem Etikett verbinden sie erstklassige deutsche Ingenieursleistungen und qualitativ hochwertige Produkte, die sich positiv von Produkten aus anderen Regionen der Welt unterscheiden. Es wird also mit dem Produkt aus Deutschland ein Image und eine Leistung verkauft, die ihrem Nutzer einen Mehrwert verspricht.
2. Die Auszeichnung „Made in Germany“ steht aber auch für „Top Performance“. Nach unseren Erfahrungen zeichnen sich Gebrauchsgüter mit diesem Attribut durch eine überdurchschnittliche Lebensdauer und Belastbarkeit, hohe Funktionalität und ansprechendes Design aus. Außerdem steht „Made in Germany“ für die Einhaltung angemessener ökologischer Standards nicht nur im Ergebnis als Ware, sondern gerade bezogen auf die Fertigungsprozesse und die Schonung der natürlichen Ressourcen.
3. Inzwischen umfasst „Made in Germany“ als Begriff mehr als die Herstellung von qualitativ hochwertigen Markenprodukten in Deutschland. Auslandsproduktion in deutscher Regie muss hinzugezählt werden. Alles an einem Standort herzustellen, ist meistens kostspielig, vor allem wenn man Produkte weltweit vertreibt. In einem internationalen Produktionsverbund können sich verschiedene Werke ergänzen, z. B. indem der Bedarf für Spezialmärkte lokal gefertigt wird. Außerdem können Auslandswerke eigene Kernkompetenzen entwickeln, die die deutsche Produktion ergänzen.
4. „Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal“, sagte Roman Herzog 1997 in seiner Rede „Aufbruch ins 21. Jahrhundert“. Dem stimme ich ausdrücklich zu. Gerade in Deutschland haben wir nur dann eine Chance im globalen Wettbewerb zu bestehen, wenn wir entsprechend der Nachfrage regelmäßig neue Produkte „Made in Germany“ auf den Markt bringen, die dem Bedarf des Kunden entsprechen und eine nachweisbare Mehrleistung bieten, die seitens des Kunden akzeptiert wird. Dabei müssen wir ein angemessen breites Produktspektrum anbieten, neue Materialien und Prozesse testen und umsetzen, fähig zur Modernisierung sein und der in vielen Branchen nachgefragten Systembildung mit eigenen Angeboten begegnen. Nur so kann der herausragende Ruf von Produkten aus Deutschland auch in Zukunft erhalten werden.
5. Qualität allein ist als Begriff zu unscharf und reicht in Zukunft nicht mehr aus. Vielmehr ist eine Kombination bewährter Produkteigenschaften mit nachvollziehbarer Innovation lebensnotwendig, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Dieser Ansatz entfaltet sich zur vollen Wirkung, wenn neben der Profilierung als deutscher Hersteller auch die Marke im Sinne eines generellen Qualitätsanspruchs unabhängig vom Herstellungsort glaubwürdig herausgestellt wird. So begründet „Design and Quality GROHE Germany“ den guten Ruf des Herstellers sowie den Mehrwert der Marke und bietet ein überzeugendes Rezept für den langfristigen Erfolg seiner Produkte.DETLEF SPIGIEL

 

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