Produktion 15.02.2013, 15:59 Uhr

„Insbesondere der Nutzer des Endproduktes profitiert von Energieeffizienz“

Mit energieeffizienten Lüftern weckt Ebm-Papst derzeit auch das Interesse von Politikern. Das freut den neuen Vorsitzenden der Ebm-Papst-Geschäftsführung Rainer Hundsdörfer zwar, doch zählen für ihn vor allem technische Innovationen mit Kundennutzen.

ebm produziert Lüfter, die in der Computerindustrie eingesetzt werden.

ebm produziert Lüfter, die in der Computerindustrie eingesetzt werden.

Foto: dpa

VDI nachrichten: Herr Hundsdörfer, auf dem Maschinenbaugipfel Ende 2012 lobte der Grünenpolitiker Jürgen Trittin Ihr Unternehmen. Generell gab es von hochrangigen Politikern viel Lob für den Maschinenbau. Macht Ihnen das im Wahljahr Mut für Ihr Unternehmen?

Hundsdörfer: Unser Geschäft ist weitgehend unabhängig von Äußerungen und Entscheidungen der Politiker. Worauf wir bauen, ist, dass die Politik stabile Randbedingungen schafft und die Folgen der Finanzkrise in absehbarer Zeit in den Griff bekommt. Wir helfen uns in der Regel selbst, in dem wir uns um unsere Kunden kümmern und sie dabei unterstützen, in ihrem Geschäft erfolgreicher zu sein. Dazu müssen wir auch die Bedürfnisse der Kunden unserer Kunden verstehen. Ebm-Papst hat sich schon immer darauf konzentriert, Produkte und Leistungen anzubieten, die unsere Kunden bei ihren Aufgaben weiterbringen.

Wie werten Sie die aktuelle weltwirtschaftliche Entwicklung in Bezug auf Ihr Unternehmen?

Auch wenn das Wachstum fast zum Erliegen gekommen ist, haben wir keine Rezession. Im Gegenteil: Wir erleben in unserem direkten Umfeld eine positive Stimmung. Wir selbst konnten bisher Umsatzausfälle in einzelnen Absatzregionen gut durch Zuwächse in anderen Regionen kompensieren und erwarten bald wieder neue Impulse.

Energieeffizienz ist für Ihr Unternehmen inzwischen ein zentrales Thema. Sind Ihre Kunden auch bereit, für Energieeffizienz höhere Anschaffungskosten zu akzeptieren?

Das ist differenziert zu betrachten. In Deutschland und Teilen Europas wird das schon akzeptiert. Es lässt sich ja auch rechnen. Mehrkosten für hocheffiziente Ventilatoren, die nur dann laufen, wenn sie auch wirklich benötigt werden, amortisieren sich in einem Zeitraum zwischen drei und 24 Monaten. Insbesondere der Nutzer des Endproduktes profitiert davon.

Schwieriger ist es da in den USA, wo erst langsam angefangen wird, in diese Richtung zu denken. Ähnlich ist es in Asien, wo der Anschaffungspreis aktuell jedoch noch stärker im Vordergrund steht. Langfristig wird sich das aber ändern.

Stimmt es, dass Sie sogar bei den Dienstwagen Ihres Unternehmens auf Energieeffizienz achten?

Ja, wir haben eine Regelung, die darauf abzielt, Bewusstsein für den CO2-Ausstoß zu schaffen. Solche Konzepte haben wir im Unternehmen über alle Ebenen hinweg. So machen wir unsere Auszubildenden zu „Energiedetektiven“ und bieten in unserer Kantine in Mulfingen ein Essen mit Lebensmitteln aus der Region an.

Ventilatoren und Elektrokleinmotoren sind ja zunächst scheinbar einfache und damit austauschbare Produkte. Wie differenzieren Sie sich da von Wettbewerbern?

Auf den ersten Blick ist das richtig, allerdings gibt es deutliche Unterscheidungsmerkmale – die Energieeffizienz, der Geräuschpegel und wie ein Produkt in eine Anwendung passt. Dabei müssen wir als Ingenieure darauf achten, dass wir Produkte entwickeln, die die Anwender wirklich benötigen. Deshalb gilt es, den Grenznutzen immer im Auge zu behalten. Wenn Sie das kundenspezifisch hinbekommen, dann können Sie sich sehr gut differenzieren. Und Ebm-Papst hat über Jahrzehnte bewiesen, dass das hervorragend geht.

Lässt sich in Zahlen fassen, wie viele kundenspezifische Lösungen Sie haben und wie viele Katalogprodukte?

Genau genommen sind alle unsere Lösungen kundenspezifisch. Allerdings versuchen wir die immer aus einem standardisierten Baukasten heraus zu entwickeln. Also, wir nehmen im Prinzip ein Katalogprodukt und optimieren es für die Anwendung. Damit realisieren wir auch ein entsprechendes Volumen für die Produktion.

Sie vermitteln den Eindruck, schon sehr lange bei Ebm-Papst zu sein, wie kommt das?

Das liegt wohl daran, dass ich Sachen, die ich mache, auch mit großer Überzeugung ausübe. Als Techniker und Ingenieur sind einem dabei auch die Dinge in einem technologiegetriebenen Unternehmen nicht so fremd. Da fühle ich mich bei Ebm-Papst einfach zu Hause.

