Industrie 01.02.2013, 11:51 Uhr

Internetkonzepte hinterfragen Strukturen der Industrieautomation

Analog zur aktuellen Diskussion über „Industrie 4.0“ in Deutschland arbeiten in den USA Spezialisten von General Electric (GE) am Konzept des „Industrial Internet“. Sie gehen davon aus, dass Internettechnologien zu großen Veränderungen in der Industrie führen werden. Als Schlüssel zum Erfolg sehen die GE-Entwickler das Management großer Datenmengen.

Das Internet wird zur Vernetzung der Industrie weltweit führen.

Das Internet wird zur Vernetzung der Industrie weltweit führen.

Foto: General Electric

Auf der Veranstaltung „Minds and Machines“ gab GE-Chef Jeff Immelt kürzlich die Richtung vor: Eine Vernetzung von Produktionsmitteln und Infrastruktur würde der Volkswirtschaft zu deutlichen Produktivitäts- und Effizienzgewinnen verhelfen, sagte Immelt in seiner Keynote-Ansprache in San Francisco. Die Überlegungen Immelts halten sich nicht mit den Grenzen von Branchen und Sparten auf. Nicht nur die Fertigung – um die es in den Konzepten zu Industrie 4.0 geht – , sondern grundsätzlich alle Bereiche der Industrie könnten durch die Vernetzung massive Effizienzgewinne einfahren.

Die Rede Immelts markiert den Aufbruch des US-Elektrokonzerns in Richtung Intensivvernetzung; das neue Schlagwort lautet „Industrial Internet“. Dahinter verbirgt sich mehr als das in früheren Ansätzen vorgezeichnete „Internet der Dinge“ im Produktionsumfeld. Das Konzept Industrial Internet beschränkt sich auch nicht auf die Automatisierung der Produktion.

Internet vernetzt die industrielle Welt

„In den vergangenen 15 Jahren hat das Internet die Beziehungen zwischen Konsumenten und Lieferanten umgekrempelt. Was wir bisher haben, ist das Internet der Konsumenten“, erklärt Bill Ruh, der als Corporate Officer die Aktivitäten des GE-Konzerns im Bereich Software lenkt. „Jetzt steht die Vernetzung der industriellen Welt an.“ Statt eines fokussierten Ansatzes wie bei Industrie 4.0 propagiere das Industrial Internet die Vernetzung auf breiter Ebene. Alle Maschinen werden danach mit einer entsprechenden Sensorik ausgestattet sein und ihre Daten in das System einspeisen.

Öl- und Gasförderung, Schienenverkehr, Luftfahrt, Logistik, Stromerzeugung und -verteilung und sogar das Gesundheitswesen – sie alle würden von der automatisierten Kommunikation entlang der Wertschöpfungsketten profitieren. Und nicht nur das: Die Komplettvernetzung habe das Potenzial für eine neue Welle von Produktivitätsgewinnen, die einer industriellen Revolution gleich käme.

Riesige Einsparungen von Energie

Scheu vor großen Zahlen haben die Amerikaner dabei nicht. Gelänge es, die Produktivität in den genannten Sparten durch die Vernetzung auch nur um 1 % zu heben beziehungsweise den Energieverbrauch um den gleichen Prozentsatz zu senken, so würde der globalen Wirtschaft in den kommenden 15 Jahren ein Gewinn aus Einsparungen und zusätzlicher Wertschöpfung von satten 270 Mrd. $ winken, haben die Experten von GE kühn ausgerechnet.

Insgesamt erscheint die Vision des Industrial Internet weniger spezifisch als diejenige von Industrie 4.0 und angesichts der angestrebten Breitenwirkung wohl auch weniger detailliert ausformuliert. Es wird klar, dass Industrial Internet weit mehr als die Infrastruktur im Unternehmensnetz umfasst. Darüber hinaus erstreckt sich die Vision der US-Fachleute ausdrücklich auch auf die menschlichen Akteure, denen damit der Zugang zu allen relevanten Informationen ermöglicht wird, natürlich in Echtzeit.

Neben den vernetzten Arbeitsplätzen und den intelligenten Maschinen besteht eine weitere Säule des Industrial Internet aus Analysewerkzeugen, die es erst ermöglichen, die sehr großen Datenmengen nach relevanten Mustern zu durchforsten und daraus nützliche Erkenntnisse abzuleiten. „Die Fähigkeit zum Erfolg hängt stark von der Qualität der Datenanalyse ab“, stellt Ruh klar. „Nichts ist schlimmer als eine schlechte Analytik, denn damit kommt man nicht zu den richtigen Diagnosen.“

Cyber-Sicherheit wird immer wichtiger

Dazu kommt das Thema Sicherheit. Zwar macht sich Ruh keine Sorgen um die Verfügbarkeit der Infrastruktur etwa nach einem Cyber-Angriff – es gebe ja heute keinen „Single Point of Failure“, von dem alles abhinge. Dennoch ist auch Ruh eines klar: In einer Wirtschaft, die so vollständig vernetzt ist, wird die Verfügbarkeit der Vernetzung zu einem kritischen Faktor. „Wir müssen sorgfältiger und professioneller mit dem Thema Cyber-Sicherheit umgehen – viel mehr als im Consumer-Internet“, so Ruh.

Bei der Umsetzung der Theorie in die Praxis stehen Deutschland und die USA vor der gleichen Herausforderung: Geeignetes Personal ist Mangelware. Das umso mehr, als der Umgang mit den aus dieser Vernetzung resultierenden, nach Yottabyte zählenden Datenbergen neue Qualifikationen erfordert.

„Data Scientists“ nennt Ruh den neuen Berufsstand, der als einziger in der Lage wäre, die Datenberge zu durchkämmen, Muster zu erkennen, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und sie in verwertbare Erkenntnisse umzusetzen. „Noch 2008 hat der Begriff Data Scientist nicht einmal existiert“, sagt Ruh. „Heute ist es die am schnellsten wachsende Gruppe in der Welt der Technik. Überall in Europa und Nordamerika sehe ich einen riesigen Bedarf an solchen Datenfachleuten.“

Literatur: Peter C. Evans, Marco Annunziata: Industrial Internet – Pushing the Boundaries of Minds and Machines

Von Christoph Hammerschmidt

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