Es geht um technische Lösungen, es geht um kundenspezifische Applikationen und es geht um Produktion. Dazu kommen natürlich auch Marketing und Vertrieb. Aber wir sind zunächst produkt- und lösungsgetrieben und richten uns dabei nach den Bedürfnissen unserer Kunden und deren Kunden.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrem neuen Tätigkeitsbereich?

Einmal ist es die Breite der Anwendungen. Sie geht bei Ebm-Papst einmal quer durch das tägliche Leben. Wir bedienen Bereiche wie die Mobilität, Haushaltsgeräte, Kälte- und klimatechnische Anwendungen, wir haben Energieerzeugung, Halbleiter – die Kette ließe sich beliebig fortsetzen. Drehen Sie es mal um und überlegen Sie, was passieren würde, wenn es auf einen Schlag keine Ventilatoren mehr gäbe. Das wäre fast so drastisch wie ein Verzicht auf Wälzlager. Vieles auf der Welt würde stehen bleiben. Ohne Ventilatoren würde der „Hitzetod“ von Komponenten dafür sorgen und es würde sicher unangenehm heiß und kalt.

Insgesamt steckt da sehr viel Innovationspotenzial drin. Sie brauchen Kompetenzen in Strömungstechnik, Antriebstechnik und Steuerungstechnik. So steckt hinter den auf den ersten Blick unscheinbaren Produkten ein sehr interessantes Tätigkeitsfeld. Dafür kann ich mich begeistern. Gute technische Lösungen bereiten mir richtig Freude.

Sie haben also keine Angst, dass Ihrem Unternehmen in den nächsten fünf Jahren die Ideen ausgehen?

Inzwischen habe ich einige Zeit mit unseren Technikern verbracht, um mit ihnen über die Dinge zu sprechen, die wir machen könnten und die wir dringend machen sollten. Da ging es auch um Fragen, welche ungelösten Probleme und unbearbeiteten Märkte es gibt. Wir haben dazu noch so viele Ideen und Lösungen, dass wir aussieben und priorisieren müssen. Es gibt also noch genug Raum für innovative Lösungen.

Welche unternehmerischen Ziele verfolgen Sie: Weiterentwicklung mit Augenmaß oder Aufbruch zu neuen Ufern?

Aus heutiger Sicht liegt der Fokus sicher auf der Weiterentwicklung mit Augenmaß. Komplett anderes zu machen, wäre aus meiner Sicht unklug, zumal es in den Feldern, in denen wir tätig sind, sowie in angrenzenden Bereichen noch ausreichend Märkte gibt, die wir ausbauen können. Dass wir uns dazu ggf. die eine oder andere Technologie dazukaufen, unterstützt diesen Gedanken.

Damit meine ich nicht den Zukauf von Umsätzen, sondern den Zukauf von Technologien, die wir selbst nicht haben, die komplementär sind zu dem, was wir gut können.

Ende 2012 haben Sie den Getriebespezialisten Zeitlauf übernommen, wie passt das in diese Strategie?

Die Akquisition ermöglicht uns, zukünftig komplett optimierte Antriebslösungen, bestehend aus Motor, Getriebe und softwaregestützter Steuerungstechnik anzubieten. Die Firma Zeitlauf ist für uns daher strategisch wichtig. Sie erweitert unsere Systemkompetenz in der industriellen Antriebstechnik und damit den Ausbau unserer Marktposition in diesem Feld.

Was bedeutet die starke Auslandsnachfrage, die generell im Maschinenbau zu erkennen ist, für Ihr Unternehmen und die Standorte in Deutschland?

Wir haben bei Ebm-Papst eine Exportquote von 70 % und der wirkliche Export ist ja noch viel höher. Produkte, die wir an Kunden in Deutschland liefern, gehen schließlich auch zu einem großen Teil in den Export. Das ist ein Zeichen, dass wir auch noch internationaler werden müssen. Um die nächste Ebene zu erreichen, müssen wir von einem internationalen zu einem globalen Unternehmen werden. Das heißt, dass wir in den Wachstumsmärkten in Asien, aber auch den USA, nicht nur verkaufen, sondern auch produzieren und noch entscheidender, auch entwickeln werden. Das ist wichtig, um diese Märkte auch nachhaltig zu erschließen.

Ist zu befürchten, dass das zu Lasten der deutschen Standorte gehen wird?

Mein gesamtes Berufsleben hat mir bisher vermittelt, dass jedes erfolgreiche Auslandsgeschäft weitere Arbeitsplätze zu Hause generiert, selbst wenn ich im Ausland produziere und selbst wenn ich dort entwickle. Verkaufen muss ich es ohnehin vor Ort. Das wird bei Ebm-Papst nicht anders sein. Natürlich wird es immer passieren, dass es sich ab einem bestimmten Reifegrad eines Produktes nicht mehr lohnt, es in Deutschland zu produzieren. Das ist aber nicht weiter schlimm, wenn es dann dort hergestellt wird, wo wir das wirtschaftlich können. Nur – und darin haben deutsche Unternehmen Tradition – ist es wichtig, dass dafür ein neues Produkt folgt, dass zunächst wieder in Deutschland hochläuft und dort auch seine Berechtigung hat, bis es aufgrund des Reifegrades wieder abgelöst wird. Daher benötigen wir ein Innovationsklima und die entsprechende Qualifikation unserer Mitarbeiter. Und dies sicherzustellen ist unsere Aufgabe. MARTIN CIUPEK

Von Martin Ciupek

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